Paulis neues Universum: die Kita

Hallo ihr Lieben! Ich hoffe, es geht euch gut und ihr genießt den Frühling?

Hier auf dem Blog war in den letzten Wochen nicht viel los. Der Grund dafür ist, dass ich gerade damit zu tun habe, Paulis kleines Universum zu erweitern. Also, das echte. Seit Anfang März geht er nämlich in die Kita.

Und zwar in eine ganz „normale“. Und weil ich das so oft gefragt wurde, möchte ich euch erklären, warum es überhaupt kein Problem ist, dass Kinder mit und ohne Behinderung in dieselbe Kita gehen. Denn alle Menschen haben das Recht auf Inklusion. Dieses Menschenrecht ist in der UN-Behindertenrechtskonvention festgelegt und bedeutet, dass jeder Mensch überall dazugehören darf. Eine Gesellschaft, die sich wie die unsere zur Inklusion verpflichtet hat, muss dafür sorgen, dass niemand benachteiligt oder ausgegrenzt wird. Jeder darf so, wie er ist, am ganz „normalen“ Leben teilnehmen.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Und das schließt natürlich auch den Besuch von Kindertagesstätten, Schulen oder Vereinen ein. Und wenn das nicht so ohne Weiteres möglich ist? Nun, dann müssen sich die jeweiligen Institutionen eben überlegen, wie sie einem Kind die Hilfe gewährleisten können, die es braucht. Sie müssen sich anpassen, nicht etwa die Kinder. Und das ist ein gewaltiger Unterschied zum Ansatz der Integration, den man früher verfolgte. Damals wurde versucht, Menschen mit einer Behinderung so zu trainieren, dass sie möglichst reibungslos in der Mehrheitsgesellschaft mitlaufen konnten. Also am besten nicht groß auffielen mit ihren Besonderheiten. In einer inklusiven Gesellschaft hingegen ist es normal, besonders zu sein.

Wenn ihr mehr über Inklusion wissen wollt, lest doch mal hier nach, was die Aktion Mensch dazu auf ihrer Website schreibt.

Aber wie soll das gehen, dass jeder überall dabei sein darf? Ist das überhaupt realistisch?

Zugegeben, Inklusion ist nicht einfach so zu haben. Um sie zu verwirklichen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das kostet Zeit und vor allem guten Willen. Leider sind beide Voraussetzungen nicht immer und überall gegeben. Eine Freundin, die Lehrerin ist, berichtete mir, dass in ihrer Klasse 5 von 30 Kindern „Inklusionsbedarf“ haben, wie es so heißt. Meine Freundin muss sich also nicht nur überlegen, wie sie 30 zappeligen Grundschülern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt (als wäre das nicht Herausforderung genug!), sondern darüber hinaus noch, wie sie ihren Inklusionsschülern gerecht wird. Denn die sollen und wollen natürlich auch lesen, schreiben und rechnen lernen. Nur brauchen sie dafür in der Regel mehr Zeit und Unterstützung als andere Kinder. Ohne zusätzliches und speziell geschultes Personal ist das eigentlich nicht zu schaffen. Ob meine Freundin diese Unterstützung bekommt? Pustekuchen!

Bei den Kleinen klappt es schon ganz gut

Im frühkindlichen Bereich ist man da schon weiter. Das trifft auch auf unsere Kita zu, in der von der Leitung bis zu den Erzieherinnen alle total aufgeschlossen sind. Von der ersten Kontaktaufnahme an fühlte ich mich gut aufgehoben. Ein Kind mit Down-Syndrom? Kein Problem, hatten wir schon, wir freuen uns auf Paul!

Und so haben wir uns dann doch dazu entschieden, unser „besonderes“ Kind genauso früh in eine Kita zu geben wie seinen großen Bruder damals, mit einem knappen Jahr. Denn wir glauben, dass keine Frühfördermaßnahme ein Kind so motivieren kann, wie das andere Kinder tun.

Und bisher läuft auch alles prima. Paul ist zwar noch nicht mobil und beobachtet das allgemeine Gewusel daher im Liegen, aber das scheint ihn nicht zu stören. Wenn ich ihn abhole, ist er bestens gelaunt und strahlt mich an. Seit kurzem klatscht er auch in die Hände, was er sich bei den anderen Kindern abgeschaut haben muss. Eine Erzieherin erzählte mir, dass die sich ganz rührend um ihn kümmern und ihm die Spielsachen bringen, wenn er das nicht selbst schafft. Er ist jetzt halt ihr „Baby“, obwohl er in Wirklichkeit ja gar nicht so viel jünger ist als die anderen. Auf jeden Fall nehmen ihn die Kinder einfach so, wie er ist und haben ihn gern.

Und was seine „besonderen Bedürfnisse“ betrifft? Nun, in ein paar Wochen wird es einen sogenannten „runden Tisch“ geben. Daran werden neben uns Eltern auch die Kita-Leitung, die Erzieherinnen und Pauls Frühförder-Therapeuten teilnehmen. Gemeinsam werden wir überlegen, inwieweit Paul extra Unterstützung braucht.  Höchstwahrscheinlich bekommt die Kita dann ein Budget, über das sie frei verfügen kann. Zum Beispiel, indem sie eine weitere Fachkraft einstellt.

Ansonsten kommt einmal pro Woche eine Physiotherapeutin in die Kita und übt mit Paul. Momentan geht es dabei vor allem darum, dass er sich selbstständig hinsetzen soll, denn das schafft er noch nicht. Auch hier zeigte sich die Kita sehr aufgeschlossen und flexibel. Die Übungen finden im Gruppenraum statt und die anderen Kinder dürfen zuschauen. So bleibt Paul mitten im Geschehen und die Erzieherinnen können sich darüber hinaus die eine oder andere Übung abschauen.

Bisher klappt es also ganz wunderbar mit der Inklusion. Ich bin glücklich, dass sich Pauls kleine Welt nun langsam vergrößert und er seine ersten Freundschaften schließt. Natürlich bin ich gespannt, wie das wird, wenn er irgendwann mal in die Schule kommt und es nicht mehr nur ums Spielen, sondern auch um Leistung geht. Vielleicht treffen wir dann auch mal auf Widerstand, wenn wir unseren Sohn weiter in eine „normale“ Einrichtung schicken wollen. Aber was nützt es, sich da schon heute den Kopf zu zerbrechen? Meine Hoffnung ist einfach, dass Inklusion bis dahin in allen Lebensbereichen ganz selbstverständlich ist.

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