Buchtipp: Don’t worry, be Mami

Ich muss euch etwas verraten, ich bin manchmal ein ganz schöner Angsthase. Und zwar dann, wenn es um meine finanzielle Unabhängigkeit geht. Ohne festen Arbeitsvertrag bin ich auf Dauer nicht glücklich und habe Horrorszenarien von Hartz 4 und Altersarmut im Kopf. Ihr findet das übertrieben? Mag sein. Trotzdem kann es in meinen Augen nicht schaden, als Frau und Mutter die eigenen Finanzen im Auge zu behalten. Insbesondere dann, wenn man wegen der Kinder für längere Zeit im Job aussetzt oder in Teilzeit arbeitet. Denn dann droht tatsächlich die berühmt-berüchtigte „Rentenlücke“. Schon mal davon gehört?

In Gesprächen mit anderen Frauen fällt mir immer wieder auf, wie ungern sich die meisten von uns mit dem Thema „Finanzen“ auseinandersetzen. Das kann ich gut nachvollziehen, denn erstens ist das Ganze natürlich sehr komplex und zweitens muss frau sich dabei auch schon mal so unangenehmen Fragen wie „Was passiert, wenn wir uns trennen?“ stellen.

Vielen Frauen ist dabei gar nicht bewusst, wie schnell sie im sozialen Abseits landen könnten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass ihr im Falle einer Scheidung keinerlei Anspruch auf Unterhalt von eurem Mann habt? Seit der großen Unterhaltsreform im Jahr 2008 haben nur noch die Kinder, nicht jedoch die Mütter bzw. Väter Anspruch auf Unterhaltszahlungen. Es sei denn, die Kinder sind unter drei. Bei Kindern ab drei Jahren setzt der Gesetzgeber voraus, dass beide Elternteile selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Wer die Betreuungssituation und die Lebenshaltungskosten in deutschen Großstädten kennt, weiß jedoch, dass diese Regelung an der Lebenswirklichkeit vieler Familien vorbeigeht. Müsste ich als Mutter in Stuttgart alleine die Miete für unsere Dreizimmer-Wohnung zahlen, ginge das nur, wenn ich wieder Vollzeit arbeite. Das wiederum passt aber nicht zu den Öffnungszeiten unserer zwei Kitas, von denen eine bereits um 14.30 Uhr schließt. Hinzu kommen die Wege, die ich zurücklegen muss, Termine bei Kinderärzten und Frühförderung, Einkäufe etc. Ihr kennt das ja…

Deshalb habe ich für mich beschlossen, erst mal nur in Teilzeit zu arbeiten, wobei mir durchaus bewusst ist, was das für meine Rente bedeutet. Es ist ein Dilemma…

Lesen, statt jammern!

So, genug gejammert, die gute Nachricht ist, dass es ab sofort keine Ausrede mehr gibt, sich nicht mit den Themen „Finanzen und Recht“ zu beschäftigen. Denn es gibt den wunderbar-witzigen Ratgeber „Don’t worry, be Mami“ von Sandra Runge, den ich euch absolut ans Herz legen kann! Er ist im Februar im Verlag blanvalet erschienen und kostet 12,99 Euro. Die Autorin, die auch das Blog Smartmama  betreibt, ist Juristin und Mutter von zwei Jungs. Den drögen Paragrafendschungel rund um die Rechte von Müttern kennt sie also bestens und sie erklärt ihn auf so witzige Weise, dass ich abends laut lachend auf dem Sofa sitze.

Also, schnell in die Buchandlung eures Vertrauens gehen und den Ratgeber kaufen! Das ist nun wirklich mal eine gute Geldanlage 😉

Ach ja, das Lesezeichen hat mir mein Dreijähriger übrigens zum Muttertag gebastelt. Ist es nicht herzallerliebst?

Mama packt das Handy in die Schublade und holt Luft…

Die erste Märzwoche ist wie im Flug vergangen. Wollt ihr wissen, ob mir mein Handy gefehlt hat? Nicht eine einzige Sekunde lang, ganz ehrlich! Kurz bevor es losging mit dem Fasten habe ich trotzdem kurz überlegt, meinen Plan über Bord zu werfen. Denn ich hatte vergessen, dass ich Paul ab März ja in die Kita eingewöhnen will (dazu bald mehr!). Ob das ohne Handy klappen würde, erschien mir dann doch fraglich. Schließlich muss ich ja erreichbar sein, wenn mal irgendetwas sein sollte.

Zum Glück habe ich das Fasten dann aber doch gewagt und mein Handy am 28. Februar abends ausgeschaltet und in die Schublade gepackt. Dort liegt es nun und schlummert friedlich.

Und ich fühle mich ein bisschen wie im Wellness-Urlaub 😉 Kein ständiges Vibrieren mehr in meiner Handtasche, kein schnelles Facebook-Daddeln, wenn ich mal wieder auf die Bahn warte. Stattdessen schaue ich mir eben meine Mitmenschen an, amüsiere mich über giftgrüne Socken zu weißen Sneakers oder freue mich mit meinem Sohn über die ersten Knospen an den Bäumen.

Passend zu dieser Entschleunigung habe ich endlich ein Buch gelesen, das schon lange im Regal wartet. Allein der Titel hat mich angesprochen und ich musste es einfach haben, als es im Herbst letzten Jahres erschien: Slow Familiy – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern von Nicola Schmidt und Julia Dibbern.

Statt Slow Food nun also auch Slow Familiy, interessante Idee, oder? Warum Langsamkeit in Zeiten von höher, schneller, weiter,  Familien gut tut, erklären die beiden Autorinnen witzig und anschaulich. Und statt nerviger Tipps haben sie ganz simple Zutaten, aus denen sich jeder die raussuchen kann, die er für sein persönliches „Glücksrezept“ braucht. Meine Lieblingszutaten sind „mit nackten Füßen übers Gras laufen“ und „land art“ aus Zweigen, Gräsern oder Steinchen, die man unterwegs mit den Kindern so findet. Das tut gut und geht im Prinzip immer und überall, sogar in der Großstadt.

Aber das Beste überhaupt ist in meinen Augen die Idee eines Dorfes, das es braucht, um Kinder großzuziehen. Nur, was tun, wenn man nicht im Dorf, sondern in der Stadt lebt und keine Großfamilie um die Ecke hat? Nicola Schmidt und Julia Dibbern haben gute Ideen, wie man sich sein „Dorf“ trotzdem aufbauen kann. Zum Beispiel, indem man den Nachbarn einfach mal einen Kuchen vorbeibringt. Oder eine Feuerschale auf die Terrasse stellt und die gesamte Straße zum Stockbrotgrillen einlädt. Klingt verrückt und kostet Überwindung? Vielleicht, aber ich finde es mittlerweile viel verrückter, wie isoliert und auf sich allein gestellt die meisten Familien heute leben. Meint ihr nicht?

Falls ihr Lust bekommen habt, das Buch zu lesen, es ist im Beltz Verlag erschienen und kostet 16,95 Euro. Viel Spaß und bis bald!

 

 

Schlafen und wachen – oder warum Babyjahre so sehr an die Substanz gehen

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal über das Schlafen schreiben. Beziehungsweise über das Nicht-Schlafen. Die meisten Eltern kennen das. Durchgestillte Nächte, stundenlanges Geschrei, blanke Nerven. Nicht umsonst wird Schlafentzug auch als Folterinstrument eingesetzt. Einige Glückliche trifft es nur, wenn der Nachwuchs zahnt oder irgendwie kränkelt. Andere Eltern sitzen bis weit ins zweite oder dritte Lebensjahr ihrer Kinder Nacht für Nacht an deren Bettchen, halten Händchen und trösten über Monster-Alpträume hinweg. Ratet mal, zu welcher Gruppe wir wohl gehören?

Irgendwann wird es besser, versprochen!

Wobei, ich muss sagen, dass unser Großer mittlerweile in den allermeisten Nächte allein in seinem Bett schläft. Abgesehen von besagten Alptraum-Nächten, in denen einer von uns, momentan ist es meistens mein Freund, neben ihm auf dem kalten Boden im Kinderzimmer schlafen muss und Händchen hält. Wir wir soweit gekommen sind? Ehrlich gesagt, keine Ahnung! Wir haben vieles ausprobiert, vom immergleichen Abendritual über das Familienbett bis hin zum nächtlichen Abstillen. Auch Fußmassagen mit Lavendelöl. Geholfen hat eigentlich nichts , bis auf die Zeit, die ins Land ging. Irgendwann scheint es in seinem Kopf einfach „klick“ gemacht zu haben und er hatte genug Vetrauen ins Leben gewonnen, um sich nicht mehr Nacht um Nacht, Stunde um Stunde vergewissern zu müssen, dass da noch jemand an seiner Seite liegt.

Vom Paulus zum…   😉

Der Kleine hingegen war in den ersten Monaten ein völlig unkomplizierter Schläfer. Wir konnten ihn einfach in seinem Bettchen ablegen und irgendwann schlief er dort ganz von alleine ein. Ein echtes Wunder! Ich traute mich kaum, vor anderen Eltern zuzugeben, dass unser 14-Tage-altes Baby nahezu zehn Stunden am Stück schlafen konnte. Nun, jetzt kann ich es ja sagen, diese Zeiten sind nämlich längst vorbei.

Mittlerweile ist der junge Mann nämlich genauso anspruchsvoll geworden wie sein großer Bruder und schläft ausschließlich in unserem Bett. Mitten drin natürlich. Sobald man ihn nur ein klitzekleines Stückchen bewegt ertönt lautstarker Protest. Und obwohl er mittlerweile abends beim Essen ordentlich reinhaut, braucht er mindestens dreimal pro Nacht zusätzlich Milch. Natürlich auschließlich die aus der Brust, Flaschen lehnt er genauso vehement ab wie den Schnuller.

Tja, und ich muss sagen, dass ich, obwohl ich glaubte, mich nach den Erfahrungen mit Kind Nummer 1 durch nichts mehr aus der Ruhe bringen zu lassen, jetzt doch so manches Mal unser Verhalten hinterfrage. Sollten wir konsequenter sein und ihn zurück in sein Bettchen legen? Auch wenn es zehn Anläufe braucht? Oder gar gleich ins Kinderzimmer ausquartieren, Geschrei hin oder her? Schwierig, einen klaren Kopf zu behalten, wenn man so auf dem Zahnfleisch kriecht!

Vorsicht vor einfachen Lösungen!

Wie verführerisch klingen da scheinbar einfache Lösungen von Ratgebern, Verwandten oder aus Internetforen. „Lasst den nur mal schreien, dann ist der Spuk nach ein, zwei Nächten vorbei!“ Oder gerne auch „ihr müsst halt selber mal entspannen, dann entspannt auch das Kind.“ Das diese Aussage übrigens Quatsch ist, beschreibt sehr schön dieser Text.

Gut, und wie sieht die Lösung nun aus? Gibt es überhaupt eine? Ehrlich gesagt, ich bin dankbar für jeden Tipp von eurer Seite in den Kommentaren! Mein persönlicher Schluss ist folgender: Babys und Kleinkinder sind nicht dafür gemacht, „durchzuschlafen“. Das hat evolutionäre Gründe, schließlich müssen sie sicher sein, dass jemand sie beschützt, wenn Gefahr droht. Eltern müssen sich daher bis ins Kindergartenalter darauf einstellen, sich immer wieder die Nächte um die Ohren schlagen zu müssen. Wem es besser ergeht, der darf sich glücklich schätzen und manchmal einfach die Klappe halten.

Und was kann man tun?

Was gegen so einen krassen Schlafentzug hilft? Ich finde: viel frische Luft tagsüber (gut für Eltern und Kinder!), sich abwechseln, soweit irgendwie möglich, auch mal andere Personen einspannen und trotz allem gut für sich sorgen. Zum Beispiel mit einem leckeren und gesunden Frühstück, das hilft, die Nerven zu bewahren. Oder mit einer entspannenden Badewanne am Abend. Außerdem möchte ich allen Leidensgenossen gerne ein Buch ans Herzen legen, von dem ich bereits hier im Blog berichtet habe: Schlafen und Wachen – ein Elternbuch für Kindernächte von William Sears. Der amerikanische Kinderarzt und Vater von acht Kindern räumt darin mit einigen Mythen auf rund um die Themen „Durchschlafen“ und  „Schlafen lernen“. Seinen Rat, das Familienbett als DAS Mittel der Wahl zu betrachten, sehe ich zwar etwas kritisch, weil das meiner Meinung nach einfach nicht für alle Familien passt. Mitgenommen habe ich aber ein Stück mehr Gelassenheit und die Hoffnung, auch ohnequalvolle Schlaflernprogramme, irgendwann mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen zu können.