Was war das schönste nicht-materielle Geschenk, das du je bekommen hast? Blogparade von Sunnybee…

Was war das schönste nicht-materielle Geschenk, das du je bekommen oder selbst geschenkt hast?

Diese Frage stellte Sunnybee, vom mutter-und-sohn-blog mir und einigen anderen Bloggern vor Kurzem. Und obwohl ich mich selbst als eher  minimalistisch und gar nicht soo materialistisch bezeichnen würde, ist mir bislang nicht die eine, passende Antwort eingefallen. Trotzdem nehme ich gerne teil an an der Blogparade, zu der Sunnybee aufgerufen hat, denn die Frage hat mich zum Nachdenken gebracht.

Dankbar sein macht glücklich

Gerade in den Wochen vor Weihnachten, in denen sich gefühlt alles ums Schenken und Beschenktwerden dreht, empfinde ich es als wohltuend, mal darüber nachzudenken, für welche nicht-materiellen „Dinge“ ich in meinem Leben dankbar bin. Apropos Dankbarkeit, wer meinen Blog schon länger liest, weiß vielleicht, dass ich es mir zur Gewohnheit gemacht habe, am Ende des Jahres aufzuschreiben, wofür ich dankbar bin. 2016 habe ich diese Liste auch einmal hier  mit euchgeteilt.  Übrigens mache ich das nicht nur am Ende eines Jahres, sondern jeden Abend vor dem Schlafengehen. Dieses Ritual ist mir heilig, denn es zeigt mir auch an schlechten Tagen, wie  viel Schönes es in meinem Leben gibt. Mit diesem Gefühl schlafe ich ein und nehme es mit in den neuen Tag. Für mich ist dieses Dankbarkeitsritual das beste Werkzeug, um positiv an die Herausforderungen heranzugehen, die das Leben so mit sich bringt. Das, worauf ich mich konzentriere, wird automatisch größer. Habt ihr es auch schon mal ausprobiert?

Liebe Sunnybee, ich glaube, das Gefühl der Dankbarkeit ist das größte und schönste nicht-materialle Geschenk, das ich mir selbst in meinem Leben gemacht habe. Und gerne teile ich mit dir und den anderen Lesern meine Dankbarkeitsliste für 2018. In Ordnung?

Wofür ich 2018 dankbar bin:

  • Das Schönste in diesem Jahr war ganz sicher die Geburt meines dritten Sohnes Vincent. Und ich bin nicht nur dankbar dafür, dass er ein so süßes und gesundes Baby ist, sondern auch dafür, dass wir eine wunderschöne Geburt zu Hause mit unserer tollen Hebamme erleben durften.
  • Auch wenn es schrecklich anstrengend und nervenaufreibend war, bin ich dankbar, dass wir den Umzug ins Mehrgenerationenhaus, den wir seit Jahren planen, endlich geschafft haben. Auch wenn noch längst nicht alle Lampen hängen und das Haus nach wie vor eine große Baustelle ist, fühle ich mich angekommen. Wir haben tolle Nachbarn und die Kinder haben schon erste Freundschaften geschlossen.
  • Ganz besonders dankbar bin ich auch dafür, dass Paul seit ein paar Wochen laufen kann. Und dass er so viel Spaß dabei hat. Und dafür, dass er autonomer wird, alleine isst und sich danach auch alleine das Gesicht abwischen will (fragt mich aber nicht, wie es danach unter unserem Tisch aussieht 😉 …)
  • Je älter ich werde, desto wohler fühle ich mich mit mir selbst, mit meinem Körper und mit all meinen Unzulänglichkeiten. Ich weiß, was mir guttut und was weniger, welche Menschen ich in meinem Leben haben will und welche eher nicht und lasse mich nicht mehr so beeindrucken von Trends und Hypes. Für diese Gelassenheit bin ich unendlich dankbar.
  • Last but not least bin ich dankbar für die Podcasts, die ich 2018 für mich entdeckt habe. Hört ihr auch Podcasts? Für mich sind sie in diesem Jahr zu einer unverzichtbaren Informations- und Inspirationsquelle geworden. Meine Lieblingspodcasts sind Happy, holy & confident von Laura Malina Seiler, der 7mind Podcast mit René Trädersowie der Podcast Einfach gesund leben der Ärztin und Ayurveda-Spezielistin Janna Scharfenberg.

So, ihr Lieben, das wars für heute. Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, mit mir zu teilen, wofür ihr dieses Jahr dankbar seid und welche Podcasts ihr gerne hört. Ich bin riesig gespannt! Lasst das Jahr gut ausklingen und passt auf euch auf!

 

Eure Kathinka

Auf zu neuen Zielen! 2018 kann kommen

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe am Ende jedes Jahres immer das dringende Bedürfnis, aufzuräumen. Damit meine ich jetzt nicht nur die Schleichtiere, die ich morgens in meinem Zahnputzbecher finde oder die einzelnen Socken, die Pauli zwischen Abstellkammer und Kinderzimmer so verteilt. Das auch, aber vor allem meine ich das Chaos in meinem Kopf. Überflüssig gewordene Glaubenssätze und Verhaltensweisen, die mich manchmal daran hindern, entspannt und glücklich zu sein. Als Mama, aber auch für mich selbst.

Adiós Co-Therapeutin, hallo Entspannung

Einer dieser Glaubenssätze, den ich vor kurzem aussortiert habe, war der, dass sich mein Kind nur dann „richtig“ entwickelt, wenn ich ihm tatkräftig dabei helfe. Davon habe ich euch bereits im letzten Blogpost berichtet. Diese Vorstellung, eine Art Co-Therapeutin sein zu müssen, hat mich wahnsinig unter Druck gesetzt und tut es auch heute manchmal noch. Dabei gibt es diese innere Stimme in mir, die mir sagt, dass ich einfach vertrauen darf. Darauf, dass mein Sohn seinem ureigenen Rhythmus folgt und jeden Entwicklungsschritt dann machen wird, wenn es für ihn an der Zeit ist. Dass es meine Aufgabe als Mutter ist, ihn anzunehmen, ihm zu vertrauen, ihn zu beobachten und ihm die Rahmenbedingungen zu schaffen, die er braucht.

Goodbye schlechte Nachrichten

Eine weitere Gewohnheit, die ich 2018 hinter mir lassen will, ist die, mich permanent von schlechten Nachrichten berieseln zu lassen. Nicht, dass mir egal ist, was in der Welt passiert. Nur glaube ich erstens, dass das, was uns die Massenmedien Tag für Tag zeigen, nur ein winziger Ausschnitt dessen ist, was wir so als „Realität“ bezeichnen. Zweitens glaube ich, dass es unsere Aufgabe als Eltern ist, unseren Kindern Vertrauen und Mut mit auf den Weg zu geben. Und wie soll uns das gelingen, wenn wir unseren Fokus allein auf Terror, Klimawandel und ähnliche Schreckensmeldungen richten? Abgesehen davon ist ja niemandem geholfen, wenn wir passiv vor dem Fernseher, dem Smartphone oder dem Radio sitzen und mal wieder feststellen, wie schlecht die Welt ist.

Da nehme ich meine Kinder doch lieber mit ins Sozialkaufhaus und zeige ihnen, wie wir mit unserem Überfluss anderen Menschen eine Freude machen können. Lasse sie im verpackungsfreien Laden beim Wiegen und Abfüllen helfen und vermittle ihnen ganz praktisch, was jeder von uns tun kann, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Auch was Pauls Behinderung betrifft, habe ich aufgehört, mich mit Dingen zu beschäftigen, die theoretisch passieren könnten. Klar gibt es Krankheiten, für die er anfälliger ist als andere Kinder. Vielleicht werden wir den einen oder anderen Kampf mit den Behörden ausfechten, wenn er mal in die Schule geht. Und vielleicht wird er irgendwann auch mal gemobbt. Genauso wahrscheinlich ist allerdings, dass all das nicht passieren wird. Und wisst ihr was? Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, mit denen wir fest rechnen, mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit auch eintreten. Und aus diesem Grund übe ich mich lieber im Vertrauen darauf, dass Paul auch in Zukunft so gesund und munter sein wird, wie er es jetzt ist und dass er mit seiner charmanten Art auch dann noch die Herzen seiner Mitmenschen gewinnen wird, wenn er mal erwachsen ist.

Auf zu neuen Zielen!

Wer aufräumt, hat auch wieder Platz für Neues. Und 2018 stehen bei uns einige Veränderungen an, auf die ich mich freue. Die erste ist mein neuer Blog www.couscousmitzimt.com, den ich vor kurzem gestartet habe und im neuen Jahr weiter aufbauen möchte. Wer hier öfters mitliest weiß, dass Essen meine große Leidenschaft ist. Und weil das hier in erster Linie Paulis kleines Universum sein soll, habe ich mit dem neuen Blog einen Raum für meine zweite Leidenschaft geschaffen (neben meinen Kindern ;-)) Ich freue mich, wenn ihr dort auch mal vorbeischaut!

Von den weiteren Neuigkeiten berichte ich euch, wenn es so weit ist. Nur soviel sei schon mal verraten, einmal geht es um eine alternative Form des Wohnens, die wir für uns gewählt haben. Und dann geht es um eine Weiterbildung, mit der ich im Herbst starten werde. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Was sind eure Ziele und Pläne für 2018? Und gibt es auch bei euch etwas, mit dem ihr aufräumen wollt? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

 

Eure Kathinka

 

<a href=“https://www.bloglovin.com/blog/15251431/?claim=7fztqpxgxjt“>Follow my blog with Bloglovin</a>

 

 

Schubladen im Kopf – wenn ich über meine eigenen Vorurteile stolpere…

Heute Morgen hatte ich unverhofft ein nettes Gespräch. In der Kinderarztpraxis setzte sich eine andere Mutter neben mich. Wir kamen ins Gespräch – über die Kinder, den Spagat zwischen Arbeiten und Familie und die schwierige Wohnungssituation hier in Stuttgart. Normaler Smalltalk, aber er lief wie von selbst. Angenehm. Nach ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen. Das passiert mir nicht allzu oft.

Doch dann sagte sie etwas, das mich innerlich zusammenzucken ließ. Die eben noch dagewesene Sympathie war wie weggeblasen. „Hätten wir nur ein Zimmer mehr, dann könnte ich die Kinder nachts auch mal schreien lassen und sie würden längst durchschlafen.“

Ich ließ mir meine Irritation nicht anmerken, beendte das Gespräch aber schnell und machte mich auf den Nachhauseweg.

Nun will ich hier nicht erneut über das Für und Wider von sogenannten „Schlaftrainings“ schreiben. Dazu haben andere Leute, die mehr Ahnung haben als ich, bereits alles gesagt. Und ich selbst habe hier bereits erklärt, weshalb ich das gezielte Schreienlassen  von Babys für falsch und obendrein völlig sinnlos halte.

Heute geht es mir um etwas anderes. Um meine eigene Reaktion nämlich. Denn ich frage mich, ob sie angemessen und gerechtfertig war.

Vorsicht Schublade!

Von anderen Menschen erwarte ich ganz selbstverständlich, dass sie mir und meinen Kindern offen und vorurteilsfrei begegnen. Ich ärgere mich, wenn andere in mir nur „die mit dem behinderten Kind“ sehen, denn ich habe noch ganz andere Facetten. Genausowenig ist mein Sohn einfach nur „der liebe kleine Junge mit Down-Syndrom“. Zu seiner Persönlichkeit gehört auch eine gehörige Portion Wut, wenn etwas nicht so klappt, wie er sich das vorstellt. Dann landet auch gerne mal der proppevolle Teller auf dem Boden. Auf was ich hinaus will ist Folgendes: Jeder von uns trägt eine komplexe, oft auch widersprüchliche Vielfalt an Eigenschaften in sich.  Und es ist ungerecht, einen Menschen auf einige wenige davon zu reduzieren.

Eigentlich bilde ich mir auch ein, offen und tolerant zu sein. Momente wie heute Morgen beweisen mir dann aber, dass dem nicht immer so ist. Denn ganz offenbar teile auch ich die Welt in „Gut“ und „Böse“ ein. Auf der „guten“ Seite stehen dann Eltern, die ihre Kinder auch mal im Familienbett schlafen lassen und auf der „bösen“ diejenigen, die sie schon ganz klein ausquartieren. Dabei ist das natürlich völliger Humbug.

Eltern, die ihr Kind nachts schreien lassen, glauben wahrscheinlich tatsächlich, dass sie das Richtige tun. Womöglich erhoffen sie sich, ihren Kindern auf diese Weise ein gesundes Schlafverhalten angewöhnen zu können oder sie sind nach monatelangem Schlafentzug so am Rande ihrer Kräfte, dass sie eine schnelle „Lösung“ für ihr Problem suchen. Höchstwahrscheinlich haben sie andere Bücher gelesen als ich oder sie hören auf den Rat von Verwandten und Bekannten und nicht auf ihr Bauchgefühl. Wie auch immer, ein falsches Verhalten (und ich nehme mir hier mal ganz dreist heraus, das gezielte Schreienlassen als „falsch zu bezeichnen“ ) macht aus einem Menschen noch keinen schlechten. Jeder von uns verhält sich mal daneben und abgesehen von dieser einen Sache wirkte die Frau auf dem Spielplatz auf mich freundlich und empathisch. Eine Frau, mit der ich gerne mal einen Kaffee trinken würde.

Wir sehen nur einen Mini-Ausschnitt

Letztlich ist es ja immer nur ein Mini-Ausschnitt aus dem Leben der anderen, den wir im Alltag so mitkriegen. Der aggressive Vater in der Umkleidekabine nebenan, der seinen Sohn anschreit, er solle sich endlich mal beeilen, hatte womöglich einen harten Tag und ist sonst ganz anders, liebevoll und geduldig. Ich kenne solche Momente von mir selbst nur zu gut. Da hilft dann alle Theorie über Bindung und Gelassenheit nicht weiter. Wenn der Akku leer ist, kommt manchmal eben das Tier in uns zum Vorschein.

Also, ihr Lieben, seid gnädig mit euch selbst und euren Widersprüchen und natürlich auch mit den Menschen um euch herum.

Bis bald, eure Kathinka

 

Inklusion, Bürgerversicherung, Grundeinkommen – mein Wunschzettel zur Bundestagswahl

Gestern Morgen habe ich in einem einschlägigen feministischen Online-Magazin gelesen, dass die allermeisten Frauen zu bescheiden sind. Und aus diesem Grund bekommen sie auch nicht das, was sie wollen. Ob das nun eine Gehaltserhöhung ist, eine faire Arbeitsteilung mit dem Partner oder einen freien Abend pro Woche. Insgeheim finden  sie nämlich offenbar, dass es ihnen nicht zustehe, etwas zu fordern. Na Mädels, erkennt ihr euch wieder?

Vielleicht liegt es daran, dass ich mit drei Männern zusammenlebe, von denen zumindest die zwei kleinen sehr, sehr willensstark sind. Wer da als Elternteil nicht auch ab und an mal fordert, geht unter! Deshalb bin ich im Fordern vielleicht etwas geübter als andere. Was natürlich trotzdem nicht heißt, dass ich immer bekomme, was ich will. Aber das ist eine andere Geschichte…

Wie ihr alle wisst, ist am kommenden Sonntag Bundestagswahl. Eine gute Gelegenheit, dachte ich, das mit dem Fordern nochmal zu üben. Nur so zur Sicherheit. Nicht, dass ich mir einbilde, dass das ausreicht, um etwas zu verändern. Natürlich ist mir klar, dass ich selbst aktiv werden muss und nicht nur auf „die da oben“ schimpfen darf. Aber das Fordern hilft mir dabei, meinen Kopf mal so richtig klar zu kriegen: Was erwarte ich eigentlich von der Politik? Was kann ich selbst dazu beitragen, wo liegen meine Grenzen? Und was will ich auf jeden Fall verhindern?

Wenn es euch interessiert, zu welchen Schlüssen ich dabei gekommen bin, voilà:

Mein „Wunschzettel“ an die Politik

Stichwort: „Willkommenskultur“: Nachdem ich letzte Woche eine gruseliges Erlebnis in der Bahn hatte, als eine alte Frau einen Mann massiv angemacht hat und außer mir alle wie gebannt in ihr Smartphone starrten und nichts sagten, liegt mir das hier besonders am Herzen: Ich will, dass Deutschland ein offenes Land bleibt! Offen für Menschen, die hier Schutz suchen, die hier arbeiten wollen, ja, und auch für die, die hier schlicht mehr Chancen für sich sehen als in ihrer Heimat. Auch wenn dort kein Krieg herrscht. Wer zum Teufel sind wir denn, dass wir uns einbilden, unseren Wohlstand nicht teilen zu müssen!

Stichwort „Inklusion“: Ich wünsche mir ein Bildungssystem, das jedem Kind eine Chance gibt. Ganz egal, ob es Deutsch als Muttersprache gelernt hat oder nicht, ob seine Eltern Ärzte sind, Maurer oder weiß der Henker was. Und natürlich liegt es mir ganz besonders am Herzen, dass Kinder mit Behinderung ganz selbstverständlich dazugehören. Und nicht in irgendwelchen separaten Einrichtungen untergebracht sind. Denn jeder Mensch hat der Gemeinschaft etwas zu geben, ganz egal, wie seine individuellen Voraussetzungen sind. Ganz wesentlich dafür, dass so ein Bildungssystem funktionieren kann, sind in meinen Augen folgende Punkte:

  • Ein Lehramtsstudium bzw. eine Erzieherausbildung, die angehende Pädagogen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Vorausetzungen der Kinder wirklich vorbereiten;
  • eine viel, viel bessere Ausstattung der Kindergärten und Schulen an Personal, und zwar nicht nur an Lehrern, sondern auch an Sonderpädagogen, Sozialpädagogen und Sprachfachkräften;
  • ein verpflichtendes und selbstverständlich kostenloses letztes Kindergartenjahr. Ja, ich weiß, manche Eltern wollen ihre Kinder nicht schon mit einem Jahr in eine Einrichtung geben. Zumindest aber das letzte Jahr vor der Schule sollte in meinen Augen für alle verpflichtend sein. Weil es manche Kinder sonst einfach nicht schaffen, das nachzuholen, was sie bis dahin verpasst haben, zum Beispiel Sprachkenntnisse, die eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Lernen sind.

Stichwort „Arbeiten“: Der Arbeitsmarkt in Deutschland, so wie er heute ist, bevorzugt genau eine Art von Arbeitnehmer: Den Vollzeit-arbeitenden Angestellten, der 40 Jahre lang brav in die Rentenkasse einzahlt und möglichst keine Lücken im Lebenslauf hat. Sorry, aber das halte ich für eine gehörige Ungerechtigkeit! Denn so viele Menschen bleiben dabei auf der Strecke: Eltern (vor allem Mütter), die in Teilzeit oder auch gar nicht „arbeiten“, weil sie den Großteil der unbezahlten Familienarbeit stemmen, 450-Euro-Jobber und kleine Selbstständige, die keinerlei soziale Absicherung haben und erst recht nichts übrig für eine private Altersvorsorge, junge Leute, die sich von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten hangeln. Wie man diese Situation ändern kann? Diese Ideen wären zumindest mal ein Anfang:

  • Eine Bürgerversicherung, die endlich Schluss machen würde mit diesem Irrsinn von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen und die alle, also auch Selbstständige, Beamte, Minijobber, Familienarbeitleister und all diejenigen, die bislang durchs soziale Netz fallen, einbeziehen würde;
  • ein bedingungsloses Grundeinkommen, das jedem Menschen auch in Lebensphasen, in denen er nicht so viel Erwerbsarbeit leisten kann, eine würdige Existenzgrundlage bietet;
  • das gesetzliche Recht für alle Teilzeitangestellten, irgendwann wieder in Vollzeit arbeiten zu können, wenn dies denn gewünscht wird;
  • wirklich flexible Arbeitszeiten und Homeoffice. Ja, ich weiß, das ist eine alte Leier. Wer aber schon mal die Erfahrung gemacht hat, wie schnell die Kinderkrankentage jedes Jahr aufgebraucht sind und wie schwierig es ist, verlorene Stunden nachzuarbeiten, wenn ein Kind mal wegen Fieber früher aus der Kita abgeholt werden muss, der weiß, wovon ich rede.

Stichwort „Umweltschutz“: Ob in der Kindererziehung oder im „richtigen“ Leben, Verbote sind genauso wenig sinnvoll wie Belohnungen und Strafen. Aber es gibt ein paar Punkte, da würde ich gerne eine Ausnahme machen, so sehr bringen sie mich in Rage:

  • Coffee-to-go-Becher: Die würde ich gerne augenblicklich verbieten. Jeden Tag frage ich mich, wie Menschen es als Genuss empfinden können, im Verkehrsgetümmel oder in der überfüllten Bahn lauwarmen Kaffee aus einem Pappbecher zu trinken. Haben die nicht 5 Minuten Zeit, um sich hinzusetzen, zu Hause oder meinetwegen auch an einer Bar? Und wenn schon unterwegs, dann doch bitte mit einem Mehrwegbecher! Die Vorstellung, dass unsere Kinder mal Mikroplastik im Trinkwasser haben werden, weil wir heute diesen dämlichen Trend mitmachen müssen, macht mir wirklich Angst.
  • Verkehr in der Innenstadt: Stuttgart hat ein gut ausgebautes und zuverlässiges Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln. Trotzdem stauen sich Tag für Tag Tausende von Autos durch die Straßen. Ich rede jetzt nicht von denen, die außerhalb wohnen und zig mal umsteigen müssten, um zur Arbeit zu kommen. Sondern von denen, die einfach keine Lust haben auf die Öffis und denen es offenbar schnurzpiepsegal ist, dass wir Feinstaub-Welt-Hauptstadt sind. Wenn sogar schon die Gerichte entscheiden, dass die Gesundheit von Menschen über die Freiheit des Einzelnen gehen, dann sehe ich Fahrverbote wirklich als letzte Chance.

Und, wie seht ihr das? Was wünscht ihr euch von der zukünftigen Bundesregierung?

 

Minimalismus in Kopf – wie wir uns mit Notlügen und Schwindeleien das Leben unnötig kompliziert machen

Mein dreijähriger Sohn bringt mich immer wieder in Situationen, die mich mal kurz schlucken lassen. So wie vor ein paar Tagen, als wir draußen vorm Bäckerladen bei Brezel und Kaffee auf einer Mauer saßen. Kaffee für mich und Brezel für die Jungs. Eine für beide wohlgemerkt, denn das Mittagessen lag noch nicht lange zurück.

Da kam eine weitere Familie mit zwei Kindern aus dem Laden, jedes ein süßes Franzbrötchen mampfend. Mein Sohn starrte die beiden an und ich befürchtete schon einen Wutanfall, weil er nun sicher auch so ein Franzbrötchen haben wollte. Aber er meinte nur: „Mama, warum sind die Kinder denn soo dick?“ Er war ehrlich erstaunt, denn dicke Kinder (und diese waren wirklich übergewichtig) kannte er bislang nicht.

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Mir war die Situation ehrlich unangenehm, denn sowohl die Kinder als auch ihre Eltern mussten einfach gehört haben, was er gesagt hatte. Andererseits hatte er nur die Wahrheit gesagt, eine ganz offensichtliche noch dazu. Kein Grund also, böse auf ihn zu sein oder gar mit ihm zu schimpfen, wie ich fand.

Wohlwissend, dass die Eltern nun auch meine Antwort hören würden, sagte ich also einfach: „Ich weiß es nicht, mein Schatz. Vielleicht haben sie zu viel gegessen.“

„Bestimmt haben die gaanz viel Eis gegessen“, meinte daraufhin mein Sohn. „Mhmm…“

Nun war diese kleine Szene nicht das erste Mal, dass mich mein Sohn durch seine kindliche Ehrlichkeit in Verlegenheit gebracht hatte. Meine tschechische Freundin, die sehr gut, aber mit Akzent Deutsch spricht,  hatte er gefragt, warum sie denn so komisch sprechen würde. Einen jungen Typen mit Vollbart in der Bahn bezeichnete er als „Opa“.

Klar hätte ich ihm bei jeder dieser Gelegenheiten widersprechen können oder die Situation mit einer Bemerkung wie „aber sie spricht doch ganz toll!“ etwas abmildern können. Ich tat es aber nicht. Weil ich finde, dass man mit der Wahrheit eigentlich nie falsch liegt.

Dabei sind sogenannte „Notlügen“ so allgegenwärtig, dass man ihnen kaum entkommen kann. Und ich muss zugeben, dass auch ich mich schon öfters mal dabei ertappt habe, irgendeinen Mist zu erzählen. Weil es mir in diesem Moment einfacher erschien, ich einen Konflikt vermeiden wollte oder selbst besser dastehen wollte. Kennt ihr das auch?

„Tut mir leid, Süßer, das Eis ist leider ausverkauft!“

„Sorry, ich kann heute doch nicht, habe Magen-Darm.“

„Nee, echt? Mir ist gar nicht aufgefallen, dass du zugenommen hast!“

Aber tun wir uns mit solch faulen Ausreden wirklich einen Gefallen? Ich finde nicht! Und genau deshalb habe ich irgendwann einmal beschlossen, damit aufzuhören. Und das klappt erstaunlich gut und ist soo eine Erleichterung! Denn statt mir überlegen zu müssen, was ich Person x y irgendwann mal erzählt habe und mich dabei in peinlichen Widersprüchen zu verstricken, bleibe ich einfach bei der Wahrheit. Auch wenn das zugegebenermaßen manchmal ungemütlich ist.

„Nein, heute will ich dir kein Eis kaufen.“

„Sei mir nicht böse, aber ich habe keine Lust, ins Kino zu gehen. Ich würde lieber zu Hause bleiben und lesen.“

„Stimmt, du hast etwas zugenommen. Stört es dich denn?“

Ihr glaubt gar nicht, wie viel einfacher mein Leben dadurch geworden ist! Für mich ist das ein Stück Minimalismus im Kopf, denn ich muss mir viel weniger merken.

Abgesehen davon fühlt es sich für mich einfach besser an, insbesondere meinen Kindern gegenüber. Denn sie verstehen immer mehr von dem, über was wir Erwachsenen uns unterhalten und machen sich so ihr eigenes Bild von der Welt. Und in dieses Bild gehören meiner Meinung nach weder faule Ausreden noch einen Osterhasen und vor allem keine Mama, die dem Papa dieses und der Freundin dann etwas ganz anderes erzählt.

Oder wie handhabt ihr das so?

 

Paulis neues Universum: die Kita

Hallo ihr Lieben! Ich hoffe, es geht euch gut und ihr genießt den Frühling?

Hier auf dem Blog war in den letzten Wochen nicht viel los. Der Grund dafür ist, dass ich gerade damit zu tun habe, Paulis kleines Universum zu erweitern. Also, das echte. Seit Anfang März geht er nämlich in die Kita.

Und zwar in eine ganz „normale“. Und weil ich das so oft gefragt wurde, möchte ich euch erklären, warum es überhaupt kein Problem ist, dass Kinder mit und ohne Behinderung in dieselbe Kita gehen. Denn alle Menschen haben das Recht auf Inklusion. Dieses Menschenrecht ist in der UN-Behindertenrechtskonvention festgelegt und bedeutet, dass jeder Mensch überall dazugehören darf. Eine Gesellschaft, die sich wie die unsere zur Inklusion verpflichtet hat, muss dafür sorgen, dass niemand benachteiligt oder ausgegrenzt wird. Jeder darf so, wie er ist, am ganz „normalen“ Leben teilnehmen.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Und das schließt natürlich auch den Besuch von Kindertagesstätten, Schulen oder Vereinen ein. Und wenn das nicht so ohne Weiteres möglich ist? Nun, dann müssen sich die jeweiligen Institutionen eben überlegen, wie sie einem Kind die Hilfe gewährleisten können, die es braucht. Sie müssen sich anpassen, nicht etwa die Kinder. Und das ist ein gewaltiger Unterschied zum Ansatz der Integration, den man früher verfolgte. Damals wurde versucht, Menschen mit einer Behinderung so zu trainieren, dass sie möglichst reibungslos in der Mehrheitsgesellschaft mitlaufen konnten. Also am besten nicht groß auffielen mit ihren Besonderheiten. In einer inklusiven Gesellschaft hingegen ist es normal, besonders zu sein.

Wenn ihr mehr über Inklusion wissen wollt, lest doch mal hier nach, was die Aktion Mensch dazu auf ihrer Website schreibt.

Aber wie soll das gehen, dass jeder überall dabei sein darf? Ist das überhaupt realistisch?

Zugegeben, Inklusion ist nicht einfach so zu haben. Um sie zu verwirklichen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das kostet Zeit und vor allem guten Willen. Leider sind beide Voraussetzungen nicht immer und überall gegeben. Eine Freundin, die Lehrerin ist, berichtete mir, dass in ihrer Klasse 5 von 30 Kindern „Inklusionsbedarf“ haben, wie es so heißt. Meine Freundin muss sich also nicht nur überlegen, wie sie 30 zappeligen Grundschülern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt (als wäre das nicht Herausforderung genug!), sondern darüber hinaus noch, wie sie ihren Inklusionsschülern gerecht wird. Denn die sollen und wollen natürlich auch lesen, schreiben und rechnen lernen. Nur brauchen sie dafür in der Regel mehr Zeit und Unterstützung als andere Kinder. Ohne zusätzliches und speziell geschultes Personal ist das eigentlich nicht zu schaffen. Ob meine Freundin diese Unterstützung bekommt? Pustekuchen!

Bei den Kleinen klappt es schon ganz gut

Im frühkindlichen Bereich ist man da schon weiter. Das trifft auch auf unsere Kita zu, in der von der Leitung bis zu den Erzieherinnen alle total aufgeschlossen sind. Von der ersten Kontaktaufnahme an fühlte ich mich gut aufgehoben. Ein Kind mit Down-Syndrom? Kein Problem, hatten wir schon, wir freuen uns auf Paul!

Und so haben wir uns dann doch dazu entschieden, unser „besonderes“ Kind genauso früh in eine Kita zu geben wie seinen großen Bruder damals, mit einem knappen Jahr. Denn wir glauben, dass keine Frühfördermaßnahme ein Kind so motivieren kann, wie das andere Kinder tun.

Und bisher läuft auch alles prima. Paul ist zwar noch nicht mobil und beobachtet das allgemeine Gewusel daher im Liegen, aber das scheint ihn nicht zu stören. Wenn ich ihn abhole, ist er bestens gelaunt und strahlt mich an. Seit kurzem klatscht er auch in die Hände, was er sich bei den anderen Kindern abgeschaut haben muss. Eine Erzieherin erzählte mir, dass die sich ganz rührend um ihn kümmern und ihm die Spielsachen bringen, wenn er das nicht selbst schafft. Er ist jetzt halt ihr „Baby“, obwohl er in Wirklichkeit ja gar nicht so viel jünger ist als die anderen. Auf jeden Fall nehmen ihn die Kinder einfach so, wie er ist und haben ihn gern.

Und was seine „besonderen Bedürfnisse“ betrifft? Nun, in ein paar Wochen wird es einen sogenannten „runden Tisch“ geben. Daran werden neben uns Eltern auch die Kita-Leitung, die Erzieherinnen und Pauls Frühförder-Therapeuten teilnehmen. Gemeinsam werden wir überlegen, inwieweit Paul extra Unterstützung braucht.  Höchstwahrscheinlich bekommt die Kita dann ein Budget, über das sie frei verfügen kann. Zum Beispiel, indem sie eine weitere Fachkraft einstellt.

Ansonsten kommt einmal pro Woche eine Physiotherapeutin in die Kita und übt mit Paul. Momentan geht es dabei vor allem darum, dass er sich selbstständig hinsetzen soll, denn das schafft er noch nicht. Auch hier zeigte sich die Kita sehr aufgeschlossen und flexibel. Die Übungen finden im Gruppenraum statt und die anderen Kinder dürfen zuschauen. So bleibt Paul mitten im Geschehen und die Erzieherinnen können sich darüber hinaus die eine oder andere Übung abschauen.

Bisher klappt es also ganz wunderbar mit der Inklusion. Ich bin glücklich, dass sich Pauls kleine Welt nun langsam vergrößert und er seine ersten Freundschaften schließt. Natürlich bin ich gespannt, wie das wird, wenn er irgendwann mal in die Schule kommt und es nicht mehr nur ums Spielen, sondern auch um Leistung geht. Vielleicht treffen wir dann auch mal auf Widerstand, wenn wir unseren Sohn weiter in eine „normale“ Einrichtung schicken wollen. Aber was nützt es, sich da schon heute den Kopf zu zerbrechen? Meine Hoffnung ist einfach, dass Inklusion bis dahin in allen Lebensbereichen ganz selbstverständlich ist.