Der Mensch ist mehr als seine Wirtschaftskraft – Gedanken zum bedingungslosen Grundeinkommen

Vielleicht seid auch ihr schon darüber gestolpert. In den letzten Wochen tauchte in den sozialen Medien häufiger mal das sogenannte Bündnis Grundeinkommen auf. Diese Ein-Themen-Partei hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, das bedingungslose Grundeinkommen im aktuellen Wahlkampf auf die politische Agenda zu bringen. Denn anders als zum Beispiel in der Schweiz ist es bei uns in Deutschland bislang nicht möglich, per Volksabstimmung über das Konzept abzustimmen.

Was hat das bedingungslose Grundeinkommen in diesem Blog verloren?

Richtig, pauliskleinesuniversum ist ein Familienblog und ich möchte hier auch keine politische Propaganda verbreiten. Aber ich verfolge die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen nun schon seit vielen Jahren. Und finde, dass sie sehr wohl etwas mit Familien zu tun hat. Denn gäbe es das bedingungslose Grundeinkommen, würde das auch das Leben unzähliger Mütter, Väter, Söhne und Töchter erheblich vereinfachen.

Warum?  Weil sie sich dann endlich mal auf eine Sache konzentrieren könnten, statt sich zwischen Angestellten-Arbeit, Erziehungsarbeit und Pflege aufzureiben. Denn mal ehrlich, so richtig klappt das doch bei kaum jemandem mit der Vereinbarkeit, oder? Wohin ich auch schaue in meinem Freundes- und Bekanntenkreis – mich selbst  eingeschlossen – alle sind völlig ausgebrannt. Und wie man es dreht oder wendet, irgendetwas kommt immer zu kurz. Wer sich zu Hause um seine Kinder oder um pflegebedürftige Angehörige kümmert, guckt irgendwann ganz schön doof aus der Wäsche. Nämlich dann, wenn sie (oder er – ja, auch das soll es geben) mal in Rente geht oder wenn die Beziehung eben doch nicht hält.

Wer wiederum so viel Geld verdient, dass er (oder sie – ja, auch das soll es geben) um allein eine Familie zu versorgen, muss immer häufiger einen Teil davon in „Reha-Maßnahmen“ wie Massagen, Yogastunden und Meditations-Retreats investieren, um nicht irgendwann vor Erschöpfung umzufallen. Da stimmt doch was nicht!

Jeder Mensch will einen Beitrag leisten

Viele von euch werden nun sicher sagen, dass das Ganze ja eine schöne Idee ist, aber nicht finanzierbar. Denn wenn der Staat jedem Menschen monatlich einen bestimmten Betrag zahlt, ohne eine Gegenleistung zu fordern, wer würde dann noch arbeiten? Würde nicht über kurz oder lang unsere gesamte Volkswirtschaft zusammenbrechen?

Gegenfrage: Wer bezahlt denn all die Frauen und Männer, die sich zugunsten der Familienarbeit für eine Weile aus dem Erwerbsleben verabschieden?

Richtig, keiner.

Und auch die leisten einen ganz erheblichen Beitrag zur Volkswirtschaft. Genau wie die ehrenamtlichen Helfer, die Flüchtlingen Deutsch beibringen oder sie bei Behördengängen begleiten.

Und die bezahlt auch keiner!

Schade, dass es bei der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen aber immer nur um Geld geht und nicht darum, welches Menschenbild eigentlich hinter der Idee steht. Dabei ist dieses Bild so viel schöner und menschenfreundlicher als die landläufige Vorstellung vom Homo oeconomicus, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Ich bin sowieso fest davon überzeugt, dass jeder Mensch einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten möchte. Wenn er die Gelegenheit dazu hat und nicht in einem ungeliebten Brotjob versauern muss. Ob dieser Beitrag nun darin besteht, Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, Roboter zu entwickeln oder hungrige Angestellte in einer Kantine freundlich zu bedienen finde ich dabei zweitrangig.

Alle sind auf ihre ganz eigene Art und Weise wichtig

Als Mutter eines behinderten Kindes verfolge ich die Debatte nochmal aus einer anderen Perspektive. Denn mein Sohn wird niemals zu den sogenannten „High-Performern“ gehören. Höchstwahrscheinlich wird er auch nicht allein für seinen Lebensunterhalt sorgen können. Ist er deshalb faul? Ganz bestimmt nicht! Jeder Entwicklungsschritt ist für ihn mit einer riesigen Anstrengung verbunden, die wir „Normalos“ gar nicht so richtig nachvollziehen können.

Nicht nur, aber auch deshalb wünsche ich mir, dass das bedingungslose Grundeinkommen kommt. Damit mein Sohn und alle anderen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Stärken und Talente unter Beweis zu stellen. Denn wenn jeder das tut, was er am liebsten macht, profitiert doch die ganze Gesellschaft. Was meint ihr?

 

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