Downie und zurückgeblieben? Wie sprechen wir von Menschen mit Behinderung?

Heute Morgen habe ich Radio gehört und mich geärgert. Der Sprecher, der über den Amoklauf in Japan berichtete, bei dem 19 Menschen getötet wurden, sprach von „geistig Zurückgebliebenen“. Bitte was?

Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, wie schrecklich diese Tat ist und wie viel Angst sie mir als Mutter eines behinderten Kindes macht. Das ist sowieso klar. Was mich aber zusätzlich ärgert, ist die Bezeichnung „geistig Zurückgebliebene“. Tatsache ist, dass es sich bei den getöteten Menschen um die Einwohner eines Behindertenheimes handelte. Um Menschen also, die mit einer genetischen oder einer erworbenen Behinderung  leben. „Zurückgeblieben“ bedeutet aber etwas völlig anderes und ist in diesem Zusammenhang meines Erachtens schlicht falsch. Denn die Betroffenen hatten entweder von Beginn an andere Voraussetzungen im Leben als die meisten von uns oder ein Unfall oder eine Krankheit haben dazu geführt, dass sie mit einer mehr oder weniger starken Beeinträchtigung leben müssen.

Bin ich überempfindlich?

Vielleicht. Auch, weil ich als Mutter natürlich selbst betroffen bin. Trotzdem finde ich es wichtig, beim Sprechen über andere darauf zu achten, was man eigentlich ausdrückt. Wenn ich „Behinderter“ sage, ist das zwar nicht so respektlos wie „Zurückgebliebener“ oder auch „Downie“, aber ich reduziere dadurch einen Menschen auf eine einzige seiner Eigenschaften,  nämlich seine Behinderung. Dass dieser Mensch außerdem vielleicht noch Musiker, farbenblind, Vegetarier oder Judoka ist, scheint gar nicht von Belang zu sein. Und das finde ich schade!

Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle mehr darauf achten, wie wir über andere sprechen. Dafür muss man bereit sein, sich diese anderen genau anzuschauen. Dann erkennt man nämlich schnell, dass sie genauso vielschichtig sind wie wir selbst und es genau wie wir verdienen, mit Respekt behandelt zu werden.

Sonntagsfrühstück: zuckerfreie Erdbeermarmelade mit Leinsamen

Vielleicht kennt ihr schon Chia-Marmelade?  Die ist seit einiger Zeit ziemlich angesagt. Nicht ganz zu Unrecht, denn mit Chiasamen kann man schnell und unkompliziert zuckerfreie und rohe Marmelade machen. Und als gesundes Superfood gelten die unscheinbaren Körnchen noch dazu. Allerdings sind sie ziemlich teuer und müssen einmal um die Welt reisen, bevor sie bei uns im Regal landen. Nicht optimal, finde ich. Deshalb habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut und herausgefunden, dass geschrotene Leinsamen genauso gut als natürliches Geliermittel funktionieren.

Günstig und regional

Wen es interessiert, dem sei gesagt, dass auch Leinsamen sehr gesund sind. Sie enthalten neben Ballaststoffen, die die Verdauung anregen auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Aber darum geht es hier nicht, denn ich wollte euch ja erzählen, wie ich aus geschrotenen Leinsamen gestern Abend ganz schnell eine leckere Erdbeermarmelade für unser Sonntagmorgenfrühstück gemacht habe.

Wie geht’s?

Für ein großes Glas Marmelade wäscht man ein Körbchen Erdbeeren und entfernt den grünen Stängel mit einem Messer. Dann kommen die Erdbeeren mit einem Schuss Zitronensaft in den Mixer und werden in circa 30 Sekunden sämig püriert. Anschließend gibt man drei gehäufte Esslöffel geschrotene Leinsamen hinzu und lässt das Ganze für mindestens eine halbe Stunde, besser über Nacht quellen. Wer es süßer mag, kann natürlich Honig, Ahornsirup oder etwas Zucker hinzufügen. Bei reifen Früchten ist das aber eigentlich nicht nötig (findet sogar unser Zweiähriger!). Die roh gerührte Marmelade hält sich im Kühlschrank etwa zwei Tage, lässt sich aber auch prima einfrieren.

Wer die Marmelade länger aufbewahren will, kann die pürierten Früchte auch kurz aufkochen. Ich habe das einmal mit pürierten Datteln ausprobiert, was ziemlich lecker geworden ist. Da die Leinsamen als Geliermittel wirken, braucht man keinen Gelierzucker mehr hinzufügen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und einen schönen Sonntag!

 

Weniger ist mehr – wie kann man als Familie nachhaltig leben?

Ein bisschen „öko“ war ich schon immer. Als Elfjährige gab ich mein Taschengeld im angestaubten Reformhaus meines Heimatstädtchens aus und wünschte mir zum Geburtstag eine Getreidemühle, um fortan Frischkornbrei zum Frühstück zu essen. Sehr zur Belustigung meiner Familie, die mich fortan nur noch „das Huhn“ nannte.

Bio allein reicht irgendwie nicht mehr

Als Studentin später freute ich mich über die zahlreichen Bio-Supermärkte in der Stadt und darüber, dass es völlig normal geworden war, dort einzukaufen. Viele Jahre lang fand ich, dass das ausreiche, um ein einigermaßen nachhaltiges Leben zu führen. Irgendwann dämmerte mir aber, dass Bio-Tomaten aus Israel im November nicht das Wahre sind. Und dass die Unmengen an Plastikmüll, die bei mir nach jedem Einkauf im  gelben Sack landen, alles andere als nachhaltig sind. Bio hin oder her.

Seit ich Kinder habe, finde ich außerdem die Vorstellung, dass in 50 Jahren die Meere komplett zugemüllt sein könnten, wirklich gruselig. Kurz, irgendetwas an meinen Gewohnheiten muss sich ändern.

Kann man als Familie ohne Müll leben?

Bei einer Freundin entdeckte ich das Buch „Zero Waste Home“ von Bea Johnson und war beeindruckt. Die Autorin und ihre Familie haben es nämlich geschafft, ihren Haushaltsmüll auf ein Minimum zu reduzieren und dabei noch ganz nebenbei ihr Leben von unnötigem Ballast zu befreien. Neben dem Verzicht auf Plastik und Wegwerf-Artikel gelingt ihnen das durch gnadenloses Entrümpeln in allen Lebensbereichen. Das zu große Haus? Verkaufen! Den unbefriedigenden Job? Kündigen!  Stattdessen konzentrieren sie sich lieber auf die wesentlichen Dinge im Leben: Familie, Freunde und das Hier und Jetzt. Das klang wie Musik in meinen Ohren…

Erst mal nur kleine Schritte

Nur waren wir von einer so minimalistischen Lebensweise meilenweit entfernt. Und was macht man, wenn man nicht wie Bea Johnson im hippen Kalifornien lebt, wo es verpackungsfreie Supermärkte offenbar an jeder Ecke gibt? Meine erste Google-Suche war ernüchternd. Zwar gab es auch in Deutschland bereits eine Handvoll verpackungsfreie Läden, nicht aber in Stuttgart. Enttäuscht beschloss ich, dann wenigstens ein paar Mini-Schritte in Richtung weniger Müll und mehr Minimalismus zu gehen. Obst und Gemüse zum Beispiel kann man auf dem Wochenmarkt regional und lose kaufen. Und weil man überall probieren darf, macht das sogar den Kindern Spaß. Der Bäcker packt das Brot auch in einen mitgebrachten Jutebeutel, wenn man ihn darum bittet. Statt unterschiedlicher Duschgele und Shampoos benutzen wir alle in der Familie eine feste Seife. Unter dem Strich kostet das uns weniger Geld und sorgt für mehr Ordnung.

Als nächstes fing ich an, Dinge selbst herzustellen, die ich vorher in Tetra-Packs gekauft hatte. Waschmittel zum Beispiel. Oder Mandelmilch. Das ist leider schon aufwändiger und nicht immer ist das Ergebnis so, wie ich es gerne hätte.

Endlich ein verpackungsfreier Laden!

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Deshalb war ich überglücklich, als ich hörte, dass es in Stuttgart nun endlich einen verpackungsfreien Laden gibt. Schüttgut heißt er und vor kurzem war ich dort zum ersten Mal einkaufen. Ein bisschen Vorbereitung erforderte das schon, denn ich musste mir zu Hause überlegen, was ich brauche und die entsprechenden Behältnisse einpacken. Die habe ich später im Laden gewogen und die Waren dann selbst hineingefüllt. An der Kasse wird dann erneut gewogen und das Gewicht des Behälters abgezogen. Eigentlich ganz easy. Während ich nach und nach meine alten Schraubgläser befüllte, war ich zunehmend beeindruckt von der großen Auswahl: Nudeln, Nüsse, Chia-Samen, es gibt bei Schüttgut eigentlich nichts, was es nicht gibt. Ich fand es super, mir nur das zu nehmen, was wir wirklich brauchen und mich nebenbei noch mit anderen Kunden über Kochrezepte auszutauschen. Zu Hause im Regal sehen die Schraubgläser so viel schöner aus als olle Plastikpackungen und der gelbe Sack ist ein bisschen leerer als sonst. Ich komme auf jeden Fall wieder!

 

 

Clafoutis -unser Sonntagmorgenfrühstück

Auch wenn ich es liebe, in der Küche herumzuwerkeln, muss es im Alltag meistens schnell gehen. Hungrige Kleinkinder halten leider nicht viel von aufwändigen Menus. Lecker und gesund muss es für mich aber trotzdem sein (und zwar in dieser Reihenfolge!). Da bei uns aber meistens mein Freund für das Kochen zuständig ist, halte ich mich an schnelle und unkomplizierte Gerichte. Zum Glück ist mein Fundus mitlerweile recht groß, denn ich stöbere für mein Leben gern in Kochbüchern und Foodblogs herum. Vieles improvisiere ich aber auch, je nachdem, was gerade so im Kühlschrank herumsteht. So auch heute Morgen, als ich in aller Herrgottsfrühe alleine in der Küche war und alle anderen noch schliefen. Herrlich, diese Ruhe! Während ich völlig ungestört meinen ersten Kaffee trank, hatte ich alle Zeit der Welt, ein leckeres Sonntagmorgenfrühstück vorzubereiten. Und weil da noch ein ein paar überreife Bananen und langsam schrumpelig werdende Aprikosen in der Küche waren, beschloss ich, ein Clafoutis zu backen.

Lecker und beikostgeeignet

Ein Clafoutis ist im Prinzip nichts anderes als ein Pfannkuchen, der im Ofen gebacken wird. Das dauert 15 -20 Minuten und ist kinderleicht. Man kann dafür jede beliebige Obstsorte verwenden. Total lecker ist auch die Kombination von Kirschen und Kakaonibs (Vorsicht Kirchkerne!). Wenn man wie ich nur Obst als Süßungsmittel  verwendet, sollte es allerdings möglichst reif sein. Ohne Zucker und mit Vollkornmehl ist Clafoutis ziemlich gesund und auch für kleine Kinder im Beikostalter geeignet. Sie können es ganz einfach mit den Händen zerrupfen und selbst in den Mund stecken . Und hier ist mein Pi-mal-Daumen-Rezept von heute Morgen:

Clafoutis mit Bananen und Aprikosen (für vier Personen)

4 Eier

1-2 reife Bananen

5-6 Aprikosen

1 kleine Tasse Mehl

1/2 Tasse Haferflocken

3-4 Tassen Hafermilch (oder jede andere Milch)

Zuerst verrührt man die Eier mit einem Schaumbesen oder einer Gabel. Dann kommen das Mehl, die Haferflocken und die Milch dazu. Die Mengenangaben hängen hier sehr von der verwendeten Mehl- und Milchsorte ab. Bei Vollkornmehl braucht man immer etwas mehr Flüssigkeit. Hafermilch ist dünnflüssiger als Kuhmilch. Ich verwende sie gerne, weil sie einen süßen Eigengeschmack hat. Jedenfalls sollte der Teig nicht zu fest sein, etwa so wie ein Pfannkuchenteig.

Den Teig gibt man in eine eingeölte Quicheform (oder jede andere ofenfeste Auflaufform), legt die Früchte darauf und bäckt das Ganze bei 150 Grad Umluft 15-20 Minuten. Fertig ist das Clafoutis, wenn der Teig nicht mehr flüssig ist und die Eier gestockt haben. Jetzt kann man noch ein paar Minzblättchen als Deko darauf legen et voilà. Guten Appetit!

 

„Und wir wünschen euch ganz viel Kraft“ – von Glückwünschen, die keine sind

Gerade bin ich dabei, zu überlegen, wie die Dankeskarten für unsere Freunde und Verwandten aussehen sollen, die uns zu Pauls Geburt gratuliert und beschenkt haben. Zugegeben, seitdem sind fast vier Monate vergangen, ich bin also ganz schön spät dran. Aber es gab wichtigere Dinge zu tun. Zuerst einmal mussten wir uns als Familie neu sortieren und mit den neuen Aufgaben und Herausforderungen klarkommen, die Pauls Behinderung so mit sich bringt.

Ist ein Kind mit Behinderung denn kein Grund, sich zu freuen?

Aber das ist ein anderes Thema. Eigentlich wollte ich ja davon erzählen, wie viele liebe Glückwünsche wir zur Geburt unseres Sohnes bekommen haben. Von Freunden, Verwandten und Kollegen, die sich mit uns gefreut haben über Paul, so wie er ist. Und bei all denen möchte ich mich bedanken. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Ist es aber offenbar nicht, wenn man ein Baby mit Behinderung bekommt. Das berichten jedenfalls manche Eltern, deren soziales Umfeld  nicht so positiv reagiert hat und denen man teilweise noch nicht einmal zur Geburt gratuliert hat. Was für eine bodenlose Frechheit!

Natürlich haben auch wir manchmal eine gewisse Beklemmung gespürt. Die äußerste sich zum Beispiel in Sätzen wie „Wir wünschen euch ganz viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.“ Sicher sind solche Aussagen gut gemeint, aber für mich schwingt in ihnen immer auch mit „anders wäre es  besser gewesen“. Aber das ist schlicht und ergreifend falsch! Auch wir hatten zwar mit einem nicht-behinderten Kind gerechnet und die vielen medizinischen Checks, die bereits notwendig waren, hätten wir Paul gerne erspart. Aber wir finden unser Baby so wie es ist, wunderschön und perfekt. Und um nichts in der Welt würden wir es gegen ein anderes eintauschen.

Elternsein ist immer auch schwierig

Und mal ehrlich, ganz viel Kraft brauchen doch alle Eltern, ganz egal, ob das Kind nun behindert ist oder nicht. Ein Schreibaby kann einem den letzten Nerv rauben und auch nicht behinderte Kinder können später schwer erkranken. Das ist nun mal das Risiko des Lebens und wer davor Angst hat, sollte vielleicht besser keine Kinder bekommen.

Ich glaube, ein Grund für die Beklemmung mancher Menschen ist, dass sie einfach nur sehr wenig über Trisomie 21  wissen und alte Bilder im Kopf haben. Von dicken Brillen, unmodischen Frisuren und behinderten Menschen, die nicht richtig sprechen können. Zugegeben, auch ich hatte diese Bilder zunächst im Kopf . Umso dankbarer bin ich, dass wir von Anfang an so viel Unterstützung und Informationen zum Down-Syndrom bekommen haben. Von der Kinderärztin, der Frühförderstelle und von unserer großartigen Hebamme, die uns  in der Anfangszeit tatkräftig unterstützt hat und uns immer wieder Mut gemacht hat, wenn der uns zwischenzeitlich mal verließ.

Babys mit Down-Syndrom sind auch süß!

Ganz besonders geholfen haben mir damals die  beiden Bildbände der Fotografin Conny Wenk  „Außergewöhnlich“, deren Tochter selbst das Down-Syndrom hat. Die Bilder der Kinder sind einfach zu süß und die Familien wirken trotz aller Schwierigkeiten glücklich. Nachdem ich die beiden Bücher von vorne bis hinten durchgelesen hatte, beschloss ich, dass auch wir unbedingt so schöne Bilder von Paul brauchen. Schließlich hatten wir ja auch beim Großen ein Neugeborenen-Shooting gemacht. Und da lag es nahe, wieder dieselbe Fotografin zu fragen, nämlich Erika Martins, deren wunderschöne Bilder ihr auch teilweise hier im Blog findet. Und die ich natürlich auch für meine Dankeskarten verwenden werde. So schließt sich der Kreis und ich wünsche allen Eltern, die ein Kind mit Behinderung bekommen, genauso viel Unterstützung und positive Resonanz, wie wir sie erlebt haben.