Lieber etwas langsamer? 5 Tipps, wie du dein Leben entschleunigen kannst

In meiner ersten Elternzeit hatte ich mir viel vorgenommen. Babyschwimmen, Kinderwagensport, Rückbildungsyoga. Weiter Tango tanzen und Freunde treffen wie früher. Eine Weiterbildung machen. Ach ja, und eine Rucksackreise nach Südamerika wollten wir auch noch organisieren.

Wer selbst Kinder hat, wird spätestens jetzt lachend am Boden liegen und sich fragen, wie ich bloß so naiv sein konnte, das alles hinzukriegen.

Denn natürlich habe ich es nicht geschafft, mein Leben mit Baby einfach so weiterzuführen wie vorher. Dabei habe ich einige meiner  Vorhaben sogar umgesetzt, zum Beispiel die Rucksackreise. Allerdings ganz anders, als mein Freund und ich uns das vorgestellt hatten. Denn statt die Tangobars von Buenos Aires unsicher zu machen, verbrachten wir unsere Nächte damit, unseren kleinen Schreihals zu beruhigen. Tagsüber saßen wir dann meistens ermattet auf einem Spielplatz und schauten den argentinischen Familien beim Matetee-Trinken zu. Im Torres del Paine-Nationalpark in Chile endeten unsere Wanderungen meist nach zwei oder drei Stunden, wenn der Zwerg in der Trage seinen Mittagsschlaf beendet hatte und unterhalten werden wollte. Und wenn wir dann den Rest des Nachmittags an einem schattigen Plätzchen verbrachten, warf ich den vorbeilaufenden Wanderern wehmütige Blicke zu.

Beim zweiten Mal wird alles anders, oder?

Nun bin ich wieder in Elternzeit und habe mir gar nicht erst so viel vorgenommen. Das ist auch besser so, denn auch dieses Mal kam alles anders als erwartet. Zwar hat Sohnemann Nummer zwei im Vergleich zu seinem Bruder ein sehr ausgeglichenes Gemüt und einen elternfreundlichen Schlafrhythmus, dafür aber das Down-Syndrom. Das bedeutet, dass einiges etwas anders und vor allem langsamer läuft als bei anderen Babys.

Aber um ehrlich zu sein, diese Langsamkeit tut mir richtig gut und ist genau das, was in meinem Leben bislang gefehlt hat. Und  während ich mit Baby Nummer 1 manchmal heulend im Bett saß, weil ich es am späten Nachmittag noch nicht geschafft hatte, zu duschen, genieße ich es heute, im Gammel-Look und mit dem Kleinen auf dem Sofa zu liegen. Nicht immer gelingt mir das gleich gut, aber immer häufiger. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es jedem gut tut, sein Leben zu entschleunigen, egal, ob man Kinder hat oder nicht. Und ich gebe dir gerne fünf Tipps, die mir dabei immer wieder helfen.

Tipp 1: Akzeptieren, was ist

Eine wichtige Maßnahme gegen den Frust darüber, nichts auf die Reihe zu kriegen, ist in meinen Augen, jede Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Ganz egal, ob man sie mag oder nicht. Babys sind dafür wunderbare Lehrer, denn sie sind extrem anspruchsvoll und hilfsbedürftig. Anders als wir können sie ihr Bedürfnis nach Nahrung, Nähe oder Schlaf nicht aufschieben. Und da wir nun mal die Verantwortung für diese kleinen Menschen haben, müssen wir unsere eigenen Bedürfnisse und Aufgaben hintenan stellen. Tag und Nacht und oft ohne richtige Ruhepausen. Gerade bei zwei Kindern bleibt eigentlich nie Zeit, mal gemütlich mit der besten Freundin zu telefonieren, ungestört ein Buch zu lesen oder gar auszuschlafen. Das finde auch ich ärgerlich, aber hey, es kommen wieder andere Zeiten! Und so lange die Zwerge so abhängig sind, hilft es einfach nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was man gerade alles verpasst.

Tipp 2: Die To-Do-Liste entrümpeln

Wie viele Menschen neige auch ich dazu, mir jeden Tag zu viel vorzunehmen. Auf meiner To-Do-Liste stehen gerne mal aufwändige Sachen wie Brot backen oder Marmelade kochen. Diese Dinge machen mir aber so viel Spaß, das ich nicht auf sie verzichten möchte. Und dann gibt es Aufgaben, die nun mal erledigt werden müssen. Wäsche waschen zum Beispiel. In einem Vier-Personen-Haushalt fällt da einiges an und 24 Stunden erscheinen mir oft viel zu wenig, um alles zu erledigen. Deshalb habe ich angefangen, alles von meiner To-Do-Liste zu streichen, was nicht zwingend erledigt werden muss und weder für die Kinder noch für mich gewinnbringend ist. Dazu gehören für mich Dinge wie bügeln, telefonieren, Babykurse oder Leute treffen, mit denen ich nur Smalltalk austauschen würde. Der letzte Punkt hört sich vielleicht radikal an, aber nur so schaffe ich es, Zeit für die Menschen zu haben, die mir wirklich am Herzen liegen.

Tipp 3: Nicht zwei Dinge auf einmal tun

Wer kennt das nicht? Wenn man  einen Berg an Aufgaben vor sich hat, versucht man manchmal, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Auch mir geht das so. Beim Stillen schnell mal eine Mail beantworten oder beim Spielen mit dem großen Sohn schon mal nebenbei das Kinderzimmer aufräumen. Das geht aber gründlich daneben, denn anders als viele denken, gewinnen wir durch Multi-Tasking keine Zeit, sondern vergeuden vielmehr welche. Denn wer versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kriegt nichts gut auf die Reihe. Hinzu kommt, dass es einfach viel schöner ist, sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Beim Essen schmecken wir wieder etwas, beim Duschen bemerken wir, wie gut das Duschgel riecht und in der U-Bahn sehen wir, was für ein schönes Kleid die Frau neben uns anhat. Wer stattdessen immer nur auf sein Smartphone starrt oder  mit den Gedanken im Gestern oder Morgen ist, verpasst das halbe Leben und fühlt sich permanent gestresst durch neue Nachrichten, die die beantwortet werden wollen oder weitere Aufgaben, die irgendwann mal anstehen.

Übrigens will ich damit nicht sagen, dass man grundsätzlich auf ein Smartphone oder soziale Netzwerke wie Facebook etc. verzichten sollte. Nur sollten wir sie als das sehen, was sie sind, nämlich superpraktische Werkzeuge, die den Alltag erleichtern können, mehr aber auch nicht. Wer hat schon Lust auf Gespräche mit Leuten, die immer auf ihr Handy schielen?

Tipp 4: Dinge bewusst langsam tun

Heute war ich wieder im verpackungsfreien Supermarkt einkaufen. Über meinen ersten Besuch dort, habe ich hier vor einigen Wochen berichtet. Seitdem versuche ich, einen Großteil meiner Einkäufe dort zu erledigen. Nicht nur, weil ich das für ökologisch sinnvoll halte, sondern auch, weil es so viel angenehmer ist, als schnell mal durch den Discounter zu hetzen, die Dinge achtlos in einen Wagen zu werfen und an der Kasse schon vom nächsten Kunden weggeschubst zu werden. Bei Schüttgut dagegen wiege ich erstmal meine mitgebrachten Behältnisse ab, überlege dann, welches davon sich für welches Lebensmittel eignet und fülle dann alles selbst ab. Das dauert seine Zeit. Wenn ich dort einkaufe, nehme ich mir nicht mehr viel anderes vor. Dafür reicht es dann immer noch für ein Schwätzchen mit der Besitzerin und manchmal auch für einen Kaffee auf der kleinen Bank vor dem Laden.

Tipp 5: Sich im Nichtstun üben

Dieser Tipp ist für mich ehrlich gesagt am schwierigsten umzusetzen. Aber ich glaube, dass es der Wichtigste ist. Seit einigen Monaten nehme ich mir daher jeden Tag eine halbe Stunde Zeit, um zu meditieren. Das bedeutet, dass ich mich auf ein bequemes Kissen setze und meinen Atem beobachte. Manchmal wiederhole ich auch ein Mantra oder gehe im Geist meinen ganzen Körper durch. Dabei ist mein Ziel nicht, irgendetwas zu erreichen, sondern einzig und allein, für eine Weile ganz bewusst im Augenblick zu sein. Dafür muss man nicht zwingend meditieren. Vielleicht hast du selbst schon in anderen Situationen  erlebt, wie großartig es sich anfühlt, voll und ganz präsent zu sein. Zum Beispiel beim Tanzen, beim Laufen oder beim Musikmachen. Letztlich kann jede Aktivität zu einer Meditation werden, wenn wir sie langsam und bewusst ausführen, sogar etwas so Banales wie Kaffee kochen.

Ich hoffe, dass dir meine Tipps weiterhelfen, ein bisschen mehr Langsamkeit in dein Leben zu bringen. Vielleicht hast du selbst weitere Tipps, die du hier auf dem Blog mit mir teilen möchtest? Ich freue mich auf jeden Kommentar!

 

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