Ungeduld ist keine Tugend

Vor kurzem las ich tatsächlich auf einem Wahlplakat den Spruch „Ungeduld ist auch eine Tugend“ und musste mich fast wegschmeißen vor Lachen. So etwas Abgedroschenes hatte ich wirklich seit Jahren nicht mehr gelesen.

Meine aktuelle Lebenssituation beweist mir im Übrigen gerade jeden Tag das Gegenteil: Ohne Geduld geht gar nix! Und dann würde ich noch hinzufügen: Und ohne Vertrauen erst recht nicht.

Leider mangelt es mir an beidem häufig, obwohl mir bewusst ist, dass Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Wie heißt es doch so schön: „Alles hat seine Zeit“…

Blöd nur, wenn die so rein gar nicht zu den eigenen Erwartungen und Vorstellungen passt!

So geht es mir zum Beispiel gerade mit Paul. Seit Monaten schon hat er sich, zumindest motorisch, nicht weiterentwickelt. Seit er gelernt hat, sich hinzusetzen, tut sich in diesem Bereich nix mehr. Wie ein kleiner Buddha sitzt er auf dem Boden, beobachtet das Geschehen und brabbelt vor sich hin. Keinerlei Anstalten, zu robben oder gar zu krabbeln. Dabei ist er fast 18 Monate alt und damit auch für ein Kind mit Down-Syndrom eher langsam.

Aber was sollen wir machen? Ihm vormachen, wie krabbeln geht? Haben wir heute Morgen echt versucht, aber mal ehrlich, traue ich mich etwa einen Kopfstand zu machen, nur weil meine Nachbarin auf der Yogamatte neben mir das tut? Oder spreche ich fließend Portugiesisch, wenn ich den Ganzen Tag Bossa-Nova-Musik höre? Eben! Zum Lernen gehört eben mehr als Nachmachen. Echte Motivation zum Beispiel und natürlich gewisse körperliche Voraussetzungen. Das ist bei Kindern nicht anders als bei Erwachsenen.

Leider vergesse ich das im Alltag immer wieder und frage mich dann allen Ernstes, ob ich jemals wieder die Gelegenheit haben werde, zu frühstücken, ohne dieselbe, halb verdaute Scheibe Brot zigmal vom Boden aufzuheben oder einen zappelnden Kinderpopo auf eine Toilette zu setzen, um ihn keine zwei Minuten wieder herunterzuholen. Ob ich eines Tages mit zwei erwachsenen, einigermaßen sozial kompatiblen Söhnen am Tisch sitzen darf, die ganze Sätze sprechen, Messer und Gabel bedienen können und sich alleine die Schuhe anziehen. Schön wäre das jedenfalls!

 

 

5 thoughts on “Ungeduld ist keine Tugend

  1. Liebe Kathinka, Du bist ein toller Mensch, Dich hätte ich gern nebenan wohnen, ich käme dann einfach rüber, auf einen kurzen Plausch oder Tee. Oder Du zu mir. 🙂
    Geduld zu haben ist manchmal gar nicht so leicht, wenn man sich etwas wünscht oder nicht mehr haben will etcpp. Doch das Leben lehrt eben, dass manche Dinge/Menschen/Enticklungen eben ihr eigenes Tempo haben. Ich finde das so toll, dass Du das für Dich erkannt hast und lebst!
    Ungeduldig zu sein ist, wie mir einfällt, nur in einem Falle gut: Wenn man mit etwas konfrontiert ist, das ungut ist, da ist es sehr hilfreich schon sehr früh zu sagen: Es reicht, stop!
    Ich wünsche Dir einen entspannten und innerlich ruhigen, gelassenen Tag. Du wirst schon ans Ziel kommen, oder ihr alle zusammen, Du wirst sehen.
    Genieße die Zeit, genieße auch für Dich allein, mir scheint, an Dir hängt vieles, da ist es wichtig, dass Du auch immer ein Auge darauf hast, dass es Dir gut geht. Ich vergesse das manchmal im Beisein anderer und lerne es quasi auch immer wieder. Liebe Grüße!

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    1. Danke liebe Grossstadtpoetin für deinen lieben Kommentar! Mit dur würde ich auch mal gern einen Kaffee trinken 🙂
      Und ich gebe dir recht, dass es ssuper wichtig ist, zu erkennen, wenn etwas nicht gut tut und dann
      auch die Konsequenzen zu ziehen.
      Das finde ich aber tatsächlich genauso schwer, wie geduldig zu
      sein!

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      1. danke schön. mitunter ist das schwer zu erkennen, wenn etwas oder jemand nicht gut tut, das stimmt leider. meistens ist das spürbar/fühlbar, manchmal verdrängt man das gefühl/eingebung. das gilt es sich abzugewöhnen. *aufdiefahneschreibe* 🙂

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