Melken, reiten, Traktor fahren – Familienferien auf dem Bauernhof

Die letzten Wochen war es ruhig hier auf dem Blog. Wir haben Urlaub gemacht. Auf einem Bauernhof. In Österreich. Das hört sich für einige von euch vielleicht nicht sonderlich spektakulär an. Für uns war es allerdings Erholung pur! Warum, das möchte ich euch heute erzählen.

Das letzte Jahr war anstrengend. Ein neues Baby bedeutet ja immer, dass man sich als Familie neu organisieren muss. Durch Pauls Behinderung kamen dann aber noch ein paar mehr Herausforderungen auf uns zu, mit denen wir nicht gerechnet hatten und die uns erst einmal ganz schön viel Kraft gekostet haben. Grund genug für uns, dieses Jahr ein Urlaubsziel zu wählen, das

  • a) gut und unkompliziert erreichbar ist und
  • b) an dem unsere Kinder zeitweise betreut werden können.

Zugegeben, erst haben wir an einen All-Inclusive-Cluburlaub gedacht, aber beim Recherchieren wurde mir schnell klar, dass das nicht zu uns passt. Allein der Gedanke an singende Animatoren, Aerobic am Pool und Massenabfertigung am Büffet ist mir ein Graus. Nein, da musste eine andere, individuellere Lösung her.

Und die fand sich dann dank der überaus herzlichen Mail von Familie Auernig aus Obervellach in Kärnten, die auf ihrem Bauernhof drei schöne Wohnungen an Feriengäste vermietet. Um die Kinderbetreuung sollten wir uns mal keine Gedanken machen, schrieben sie mir, auf einem Bauernhof gäbe es schließlich immer etwas zu tun. Das Argument zog, ich buchte. Auch wenn ich mir mein dreijähriges Großstadtkind, das Angst vor Tauben hat, aber jedes Motorrad am Sound erkennt, irgendwie nicht so recht beim Melken vorstellen konnte….

Aber es kam anders. Schon am ersten Tag freundete sich Benedikt mit dem etwas älteren Bauernsohn an und von nun an sahen wir ihn eigentlich nur noch sporadisch. Er war viel zu beschäftigt damit, die Kaninchen zu füttern, beim Melken zuzuschauen oder die Berner Sennenhündin Bäri zu umarmen. Wir Erwachsenen machten es uns währenddessen auf dem riesigen Balkon gemütlich, spielten eine Runde Federball oder  genossen das üppige Bauernhof-Frühstück mit selbst gebackenem Brot und hausgemachtem Joghurt.

#Bauernhof; #Kärnten; #Urlaub; #Familienurlaub
Blick vom Balkon
#Frühstück; #Bauernhof; #Kärnten
Bauernhoffrühstück

 

Nach ein paar Tagen ausgiebigem Faulenzen hatten wir dann aber doch Lust auf ein bischen mehr Action. Kein Problem in Kärnten! Praktisch hinter der Haustür begann ein Wanderweg, der durch die spektakuläre Groppensteinschlucht führte. Dort wandert man etwa 2,5 km über Treppen und Brücken und hat immer wieder sensationelle Ausblicke auf Wasserfälle mit bis zu 30 m Fallhöhe. Das animierte sogar Benedikt zum Wandern, der sonst lieber auf Papas Schulter durch die Landschaft getragen wird.

#Raggaschlucht; #Kärnten; #Österreich
Schluchtenwanderung

Fritz und Monika Auernig verleihen auch Fahrräder mit Kindersitz, mit denen man gemütlich und ohne größere Anstiege durch das Mölltal radeln kann. Wer es etwas  sportlicher angehen will, findet im Nationalpark Hohe Tauern natürlich auch anspruchsvollere Wanderwege und viele Klettermöglichkeiten. Die Auernigs bieten nach Absprache auch gerne geführte Wanderungen an.

Für uns waren Touren von 2-3 Stunden aber aber völlig ausreichend. Am liebsten mit einem Zwischenstopp auf einer Hütte, in der man sich mit so leckeren Kärntner Spezialitäten wie Kärnter Kasnudeln stärken kann. Ein absolutes Highlight war hier für mich übrigens die Alexanderhütte in Millstatt. Von dort hat man einen grandiosen Ausblick auf den Millstätter See, das Essen ist ein Traum und in der hauseigenen Sennerei wird außerdem noch der beste Bergkäse aller Zeiten verkauft. Vorsicht, wer noch weiterwandern will, sollte sich hier etwas zurückhalten ;-)

Als es mit der Zeit immer heißer wurde – Kärnten liegt immerhin ganz im Süden von Österreich – wollten wir aber nur noch ans Wasser. Und so verbrachten wir noch ein paar wunderschöne Bade- und Faulenztage im Strandbad Ferndorf am Millstätter See. Der Millstätter See ist übrigens der wasserreichste in ganz Kärnten und auch der tiefste. Daher ist das Wasser ganz schön kalt! Dafür ist es glasklar und hat Trinkwasserqualität. Für Paul war es trotzdem ein bisschen frisch, er zog es vor, am Rand zu sitzen und mit den Händen aufs Wasser zu schlagen 😉

#millstätter see; #millstatt; #Kärnten; #Döbriach; #Strandbad
Planschen am Millstätter See

Wer jetzt Lust bekommen hat, seinen nächsten Urlaub auf einem Bauernhof zu verbringen, dem kann ich nur zuraten! Kärnten ist mit dem Auto von Süddeutschland aus in 5-6 Stunden zu erreichen und bietet alles, was für mich einen perfekten Urlaub ausmacht: Berge, Wasser, Sonne und gutes Essen. Die Menschen sind unglaublich freundlich, nicht einmal hat sich jemand über unsere wilden und lauten Jungs beschwert! Eine Übernachtung bei Familie Auernig auf dem Bauernhof kostet 74 Euro, das Frühstück 8 Euro extra pro Erwachsenem. Milch von Bauernhofkuh Bregenz gibt es umsonst, ebenso Obst und Gemüse aus dem Garten. Die Ferienwohnungen sind etwa 70 qm groß und haben eine gut ausgestattete Küche und einen großen Balkon. Außerdem einen Fernseher und ein großes Bücherregal mit unzähligen Kinder- und Erwachsenenbüchern.

Mehr Infos findet ihr unter http://www.bioauernig.at/

Genießt den Sommer! Bis bald!

 

Sommergedanken und ein Rezept

Sommerferien sind etwas Wunderbares. Aber irgendwann ist gut, das fand ich schon als Kind, wenn mir nach drei, vier Wochen schulfrei jedes Mal so richtig langweilig wurde. Länger als zwei Wochen Urlaub war bei uns selten drin und irgendwann vermisste ich einfach meine Freunde und ein bisschen Struktur im Alltag. Meinem zweijährigen Sohn scheint es nicht anders zu gehen. Seit vier Wochen hat unsere Krippe nun geschlossen und ich bin einen Großteil des Tages mit beiden Kindern allein. Ihr glaubt gar nicht, wie anstrengend ich das finde. Ein Tag im Büro erscheint mir geradezu wie Wellness gegen die Machtkämpfe, die ich mit meinem Zweijährigen Tag für Tag ausfechte.

„Mama, ich will den Paul in die Müllabfuhr schmeißen.“

„Nein, wir schmeißen hier niemanden in die Müllabfuhr.“

„Doch! Ich will die Mama kratzen.“

Und das alles nur, weil ich gerade keine Lust oder Zeit habe, zum hundertsten Mal „Klipp klapp, hier wird was gebaut“ vorzulesen…

Ich bin ein Kita-Fan!

Deshalb verstehe ich beim besten Willen nicht, warum manche Eltern ihre Kinder lieber zu Hause lassen statt sie in die Kita zu schicken. Natürlich weiß jeder selbst am besten, was gut für das eigene Kind ist, aber für mich wäre so eine komplette  Zuhausebetreuung definitiv nichts. Benedikt geht seit seinem ersten Geburtstag in eine Ganztageskrippe und blüht regelrecht auf,  sobald er mit anderen Kindern zusammen ist. Dann baggert, schaufelt oder malt er friedlich mit seinen Freunden oder auch mal alleine und wirkt ganz mit sich im Reinen. Alleine mit uns zu Hause rastet er dagegen regelmäßig aus oder drangsaliert vor lauter überschüssiger Energie seinen kleinen Bruder.

Außerdem sind diese freien Stunden für mich selbst soo wichtig! Egal, ob ich im Verlag Texte redigiere oder wie momentan zu Hause Blogbeiträge schreibe oder irgendetwas in der Küche fabriziere (meine Meditation!), ich brauche diese kinderfreien Stunden, um mich mit Themen zu beschäftigen, die nichts mit Windeln, Frühförderung oder Beikost zu tun haben. Sonst ticke ich aus und werde leider schnell zu einer schreienden Furie.

Zum Glück gab es aber in den vergangenen Wochen auch viele schöne Momente, die wir zusammen erlebt haben. Und die ich wahrscheinlich nicht so intensiv mitgekriegt hätte, wäre mein Sohn wie sonst in die Krippe gegangen. Viele witzige Gespräche haben sich unterwegs ergeben, zum Beispiel in der U-Bahn mit wildfremden Menschen: Benedikt mit ernstem Ernster Blick: „Die tote Motte kann nicht mehr fliegen“. Zustimmendes Brummeln der anderen Fahrgäste. „Da muss die Mama eine neue Motte kaufen.“

Was ich auch genossen habe, waren die vielen gemeinsamen Mahlzeiten mit beiden Kindern. Benedikt auf seinem Kinderstuhl mit einem „Kinderkaffee“ und Keksen, Paul auf meinem Schoß mit einer Gurke (das ist gerade unser Einstieg in die Beikost, mehr dazu kommt bald!), ich mit einer Tasse extrem starken Filterkaffee. Herrlich!

Normalerweise  frühstücken wir zwar alle zusammen, aber mittags isst jeder für sich, bei der Arbeit oder eben in der Krippe. Und so komfortabel das auch ist mit der Vollverpflegung dort, so ist mir doch aufgefallen, dass Benedikt durch das Krippenessen viel mäkeliger geworden ist. Zu Hause gibt es eben auch mal exotische Gewürze oder Gemüsesorten, die auf den ersten Blick nicht gerade ein Renner unter Kindern sind. In der Kita dagegen schon eher Nudeln mit Rahmsoße und andere „Kindergerichte“.

Um die Erbsenpickerei einigermaßen zu vermeiden, mache ich deshalb meistens Gerichte mit vielen verschiedenen Zutaten, bei denen zumindest einige auf den Geschmack meines kleinen Gourmets treffen. Zum Beispiel eine Bowl mit Hirse, Paprika, Möhren, Zuchini und Sonnenblumenkernen, wie ihr sie oben auf dem Bild seht. Das geht einfach und die Zutaten kann man je nach Geschmack variieren. Statt Hirse schmecken auch Reis, Couscous oder Nudeln und bei den Gemüsesorten geht im Prinzip alles. Benedikt greift sich dann einfach das aus dem Teller heraus, was er mag und Paul darf an einem Stück gedünsteter Möhre oder Zuchini lutschen, was er ziemlich spannend findet.

Hirse-Gemüse-Bowl

Zutaten

1 Tasse Hirse (oder Reis, Couscous, Nudeln…)

1  Paprika

3 Möhren

1 Zucchini

Olivenöl

Meersalz

Pfeffer

Sonnenblumenkerne (oder Kürbiskerne, gehackte Mandeln, Pinienkerne…)

evtl. frische Kräuter wie Petersilie (die kommen nur bei uns Erwachsenen dazu, weil Benedikt das „Gras“ verschmäht)

Zubereitung

Die Hirse koche ich in der doppelten Menge Salzwasser 10-15 Minuten, bis alles Wasser aufgesogen ist. Das Gemüse schneide ich in nicht allzu kleine Stücke, damit die Kinder sie gut greifen können. Ich dünste es gerne im Dampfeinsatz, weil das den Eigengeschmack besonders gut erhält. Bei Möhren dauert das Dämpfen etwa 7-10 Minuten, andere Gemüsespoten sind schneller gar. Natürlich kann man das Gemüse auch in einem Topf mit wenig Wasser kochen, wichtig ist bei kleinen Kindern nur, dass harte Gemüsesorten wie Möhren so weich sind, dass sie gut zerkaut beziehungsweise im Mund gelutscht werden können.

Am Schluss fülle ich alles in kleine Schüsseln (Bowls) und tröpfele Olivenöl, Meersalz und etwas Pfeffer dazu. Für meinen Freund und mich gibt es Petersilie und geröstete Sonnenblumenkerne dazu. Die probiert Benedikt je nach Lust und Laune auch mal, aber erst, seit er etwas größer ist und richtig gut kauen kann. Bei kleineren Kindern lässt man Nüsse und Kerne aber wegen der Verschluckungsgefahr weg.

Viel Spaß beim Auprobieren und guten Appetit!