Weniger ist mehr – wie kann man als Familie nachhaltig leben?

Ein bisschen „öko“ war ich schon immer. Als Elfjährige gab ich mein Taschengeld im angestaubten Reformhaus meines Heimatstädtchens aus und wünschte mir zum Geburtstag eine Getreidemühle, um fortan Frischkornbrei zum Frühstück zu essen. Sehr zur Belustigung meiner Familie, die mich fortan nur noch „das Huhn“ nannte.

Bio allein reicht irgendwie nicht mehr

Als Studentin später freute ich mich über die zahlreichen Bio-Supermärkte in der Stadt und darüber, dass es völlig normal geworden war, dort einzukaufen. Viele Jahre lang fand ich, dass das ausreiche, um ein einigermaßen nachhaltiges Leben zu führen. Irgendwann dämmerte mir aber, dass Bio-Tomaten aus Israel im November nicht das Wahre sind. Und dass die Unmengen an Plastikmüll, die bei mir nach jedem Einkauf im  gelben Sack landen, alles andere als nachhaltig sind. Bio hin oder her.

Seit ich Kinder habe, finde ich außerdem die Vorstellung, dass in 50 Jahren die Meere komplett zugemüllt sein könnten, wirklich gruselig. Kurz, irgendetwas an meinen Gewohnheiten muss sich ändern.

Kann man als Familie ohne Müll leben?

Bei einer Freundin entdeckte ich das Buch „Zero Waste Home“ von Bea Johnson und war beeindruckt. Die Autorin und ihre Familie haben es nämlich geschafft, ihren Haushaltsmüll auf ein Minimum zu reduzieren und dabei noch ganz nebenbei ihr Leben von unnötigem Ballast zu befreien. Neben dem Verzicht auf Plastik und Wegwerf-Artikel gelingt ihnen das durch gnadenloses Entrümpeln in allen Lebensbereichen. Das zu große Haus? Verkaufen! Den unbefriedigenden Job? Kündigen!  Stattdessen konzentrieren sie sich lieber auf die wesentlichen Dinge im Leben: Familie, Freunde und das Hier und Jetzt. Das klang wie Musik in meinen Ohren…

Erst mal nur kleine Schritte

Nur waren wir von einer so minimalistischen Lebensweise meilenweit entfernt. Und was macht man, wenn man nicht wie Bea Johnson im hippen Kalifornien lebt, wo es verpackungsfreie Supermärkte offenbar an jeder Ecke gibt? Meine erste Google-Suche war ernüchternd. Zwar gab es auch in Deutschland bereits eine Handvoll verpackungsfreie Läden, nicht aber in Stuttgart. Enttäuscht beschloss ich, dann wenigstens ein paar Mini-Schritte in Richtung weniger Müll und mehr Minimalismus zu gehen. Obst und Gemüse zum Beispiel kann man auf dem Wochenmarkt regional und lose kaufen. Und weil man überall probieren darf, macht das sogar den Kindern Spaß. Der Bäcker packt das Brot auch in einen mitgebrachten Jutebeutel, wenn man ihn darum bittet. Statt unterschiedlicher Duschgele und Shampoos benutzen wir alle in der Familie eine feste Seife. Unter dem Strich kostet das uns weniger Geld und sorgt für mehr Ordnung.

Als nächstes fing ich an, Dinge selbst herzustellen, die ich vorher in Tetra-Packs gekauft hatte. Waschmittel zum Beispiel. Oder Mandelmilch. Das ist leider schon aufwändiger und nicht immer ist das Ergebnis so, wie ich es gerne hätte.

Endlich ein verpackungsfreier Laden!

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Deshalb war ich überglücklich, als ich hörte, dass es in Stuttgart nun endlich einen verpackungsfreien Laden gibt. Schüttgut heißt er und vor kurzem war ich dort zum ersten Mal einkaufen. Ein bisschen Vorbereitung erforderte das schon, denn ich musste mir zu Hause überlegen, was ich brauche und die entsprechenden Behältnisse einpacken. Die habe ich später im Laden gewogen und die Waren dann selbst hineingefüllt. An der Kasse wird dann erneut gewogen und das Gewicht des Behälters abgezogen. Eigentlich ganz easy. Während ich nach und nach meine alten Schraubgläser befüllte, war ich zunehmend beeindruckt von der großen Auswahl: Nudeln, Nüsse, Chia-Samen, es gibt bei Schüttgut eigentlich nichts, was es nicht gibt. Ich fand es super, mir nur das zu nehmen, was wir wirklich brauchen und mich nebenbei noch mit anderen Kunden über Kochrezepte auszutauschen. Zu Hause im Regal sehen die Schraubgläser so viel schöner aus als olle Plastikpackungen und der gelbe Sack ist ein bisschen leerer als sonst. Ich komme auf jeden Fall wieder!

 

 

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