Mein besonderes Kind und die Geschichte vom Prinz Seltsam

Mein besonderes Kind sieht ein bisschen anders aus. Seine Augen sind mandelförmiger, sein Kopf runder und seine Nase flacher als bei den meisten Menschen. Auf seine ganz eigene Weise ist mein besonderes Kind wunderschön und unverwechselbar.

Mein besonderes Kind lässt sich Zeit. Beim Essen, Krabbeln, Laufen. Es entdeckt die Welt in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Weise.

Mein besonderes Kind hat ein charmantes Lächeln, dem man einfach nichts abschlagen kann. Und es lächelt oft, denn es ist ein fröhliches Kind. Es ist gerne auf dieser Welt. Und ich freue mich jeden Tag wie ein Schneekönig, dass es hier ist.

Mein besonderes Kind scheint auch bei fremden Menschen etwas auszulösen. Sie öffnen sich und erzählen mir Dinge, die man sonst nur Freunden erzählt. Von Arbeitslosigkeit, Liebeskummer oder schwerer Krankheit. Vielleicht liegt das daran, dass wir, mein Kind und ich, ein Beispiel dafür sind, dass das Leben nicht so planbar ist, wie wir uns das manchmal wünschen. Und dafür, dass gerade das gut ist.

Leider sehen das nicht alle Menschen so. Vielleicht wird es deshalb schon bald keine „besonderen“ Kinder mehr geben. Denn bald soll ein Test Standard werden, der bereits früh in der Schwangerschaft sicher erkennen lässt, ob ein Embryo von einer Chromosomenabweichung wie einer Trisomie 21 betroffen ist. Bislang ist dieser sogenannte „Praenatest“ in Deutschland keine Kassenleistung und damit für viele Schwangere zu teuer. Das soll sich aber ändern. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) befasst sich schon seit längerem mit dem Thema.

In Island, wo der Praenatest schon länger zu den Standarduntersuchungen in der Schwangerschaft gehört, liegt die Abtreibungsquote von Embryonen mit einer Trisomie 21 bei 100%. Auch bei uns in Deutschland werden neun von zehn Föten abgetrieben, wenn der Verdacht auf Trisomie 21 besteht. Das ist übrigens auch noch in einem sehr späten Stadium der Schwangerschaft möglich.

Aber warum? Wissen die betroffenen Eltern, was ein Leben mit Trisomie 21  bedeutet? Wissen sie, dass Menschen mit Down-Syndrom heute so gute Chancen wie nie zuvor in der Geschichte auf ein langes und glückliches Leben haben? Dass sie lernen und zur Schule gehen können wie andere Kinder? Dass sie Freundschaften schließen, mit ihren Geschwistern streiten und sich verlieben können wie alle anderen auch?

Nein, sie können es ja nicht wissen, denn sie geben sich selbst und ihren Kindern ja noch nicht einmal die Chance, es herauszufinden.

Wie froh bin ich, dass der Zufall mir mein besonderes Kind geschenkt hat. Das mir jeden Tag aufs Neue zeigt, wie schön es ist, dass alle Menschen verschieden sind. Und dass jeder  Stärken und Schwächen hat. So wie der kleine Prinz Seltsam. Kennt ihr den?

Ich werde dieses wunderschöne Kinderbuch von Silke Schnee und Heike Sistig bald meinem großen Sohn schenken. Er soll verstehen, dass Vielfalt etwas Schönes ist. Noch ist es dafür zu früh, denn für ihn ist sein kleiner Bruder sowieso völlig „normal“. So wie es der kleine Prinz Seltsam für seine Brüder ist. „Seltsam“ finden ihn nur die anderen. Aber nur bis zu dem Tag, an dem der kleine Prinz auf seine eigene Weise den gefährlichen Schwarzen Ritter in die Flucht schlägt. Und damit alle überrascht.

Mich hat das Buch sehr berührt und ich kann es allen, die gerne vorlesen wärmstens empfehlen. Nicht nur, wenn wie bei uns ein „besonderes“ Kind in der Familie ist. Denn Geschichten wie die vom Prinz Seltsam tragen dazu bei, dass unsere Welt so bunt und vielfältig bleibt, wie sie das heute ist. Hoffentlich!

 

 

Mein unperfektes Ich

Heute war wieder so ein Morgen, an dem es drunter und drüber ging bei uns. Während ich erfolglos versuchte, die Zottelmähne meines großen Sohns zu bändigen, spuckte sein kleiner Bruder die unverdauten Reste seines Frühstückseis ins frisch bezogene Babybettchen. Mein Freund versuchte währenddessen, am Telefon einen Termin im Schlaflabor für den Kleinen zu vereinbaren. Was bei der Lautstärke alles andere als einfach war. Ob denn alles in Ordnung sei bei uns, fragte die freundliche Dame, als sie mich laut „Scheiße“ schreien hörte. Da hatte der Große den Inhalt meines Kulturbeutels auf den Boden gepfeffert, vor lauter Wut über die ungeliebte Haarbürste.

Jetzt sitze ich, immer noch ungeduscht und im Schlafanzug, am Rechner und schreibe diesen Text. Durch meine Brille kann ich kaum noch durchsehen, weil ich sie seit Wochen nicht geputzt habe. Das Baby schläft endlich, aber nicht in seinem Bett, sondern bei mir auf dem Arm.

Das perfekte Leben gibt es nicht

So ist es, unser Leben, chaotisch, laut, anstregend und alles andere als perfekt. Und trotzdem schön. Vielen von euch kommt das sicher bekannt vor. Alles ganz normal, oder?

Komisch, dass wir uns dann so schnell unter Druck gesetzt fühlen und glauben, bei bei anderen laufe alles wie geschmiert. Denn mal ehrlich, auch die kochen doch nur mit Wasser. Mir geht es leider nicht anders. Als ich Anfang der Woche bei Eltern Morphose diesen Text über gewaltfreie Erziehung las, fühlte ich mich sofort ertappt. Denn auch ich setze bei meinen Kindern vieles durch, indem ich meine körperliche Überlegenheit ausnutze. Das fängt beim Zähneputzen an und endet noch lange nicht beim Haarekämmen. Gut fühlt sich das nie an, aber ich habe meistens keine Lust, mich auf Diskussionen einzulassen.

Weil der Text mich aber nachdenklich stimmte, teilte ich ihn auf Facebook. Und war überrascht über die Resonanz. Offenbar machen sich viele Eltern Gedanken, ob sie alles richtig machen. Eigentlich ein gutes Zeichen, finde ich. Anders als in früheren Generationen ist heute offenbar bei den meisten angekommen, dass Kinder vollwertige Wesen mit Rechten und eigener Würde sind. Auch wenn sie vieles noch nicht verstehen und wir ihnen als Erwachsene manchmal den Weg zeigen müssen.

Grundsätzlich finde ich es also gut, dass wir Eltern unser Verhalten häufiger mal in Frage stellen. So ging es mir beim Lesen des Artikels. Denn sehr oft gibt es eine Alternative zum „einfach Durchsetzen“. Da geht das Kind eben mal mit ungekämmten Haaren in den Kindergarten und darf dafür sein Bild zu Ende malen. Ist Kreativität nicht schlussendlich wertvoller als ordentliches Aussehen?  Und bin ich nicht ein authentischeres Vorbild, wenn ich meinen Kindern vorlebe, dass Regeln nicht immer unumstößlich sind, dass man seine Meinung ändern kann und auch Erwachsene Fehler machen?

Es gibt natürlich Situationen, in denen Diskussionen fehl am Platz sind. Wenn es darum geht, Gefahren abzuwenden. Da wird nicht lange gefackelt, sondern festgehalten. Auch Zahnhygiene gehört bei mir zu den Dingen, über die ich nicht diskutieren will. Einem Zweijährigen deren Sinn zu erläutern, würde ihn außerdem schlichtweg überfordern. Was aber nicht heißt, dass ich das Zähneputzen mit Gewalt durchsetzen muss. Vielleicht dauert es dann eine Weile, bis es zum Ritual geworden ist und vielleicht läuft es nicht so perfekt, wie ich es mir wünsche. Dafür vergifte ich aber nicht mehr Tag für Tag die Beziehung zu meinem Kind und signalisiere ihm, dass es Situationen gibt, in denen der Stärkere seinen Willen durch körperliche Überlegenheit durchsetzen darf.

Dass ein solcher Weg anstrengend ist und Nerven kostet steht außer Frage. Trotzdem glaube ich, dass er sich langfristig auszahlt. Nicht, weil unsere Kinder dadurch zu perfekten, wohl erzogenen Geschöpfen würden. Aber hoffentlich zu selbstbewussten jungen Menschen, die ihren eigenen Wert genauso kennen wie den ihrer Mitmenschen und in der Lage sind, sich in diese hineinzuversetzen. Das wünsche ich mir jedenfalls für meine Kinder.

Und uns Eltern wünsche ich, dass wir uns nicht immer gleich schlecht fühlen, wenn wir merken, das Gefühl haben, unsere Autorität zu verlieren, weil alles anders läuft, als wir uns das vorgestellt hatten. Weil das Kind auch mit zwei immer noch nicht alleine einschläft. Oder wochenlang nur Nudeln essen will. Weil wir merken, dass es uns mehr Spaß machen würde, ein paar Stunden zu arbeiten, statt nachmittags zum Eltern-Kind-Turnen zu gehen. Oder umgekehrt. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, glaube ich, sondern solche, die ihnen jeden Tag aufs Neue das Gefühl vermitteln, dass sie so schmutzig, laut, motorisch langsam und hibbelig, wie sie nun mal sind, genau richtig sind.

 

 

Herbstzeit ist Lesezeit – das sind meine Lieblingsbücher

Wenn die Tage kürzer werden und es schon am frühen Nachmittag dunkel wird, machen wir es uns am liebsten zu Hause mit einem Buch gemütlich. Mein großer Sohn möchte, sobald er aus dem Kindergarten kommt, ein „Bilderbuch anlesen“. Auch der Babybruder schaut dabei bereits ganz aufmerksam zu.

Am liebsten Klassiker

Um ehrlich zu sein, finde ich viele Kinderbücher aber eher mittelmäßig. Entweder vermitteln sie ein fragwürdiges, veraltetes Gesellschaftsbild – Mama ist immer da, tröstet oder ist in der Küche beschäftigt, während Papa spät von der Arbeit kommt – oder sie sind sprachlich völlig daneben: „Jette sagt: Ich muss mal müssen, Max folgt ihr auf Strümpfchenfüßen“. Deshalb mag ich Bücher, die ich aus meiner eigenen Kindheit kenne. Echte Klassiker eben. Ein paar davon, die vielleicht nicht so bekannt sind wie Ronja Räubertochter und Co., möchte ich euch heute vorstellen. Und für  Erwachsene gibt es natürlich auch Tipps. Denn wir wollen ja nicht immer nur vorlesen…

Wiegenlieder aus aller Welt. Mit CD zum Mitsingen. Von Reijo Kekkonen

Meine Kinder lieben es, wenn ich ihnen vorsinge. Da sind sie wahrscheinlich die einzigen. Und weil vorsingen auch schon mit den Allerkleinsten geht, haben mir meine netten Kollegen zum Abschied in den Mutterschutz dieses wunderschön bebilderte Buch geschenkt. Es beeinhaltet 50 Wiegenlieder in allen möglichen Sprachen, zum Beispiel Maori oder Japanisch. Spannend für alle, die mal ein bisschen Abwechslung zu „Lalelu“ suchen und neugierig auf andere (Lied)kulturen sind.

Delfinensommer. Von Katherine Allfrey

Ein absolutes Lieblingsbuch aus meiner Kindheit. Das kleine Mädchen Andrula lebt allein mit ihrer Mutter auf einer griechischen Insel. Eines Tages lernt sie am Meer einen sprechenden Delfin kennen, der sie auf seinem Rücken mit auf eine geheimnisvolle Insel nimmt. Zusammen erleben sie viele spannende Abenteuer. Das Buch ist wunderschön poetisch und phantasievoll. Es eignet sich zum Vorlesen für etwas ältere Kinder, aber auch zum Selberlesen für Erwachsene, die gerne mal wegträumen.

Herr Klingsor konnte ein bisschen zaubern. Von Otfried Preußler

Ein weiteres Lieblingsbuch aus den 1980er-Jahren, das mir meine Oma immer vorgelesen hat. Der nette Lehrer Klingsor verfügt über Zauberkräfte, die er aber nur nutzt, um seinen Schülern das Leben ein bisschen leichter zu machen. Das liebevoll illustrierte Buch macht natürlich vor allem Schulkindern Spaß, aber auch Kindergartenkindern, die schon etwas länger zuhören können.

In Liebe wachsen. Von Carlos Gonzáles

Erziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Ob man sie wirklich braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat beim ersten Kind dieses Buch jedenfalls am besten gefallen. Im Prinzip bestärkt es Eltern darin, auf ihr Bauchgefühl zu hören und nicht auf die vielen Ratschläge, die man von allen Seiten bekommt. Die Auffassung des spanischen Kinderarztes Carlos Gonzáles ist vielleicht nicht jedermann Sache, denn sie widerspricht althergerbrachten Weisheiten zu den Themen „Durchschlafen“, „alleine schlafen“ oder „Beikost“.

One moment meditation. Stille in einer hektischen Welt. Von Martin Boroson

Wie wichtig mir das Meditieren seit einiger Zeit ist, habe ich ja schon erzählt. Leider habe ich, zumindest gefühlt, nie ausreichend Zeit dafür. Oder ich bin abends, wenn die Kinder schlafen, so müde, dass ich von meinem Meditationskissen kippe. Deshalb finde ich dieses Buch so toll, denn es erklärt, wie man auch mit wenig Zeit Momente der Ruhe und Achtsamkeit erleben kann. Sogar in der U-Bahn oder beim Kartoffelschälen.

So, jetzt bin ich gespannt auf eure Lesetipps! Vielleicht kännt ihr mir ja auch ein schönes, modernes Kinderbuch empfehlen. Ich bin sicher, es gibt sie, ich kenne sie nur noch nicht.