„Und wir wünschen euch ganz viel Kraft“ – von Glückwünschen, die keine sind

Gerade bin ich dabei, zu überlegen, wie die Dankeskarten für unsere Freunde und Verwandten aussehen sollen, die uns zu Pauls Geburt gratuliert und beschenkt haben. Zugegeben, seitdem sind fast vier Monate vergangen, ich bin also ganz schön spät dran. Aber es gab wichtigere Dinge zu tun. Zuerst einmal mussten wir uns als Familie neu sortieren und mit den neuen Aufgaben und Herausforderungen klarkommen, die Pauls Behinderung so mit sich bringt.

Ist ein Kind mit Behinderung denn kein Grund, sich zu freuen?

Aber das ist ein anderes Thema. Eigentlich wollte ich ja davon erzählen, wie viele liebe Glückwünsche wir zur Geburt unseres Sohnes bekommen haben. Von Freunden, Verwandten und Kollegen, die sich mit uns gefreut haben über Paul, so wie er ist. Und bei all denen möchte ich mich bedanken. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Ist es aber offenbar nicht, wenn man ein Baby mit Behinderung bekommt. Das berichten jedenfalls manche Eltern, deren soziales Umfeld  nicht so positiv reagiert hat und denen man teilweise noch nicht einmal zur Geburt gratuliert hat. Was für eine bodenlose Frechheit!

Natürlich haben auch wir manchmal eine gewisse Beklemmung gespürt. Die äußerste sich zum Beispiel in Sätzen wie „Wir wünschen euch ganz viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.“ Sicher sind solche Aussagen gut gemeint, aber für mich schwingt in ihnen immer auch mit „anders wäre es  besser gewesen“. Aber das ist schlicht und ergreifend falsch! Auch wir hatten zwar mit einem nicht-behinderten Kind gerechnet und die vielen medizinischen Checks, die bereits notwendig waren, hätten wir Paul gerne erspart. Aber wir finden unser Baby so wie es ist, wunderschön und perfekt. Und um nichts in der Welt würden wir es gegen ein anderes eintauschen.

Elternsein ist immer auch schwierig

Und mal ehrlich, ganz viel Kraft brauchen doch alle Eltern, ganz egal, ob das Kind nun behindert ist oder nicht. Ein Schreibaby kann einem den letzten Nerv rauben und auch nicht behinderte Kinder können später schwer erkranken. Das ist nun mal das Risiko des Lebens und wer davor Angst hat, sollte vielleicht besser keine Kinder bekommen.

Ich glaube, ein Grund für die Beklemmung mancher Menschen ist, dass sie einfach nur sehr wenig über Trisomie 21  wissen und alte Bilder im Kopf haben. Von dicken Brillen, unmodischen Frisuren und behinderten Menschen, die nicht richtig sprechen können. Zugegeben, auch ich hatte diese Bilder zunächst im Kopf . Umso dankbarer bin ich, dass wir von Anfang an so viel Unterstützung und Informationen zum Down-Syndrom bekommen haben. Von der Kinderärztin, der Frühförderstelle und von unserer großartigen Hebamme, die uns  in der Anfangszeit tatkräftig unterstützt hat und uns immer wieder Mut gemacht hat, wenn der uns zwischenzeitlich mal verließ.

Babys mit Down-Syndrom sind auch süß!

Ganz besonders geholfen haben mir damals die  beiden Bildbände der Fotografin Conny Wenk  „Außergewöhnlich“, deren Tochter selbst das Down-Syndrom hat. Die Bilder der Kinder sind einfach zu süß und die Familien wirken trotz aller Schwierigkeiten glücklich. Nachdem ich die beiden Bücher von vorne bis hinten durchgelesen hatte, beschloss ich, dass auch wir unbedingt so schöne Bilder von Paul brauchen. Schließlich hatten wir ja auch beim Großen ein Neugeborenen-Shooting gemacht. Und da lag es nahe, wieder dieselbe Fotografin zu fragen, nämlich Erika Martins, deren wunderschöne Bilder ihr auch teilweise hier im Blog findet. Und die ich natürlich auch für meine Dankeskarten verwenden werde. So schließt sich der Kreis und ich wünsche allen Eltern, die ein Kind mit Behinderung bekommen, genauso viel Unterstützung und positive Resonanz, wie wir sie erlebt haben.

 

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