Bye, bye Bloggerei – Pauliskleinesuniversum endet jetzt

Ihr Lieben, ihr habt schon so lange nichts mehr von mir gehört! Woran das liegt und warum ich mich dazu durchgerungen habe, Pauliskleinesuniversum zu schließen, möchte ich euch heute erklären. Denn einfach so sang- und klanglos zu verschwinden, ist nicht meine Art. Und nach etwas mehr als drei Jahren, die dieses Blog exisitiert, bin ich selbst ein bisschen traurig und möchte zumindest „offiziell“ Abschied  nehmen.

Weshalb ich dieses Blog einmal gestart habe…

Als unser Sohn Paul vor drei Jahren mit Trisomie 21 auf die Welt kam, wussten wir zunächst nicht, was nun alles auf uns zukommen würde. In den ersten Tagen und Wochen nach seiner Geburt verschlangen wir alles , was wir zum Thema funden konnten. Zunächst im Internet und später in Fachbüchern. Und wenn man erst einmal eintaucht in die Materie, kann man es schon mit der Angst zu tun kriegen. Von Entwicklungsverzögerungen war da die Rede, aber auch von allerlei Krankheiten, die Kinder mit Down-Syndrom statistisch gesehen häufiger treffen als andere: Diabetes Typ 1, Zölliakie, Leukämie…

Mit einem Blog, so dachte ich damals, könnte ich die Wucht dieser bedrohlichen Aussichten besser für mich selbst verarbeiten und gleichzeitig in Austausch mit anderen betroffenen Eltern sein.

Auch das Schlagwort „Inklusion“, das für mich als Redakteurin in einem Bildungsverlag bislang nur ein theoretisches Konzept gewesen war, bekam plötzlich eine ganz andere, greifbare Bedeutung.

Kurz, ich fühlte mich irgenwie dazu „berufen“, mit dem Bloggen anzufangen und legte einfach mal los.

Die Realität von Social Media

Was ich von Anfang an unterschätzt hatte war jedoch der zeitliche Aufwand der mit dem Bloggen verbunden ist. Man muss seine Website schön und übersichtlich gestalten, Fotos machen und bearbeiten und natürlich Texte verfassen. Darüber hinaus, und das ist ja auch das Schöne am Bloggen, wollen Kommentare und Mails von Lesern verwaltet und beantwortet werden. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse aufkommen: Ich habe mich über jeden einzelnen respektvollen Kommentar und jede Mail von euch riesig gefreut und diese haben mich auch immer wieder bestärkt, doch weiterzumachen, auch wenn mir schnell klar wurde, dass das Bloggen nicht „einfach so nebenher“ lief , wie ich es mir insgeheim wohl erhofft hatte.

Und dann war da so ein ungutes Gefühl

Aber es wäre gelogen, wenn ich nun behaupten würde, es läge schlicht an der fehlenden Zeit, dass ich Pauliskleinesuniversum nun nach drei Jahren schließe. Es stimmt, dass ich, vor allem seit wir drei Kinder haben, die wenige freie Zeit, die mir bleibt, sehr gut einteilen muss. Und abends, wenn die Kinder schlafen, bin ich schlicht und ergreifend zu müde, um mich nochmal an den Rechner zu setzen. Aber für andere Dinge, die mir wichtig sind, finde ich hingegen schon Zeit.

Immer häufiger habe ich mich aber beim Schreiben und vor allem auch beim Veröffentlichen von Fotos gefragt: Darf ich das überhaupt? Ist es wirklich im Interesse meiner Kinder, das hier zu veröffentlichen? Oder ist es am Ende nicht doch vor allem mein Interesse, mich auszutauschen und ja, auch mich darzustellen,  das mich zu diesem Text veranlasst?

Die Sache mit der Achtsamkeit

Wer hier ab und an mitglesen hat, weiß, dass ich mich sehr mit dem Thema „Achtsamkeit“ beschäftige. Und im Laufe der Jahre habe ich ein ziemlich gutes Gespür dafür entwickelt, was mir gut tut und was nicht. Deshalb musste ich mir irgendwann auch mal ganz ehrlich eingestehen, dass es mir überhaupt nicht gut tut, am Rechner zu sitzen. Und das ständige Checken des Smartphones nach neuen Benachrichtungen auf einem der verschiedenen Social-Media-Kanäle tut mir erst recht nicht gut. Es macht mich gerdezu kirre!  Ohne diese Kanäle, seien wir mal ehrlich, funktioniert die ganze Bloggerei aber nicht. Zumindest erreicht man dann nicht so viele Menschen, wie man das eigentlich möchte.

Ich habe mich also vor allem aus zwei Gründen dafür entschieden, mit dem Bloggen aufzuhören:

  1. um die Privatssphäre meiner Kinder zu schützen
  2. um für mich selbst zu sorgen und nicht mehr etwas zu tun, was mir nicht gut tut.

Und die Inkusion?

Ein ganz anderes Thema, und ein sehr komplexes noch dazu. Ich muss zugeben, dass ich, je älter Paul wird und je offensichtlicher die Unterschiede zu Gleichaltrigen werden, der Inklusion gegenüber skeptischer werde. Zumindest so, wie sie heute in Deutschland praktiziert wird. Es ist wie so vieles, man denke nur an den Ausbau der Kinderbetreuung. Jahrelang wird ein Thema in der Öffentlichkeit debattiert, aber nichts passiert. Dann kommen plötzlich Menschen und forden ihr Recht ein und niemand ist vorbereitet. Es ist ein Trauerspiel….

Aber ich möchte mich gar nicht auslassen über die Missstände im Bereich der Inklusion und gleichzeitig auch nochmal klarstellen: Vieles läuft bereits super und wir persönlich hatten bisher immer Glück. Aber es gibt noch so viel zu tun! Und ich fühle mich schlicht nicht dazu berufen, hier Menschen für ein Thema zu mobilisieren, das so kontrovers diskutiert wird wie das der Inklusion. Dafür bin ich keine Fachfrau. Und auch hier wieder, aus Achtsamkeit mir selbst gegenüber. Denn ich bin ein Mensch, den Konflikte stressen. Andere haben da mehr Feuer im Hintern und für die ist es sicher genau das Richtige, an die Öffentlichkeit zu treten.

Ich aber merke, dass es mir nicht gut tut, mich zu tiefgehend mit Dingen zu beschäftigen, die nicht gut laufen, mit Problemen, die theoretisch auf uns zukommen könnten. Vieles, so habe ich in den vergangenen drei Jahren bemerkt, kommt sowieso ganz anders. Und Probleme gehe ich lieber dann an, wenn sie vor der Türe stehen, als sie im Kopf bereits vorher zu wälzen.

Das ist im Übrigen etwas, was ich auch euch dringend ans Herz legen möchte: Hört  viel mehr auf euer Bauchgefühl und tut nicht Dinge, von denen ihr glaubt, dass ihr sie tun müsst: Aus einem poltischen, emanzipatorischem oder ökologischen Verständnis heraus oder aus irgend einem anderen Pflichtgefühl. Wir retten die Welt nicht, indem wir widerwillig und ohne echte Leidenschaft Dinge tun, die wir für sinnvoll halten. Wir retten die Welt nur, wenn wir aus unserem Herz heraus und mit Freude handeln, davon bin ich zutiefst überzeugt!  Und mein Herz sagt mir gerade, dass ich mich in erster Linie um meine Lieben in der analogen Welt kümmern will. Und um mich selbst.

Tausend Dank an alle, die Pauliskleinesuniversum in den vergangenen Jahren begleitet und mitgelesen haben! Nur durch euch hat das Bloggen überhaupt Sinn gemacht und ich hoffe, dass ich den Einen oder die andere hin und wieder ein kleines Bisschen inspirieren konnte.

Alles Liebe für euch!

 

Eure Kathinka