Eltern im Beikoststress

Gerade habe ich mit einer Bekannten telefoniert, die sich Sorgen um ihren neun Monate alten Sohn macht, weil der keinen Brei mag. Sie fragt sich, wann er endlich lernen wird, „richtig“ zu essen und ob er allein durch Muttermilch noch alle wichtigen Nährstoffe bekommt. Von einer gemeinsamen Freundin hatte meine Bekannte gehört, dass wir dieses Problem mit unserem Sohn auch hatten.

Problem? Mhm, vor einem Jahr habe ich das tatsächlich auch so gesehen. Und habe mich unglaublich geärgert, als mein Sohn den selbst gekochten Pastinaken-Kartoffel-Fleisch-Brei quer über den Tisch gespuckt hat. Wie sollte ich so jemals eine Stillmahlzeit pro Monat durch Brei ersetzen, wie es der Plan im Breikochbuch vorsah?

Stillmahlzeit? Mal ehrlich, so etwas gab es bei uns nie. Gestillt wurde immer nach Bedarf – leider nicht unbedingt nach meinem –  sondern dann, wenn der Junior gerade Appetit auf Milch hatte. Und der war riesig,  selbst an Tagen, an denen nach einem langen Machtkampf dann doch etwas Möhrenbrei in Babys Mund gelandet war. Ganz schön frustrierend das Ganze! Denn ich hatte ich mich nie als Langzeit-Stillerin betrachtet, wollte nach einem Jahr wieder arbeiten gehen und vor allem endlich mal wieder mehr als zwei Sunden am Stück schlafen.

Meinen Freundinnen ging es nicht besser. Eigentlich habe ich nur ein einziges Baby kennengelernt, bei dem das mit der Beikost-Einführung so geklappt hat, wie sich das die Erfinder der Beikost-Pläne so ausgedacht haben. Irgendwie seltsam, oder?

Irgendwann, Junior war wohl so etwa acht Monate alt,  beschlossen mein Freund und ich dann, es sein zu lassen mit dem Brei und setzten auf Baby- led Weaning (BLW). Von dieser Methode, Kindern das Essen breifrei näher zu bringen, hatte ich schon gehört, sie aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen, weil die meisten Kinderärzte davon abraten. Das war mir aber zu diesem Zeitpunkt egal, denn auch so kamen wir ja nicht weiter mit der Beikost.

Fortan bekam Junior also gedünstete Möhren, Kartoffeln, Butterbrote oder was bei uns sonst gerade so auf den Tisch kam. Erst mal ungewürzt und so groß, dass er die Stücke gut mit der Hand fassen konnte. Muttermilch gab es weiterhin nach Bedarf, so wie es das BLW-Konzept der englischen Hebamme Gill Rapley vorsieht. Und siehe da, es funktionierte! Nicht immer, aber immer häufiger steckte unser Zwerg sich etwas von dem, was er auf seinem Teller fand, in den Mund und schluckte es sogar herunter. An anderen Tagen wiederum ließ  es ihn völlig kalt, was wir liebevoll vor ihm platziert hatten und schob seinen Teller samt Inhalt vom Tisch. Aber hey, endlich konnten wir selbst wieder in Ruhe essen, statt verkrampft zu versuchen, einen Löffel voller Brei in einen brüllenden Babymund zu befördern. Zur Idee von Baby-led Weaning gehört nämlich auch, dass Kinder erst dann bereit für Beikost sind, wenn sie selbst nach Essen greifen und es sich in den Mund schieben. Nun gut, so saßen wir also alle zusammen am Tisch und hatten Spaß, wir Großen, weil das Essen so lecker (und heiß!) war und der Junior, weil man damit so herrlich rummatschen konnte.

Der Stress war raus und die nächsten Monate lehnten wir uns entspannt zurück und freuten uns an der Experimentierfreude unseres Sohnes. Ob Oliven, Ziegenkäse oder Paprika- er mag fast alles und ist im Freundes- und Bekantenkreis berühmt-berüchtigt für seinen gesunden Appetit. So hat es mit circa 13 Monaten auch mit dem Abstillen geklappt, ganz ohne strengen Beikost-Plan.

Total überzeugt erzähle ich seitdem meinen Feundinnen, wie toll das bei uns funktioniert hat mit dem Baby-led Weaning. Klar, dass wir es auch bei unserem zweiten Sohn wieder so machen wollen. Aber wie so oft im Leben, habe ich auch hier wieder einmal feststellen müssen, dass man besser nicht zu viele Pläne macht, denn es kommt sowieso anders. Paul hat das Down-Syndrom und ob er mit 6,7 oder 8 Monaten schon selbstständig nach Essen greifen kann, bleibt abzuwarten. Viele Kinder mit Down-Syndrom beherrschen den dafür nötigen Pinzettengriff erst viel später und müssen  erst mal gefüttert werden. Auf die Erfahrungen anderer Eltern können wir erst mal nicht zurückgreifen, denn – zu meiner großen Überraschung – hatten die meisten Eltern aus der Down-Krabbelgruppe noch nichts von BLW gehört. Schade, denn das Konzept hilft meiner Meinung nach sehr, den Stress bei der Beikost-Einführung zu reduzieren.

Man muss es ja nicht dogmatisch angehen. Warum nicht zwischendurch auch mal einen Brei kochen, wenn das Baby das mag und es gerade in den Familienalltag passt? Auch wir werden bei Paul wohl unseren eigenen Weg finden müssen. Noch sind wir ja ganz unerfahren, was seine Fertigkeiten und Vorlieben betrifft. Also werden wir es wohl einfach ausprobieren, wenn die Zeit dafür (beikost)reif ist….

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht mit  Brei und Co.? Kennt ihr Kinder mit Down-Syndrom und wisst, wie deren Eltern an die Beikost herangegangen sind? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!