Herbstliebe: Hokaidokürbis mit Tahini und Zatar

Hach, ich liebe den Herbst! Allein diese Farben! Wenn ich aus dem Fenster schaue, leuchtet es überall rot, gelb und orange. Auch auf dem Wochenmarkt ist die Auswahl so bunt wie schon lange nicht mehr. Quietschorangene Kürbisse, knallgelbe Quitten und pinke Rote Beeten. Ist das nicht herrlich?

Endlich kann ich wieder auf dem Balkon sitzen und mich über jeden einzelnen Sonnenstrahl freuen. Kein Schwitzen und kein Sonnenbrand mehr, das tut soo gut!

Und selbst die grauen, regnerischen Tage finde ich irgendwie noch gemütlich. Denn anders als im Sommer kann ich jetzt mit gutem Gewissen einfach mal zu Hause bleiben, ohne etwas zu verpassen. Keine Sommerfeste, lange Nachmittage im Schwimmbad und auch keine Einladungen zum Grillen mehr. Ihr findet das schade? Okay, vielleicht ein bisschen. Aber das kommt ja alles wieder.

Mindestens genauso schön und um einiges entspannter finde ich es aber zum Beispiel, meine Kinder einen halben Nachmittag lang in die Badewanne zu stecken (sie lieben das, ehrlich jetzt!), mich dabei auf den Toilettendeckel zu setzen, und ein Buch zu lesen.

Oder stundenlang Apfelmus zu kochen. Der große Sohn bekommt dann einen Rührlöffel in die Hand, der kleine einen Apfel und alle sind zufrieden. Na gut, zumindest mal eine halbe Stunde 😉

Und genauso wie ich den Herbst liebe, liebe ich auch alles, was man in dieser Jahrszeit so essen kann, allen voran Kürbis. Sogar mein Großer mag den neuerdings wieder, nachdem er ihn letztes Jahr noch verschmäht hat. Vor allem in Form von Kürbispommes zwar, aber immerhin…

Wir Erwachsenen lieben Kürbis aber in jeder Form. Ganz besonders angetan hat es uns allerdings ein Rezept aus dem wundervollen Kochbuch „Jerusalem“ von Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi. Kennt ihr das? Ich liebe jedes einzelne Rezept darin und könnte stundenlang darin herumblättern!

Im Original wird ein Butternusskürbis verwendet, meine Variante ist aber mit Hokkaido. Den finde ich etwas praktischer, weil man ihn nicht extra schälen muss. Der Kürbis wird solange im Ofen geröstet, bis er buttrig weich und schön süß ist. Dazu gibt es einen nussigen, cremigen Dip aus Sesammus (Tahini) und mediterranen Kräutern (Zatar). Das Ergebnis ist soo lecker! Echtes Soulfood eben. Und davon kann man gerade an dunkleren Tagen doch nie genug kriegen, oder?  So, aber jetzt will ich euch nicht länger auf die Folter spannen, hier ist das Rezept:

Hokaidokürbis mit Tahini und Zatar

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Kürbis mit Tahini und Zatar

Zutaten:

1 großer Hokkaido-Kürbis (circa 1,5 Kilo), in Spalten geschnitten

2 rote Zwiebeln, ebenfalls in Spalten geschnitten

50 ml Olivenöl

3-4 EL Tahini (Sesammus)

1-2 EL Zitronensaft

1 Knoblauchzehe, zerdrückt

30 g Pinienkerne

1 EL Zatar (das ist eine spezielle Gewürzmischung, die es zum Beispiel in arabischen Läden gibt. Genauso gut funktioniert aber auch jede andere mediterrane Gewürzmischung, etwa Kräuter der Provence)

1/2 Bund glatte Petersilie, grob gehackt

Meersalz und schwarzer Pfeffer

 

Zubereitung:

Den Backofen auf 240 Grad Umluft vorheizen.

Kürbis- und Zwiebelspalten in einer Schüssel mit 3 EL Olivenöl, 1 TL Salz und frisch gemahlenem Pfeffer vermischen. Alles auf einem Backblech verteilen, die Kürbisstücke dabei mit der Schale nach oben legen. Für 30-40 Minuten im Ofen rösten, bis das Gemüse weich und leicht gebräunt ist. Vorsicht, die Zwiebeln garen schneller als der Kürbis. Im Zweifelsfall diese etwas früher aus dem Ofen nehmen!

Für den Dip das Tahini in einer kleinen Schüssel mit Zitronensaft, 2 EL Wasser, dem zerdrückten Knoblauch und einer Prise Salz verrühren. Bei Bedarf etwas mehr Wasser oder Tahini hinzufügen.

Das restliche Olivenöl in einer Pfanne bei geringer Temperatur erhitzen und die Pinienkerne mit 1/2 Teelöffel Salz etwa 2 Minuten anrösten. Umrühren nicht vergessen!

Das Gemüse auf einer großen Platte anrichten. Mit dem Tahini-Dip überziehen und zuletzt die Pinienkerne, die Petersilie und das Zatar darüberstreuen.

Guten Appetit und viel Spaß beim Ausprobieren !

Eure Kathinka

 

PS: Was sind eure liebsten Herbst-Rezepte?

 

 

Oktober: Monat des Down-Syndroms

In den USA ist der Oktober „Down Syndrome Awareness Month“, also ein Monat, in dem Menschen mit Down-Syndrom und ihre Anliegen im Fokus des öffentlichen Interesses stehen sollen. Die National Down Syndrome Society schreibt auf ihrer Website, dass es ihr bei der Aktion darum gehe, Menschen mit Trisomie 21 und ihre Fähigkeiten zu feiern. Und eben mal nicht nur darüber zu reden, was sie alles nicht können: „It’s not about celebrating disabilities, it’s about celebrating abilities.“

Auf die Stärken konzentrieren

Dieser Satz bringt auf den Punkt, was ich selbst so oft denke: Menschen mit Trisomie 21 haben genau wie alle anderen Fähigkeiten, Talente und Interessen. Würde es ihnen nicht mehr helfen, diese stärker in den Mittelpunkt zu stellen statt immer nur ihre Defizite? Wir Menschen brauchen doch alle positive Verstärkung, um am Ball zu bleiben, oder etwa nicht? In meiner Schullaufbahn zumindest habe ich das so erlebt. Nur, wenn ein Lehrer an mich glaubte, war ich überhaupt gewillt, mich anzustrengen. Und dabei geht es mir jetzt nicht um falsche Lobhudelei, sondern schlicht darum, sich auf die Stärken eines Kindes zu konzentrieren, statt nur an den vermeintlichen Schwächen herumzudoktern. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Lebensbereiche, sei es nun in der Medizin, im Sport oder im Beruf. Ständiges Kritisieren und „Optimieren“ führt zumindest bei mir regelmäßig zum Total-Boykott. Mag sein, dass andere da anders ticken…

Ein bisschen mehr Leichtigkeit bitte!

Schade jedenfalls, dass es so einen Awareness-Monat nicht auch bei uns gibt. Das dachte sich wohl auch der Stuttgarter Verein 46PLUS und startete vor kurzem eine große Herbstkampagne. Auf den Plakaten, die hier in Stuttgart momentan aushängen, sieht man Schauspieler Elyas M`Barek mit Model Tamara Röske, die selbst Trisomie 21 hat. Mir sind die Plakate vor allem deshalb ins Auge gesprungen, weil sie so witzig und positiv sind. Denn genau diese Leichtigkeit fehlt mir oft, wenn es in der öffentlichen Debatte um Trisomie 21 geht. Da  liest man eher mal, dass Ärtze einer Schwangeren zum Abbruch raten, weil ein Kind „so viele Fehler habe.“ Tatsächlich, so etwas passiert, wie ihr hier nachlesen könnt. Wen wundert es dann noch, dass 90 Prozent der schwangeren Frauen abtreiben, wenn sie erfahren, dass ihr Kind womöglich das Down-Syndrom hat?

Mir selbst passiert es, seit Paul da ist, immer wieder, dass mich wildfremde Menschen ansprechen, um mit mir Tacheles zu reden. In der Regel sind das nett gemeinte Kommentare wie „Ich halte Abtreibung ebenfalls für Mord“ oder auch „Mein Mann und ich haben uns auch gegen Pränataldiagnostik entschieden.“

Nun bin ich zwar noch nie ein Fan von banalem Smalltalk gewesen, aber ganz ehrlich, wenn ich mit meinen Kindern im Café sitze und Schokoladenkuche esse, steht mir der Sinn nicht unbedingt nach solch kontroversen Themen. Das sind Momente, in denen ich mir einfach wünsche, „normal“ sein zu dürfen. Denn so fühlen wir uns ja auch, wie eine ganz normale Familie mit den üblichen Problemen und dem üblichen Stress, klar, aber auch dem üblichen Bedürfnis nach Entspannung, Nichtstun und Blödsinnmachen.

So, ihr Lieben, wenn ihr also das nächste Mal eine Familie mit einem behinderten Kind seht, dann fühlt euch nicht verpflichtet, ein „ernstes“ Thema anzuschneiden. Ihr müsst nicht fragen, wie es mit der Frühförderung läuft oder ob das Kleine denn „sonst“ gesund sei. Stattdessen könnt ihr auch einfach mal nichts sagen und freundlich lächeln.

Danke und bis bald, eure Kathinka!