Über das Geborenwerden und den richtigen Ort dafür

Mittlerweile habe ich mich ganz gut eingegroovt in meiner dritten Schwangerschaft. Die fiese Übelkeit ist vorbei und ich gehe zum Kundalini-Yoga, was eine echte Wohltat ist. Der Bauch ist nun nicht mehr zu verstecken und ich werde immer häufiger darauf  angesprochen. Die allermeisten scheinen sich einfach nur mit uns zu freuen und das ist schön. Dass ich mich gerade so wohl fühle, liegt aber auch daran, dass ich ein paar wichtige Entscheidungen getroffen habe. Zum Beispiel die, die Vorsorgeuntersuchungen größtenteils in die Hände meiner Hebamme zu legen. Damit fühle ich mich einfach wohler, weil sie sich mit mir über die Schwangerschaft freut, statt sie als Risikozustand zu bewerten und ehrlich an meinem Wohlbefinden interessiert ist. Bei meiner Gynäkologin habe ich das leider anders empfunden. Deshalb gehe ich dorthin nur noch zu den zwei verbleibenden Ultraschalluntersuchungen, die auch die Krankenkasse als sinnvoll erachtet.

Weder öko noch alternativ, sondern vernünftig

Wenn das manche Menschen in meinem Umfeld als „alternativ“ oder gar „mutig“ bezeichnen, muss ich schmunzeln. Denn schließlich sind Hebammen die Profis, wenn es um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett geht, nicht etwa  Gynäkologen. Leider habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass das Wissen vieler Mediziner schon recht veraltet ist oder stark von der Pharma- und/oder Gläschenindustrie-Lobby beeinflusst. Etwa beim Thema „Stillen“. Da habe ich wirklich schon hanebüchene Dinge gehört. Auch wenn ich selbst zu diesem Thema schon lange keine Fragen mehr stellen muss, macht es mich wütend, wenn ich höre, dass junge Mütter Sätze zu hören kriegen wie  „Ihre Milch macht das Baby nicht satt“ oder „Sie können sowieso nicht stillen.“ Gerade Müttern, die ein Baby mit Down-Syndrom haben, wird so etwas gerne gesagt. Und ich sage euch, dass das Quatsch ist. Aber vielleicht hätte auch ich diese Erfahrung nicht machen dürfen, wenn ich nach Pauls Geburt nicht diese liebevolle Hebamme gehabt hätte, die mir den Tipp gab, einfach ganz viel nackt mit ihm zu kuscheln, dann klappe das schon mit dem Stillen.

Wusstet ihr übrigens, dass nach deutschem Gesetz bei einer Geburt zwingend eine Hebamme anwesend sein muss? Ein Arzt hingegen ist nicht unbedingt erforderlich. Eine Tatsache, die vielen Schwangeren scheinbar nicht bewusst ist und die sie vielleicht sogar als bedrohlich empfinden. Ich möchte auch gar nicht darüber urteilen, denn jede Frau hat das Recht, in der Schwangerschaft und bei der Geburt das zu tun, was sich für sie und ihr Kind richtig anfühlt.

Selbstbewusster beim dritten Kind

Auch ich habe in meiner ersten Schwangerschaft die Vorsorge fast ausschließlich  meiner Gynäkologin überlassen, weil ich dachte, dass sei nun mal so. Und auch beim zweiten Mal ließ ich bei jeder Untersuchung einen Ultraschall über mich ergehen (sorry, Paul!), weil meine Frauenärztin fand, das Kind sei ja so klein und da solle man lieber noch mal gucken…

Erst jetzt, in der dritten Schwangerschaft, bin ich selbstbewusst genug, zu sagen, dass ein Großteil der angebotenen Leistungen für mich keinen Sinn machen und ich sie deshalb ablehne. Schade, dass meine Gynäkologin dafür kein Verständnis zeigt, denn ich bin ja keine grundsätzlicher Gegnerin der Schulmedizin, wünsche mir aber eine sachliche, informative Aufklärung und natürlich auch Respekt gegenüber meinen Entscheidungen. Beides finde ich bei meiner Gynäkologin leider nicht.

Als ich meiner Frauenärztin zum Beispiel von meinen Plänen für eine Hausgeburt erzählte, verdrehte sie nur die Augen und meinte, das sei ja unverantwortlich.  Abgesehen davon, dass ich ein solches Verhalten unsachlich und grenzüberschreitend finde, frage ich mich, was denn eigentlich unverantwortlicher ist. Eine Geburt in einem sterilen Krankenhaus, mit einer Hebamme, die sich zwischen mehreren Kreissälen aufteilen muss oder eine an einem schönen, intimen Ort, mit liebevollen und vertrauten Menschen, die die ganze Zeit über da sind, wenn man sie braucht, aber eben auch gehen, wenn man lieber alleine sein will?

Nun, ich habe für mich persönlich eine Entscheidung getroffen und erwarte von meinem Umfeld nichts anderes, als diese zu akzeptieren. Natürlich gibt es Geburten, bei denen moderne Kliniken mit angeschlossener Neonatologie ein Segen sind und Leben retten können. Etwa, wenn ein Kaiserschnitt zwingend erforderlich ist und das schon vorher absehbar ist. Bei extremen Frühchen oder bei Babys, die direkt nach der Geburt operiert werden müssen. Wer wie ich in einer Großstadt lebt, geht aber bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft auch zu Hause kein „Risiko“ ein, denn die nächste Klinik ist nie mehr als zehn Minuten entfernt. Studien belegen zudem, dass eine Hausgeburt im Regelfall mit weniger Komplikationen einhergeht als eine Klinikgeburt.

Nun will ich hier aber kein Plädoyer für Hausgeburten halten, sondern dafür, sich für ein so bedeutendes Ereignis wie die Geburt des eigenen Kindes bewusst zu überlegen, wo dieses stattfinden soll. Ich habe zweimal in einer kleinen, familiären Klinik mit einer Beleghebamme und einem Belegarzt entbunden und war damit sehr glücklich.

Was ich jeder Schwangeren ans Herz legen möchte ist, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen, wie, wo und mit welchen Menschen sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte. Denn es gibt große Unterschiede zwischen den verschiedenen Kliniken, Geburtshäusern etc. Nun muss man ja nicht gleich hunderte Kreissaalführungen mitmachen, aber es lohnt sich in meinen Augen schon, sich zu informieren und auch mal über Alternativen nachzudenken. Für mich persönlich waren folgende Punkte entscheidend:

  • Stimmt das Bauchgefühl mit der Hebamme und dem Arzt?
  • Wird nach meinen Wünschen als Schwangere/Gebärende gefragt und werden diese auch respektiert (etwa nach einer spontanen oder einer möglichst natürlichen  Geburt)?
  • Wie offen ist die Klinik für „alternative“ Gebärpositionen? Gibt es einen Hocker, ein Seil, eine Badewanne etc.?
  • Ist die Klinik stillfreundlich? Das erkennt man etwa am sogenannten „Rooming-Inn“ mit Beistellbettchen und an geschultem Personal.
  • Gibt es die Möglichkeit, gleich nach der Geburt wieder nach Hause zu gehen (ambulante Geburt)?

Ich wünsche allen Schwangeren, dass ihr einen Ort findet, an dem ihr euch entspannen könnt, respektiert und geborgen fühlt! Denn ein guter Start ins Leben ist soo wichtig! Für das Baby, aber auch für die frischgebackenen Eltern. Wie viele Probleme und Unsicherheiten in der Anfangszeit als Eltern könnten so vermieden werden! Ich weiß, dass es heute eine riesige Herausforderung ist, einen solchen Ort zu finden. Und vor allem eine gute Hebamme. Aber lasst euch nicht entmutigen, sucht einfach hartnäckig weiter und hört auf euer Bauchgefühl!

 

 

 

„Und wir wünschen euch ganz viel Kraft“ – von Glückwünschen, die keine sind

Gerade bin ich dabei, zu überlegen, wie die Dankeskarten für unsere Freunde und Verwandten aussehen sollen, die uns zu Pauls Geburt gratuliert und beschenkt haben. Zugegeben, seitdem sind fast vier Monate vergangen, ich bin also ganz schön spät dran. Aber es gab wichtigere Dinge zu tun. Zuerst einmal mussten wir uns als Familie neu sortieren und mit den neuen Aufgaben und Herausforderungen klarkommen, die Pauls Behinderung so mit sich bringt.

Ist ein Kind mit Behinderung denn kein Grund, sich zu freuen?

Aber das ist ein anderes Thema. Eigentlich wollte ich ja davon erzählen, wie viele liebe Glückwünsche wir zur Geburt unseres Sohnes bekommen haben. Von Freunden, Verwandten und Kollegen, die sich mit uns gefreut haben über Paul, so wie er ist. Und bei all denen möchte ich mich bedanken. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Ist es aber offenbar nicht, wenn man ein Baby mit Behinderung bekommt. Das berichten jedenfalls manche Eltern, deren soziales Umfeld  nicht so positiv reagiert hat und denen man teilweise noch nicht einmal zur Geburt gratuliert hat. Was für eine bodenlose Frechheit!

Natürlich haben auch wir manchmal eine gewisse Beklemmung gespürt. Die äußerste sich zum Beispiel in Sätzen wie „Wir wünschen euch ganz viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.“ Sicher sind solche Aussagen gut gemeint, aber für mich schwingt in ihnen immer auch mit „anders wäre es  besser gewesen“. Aber das ist schlicht und ergreifend falsch! Auch wir hatten zwar mit einem nicht-behinderten Kind gerechnet und die vielen medizinischen Checks, die bereits notwendig waren, hätten wir Paul gerne erspart. Aber wir finden unser Baby so wie es ist, wunderschön und perfekt. Und um nichts in der Welt würden wir es gegen ein anderes eintauschen.

Elternsein ist immer auch schwierig

Und mal ehrlich, ganz viel Kraft brauchen doch alle Eltern, ganz egal, ob das Kind nun behindert ist oder nicht. Ein Schreibaby kann einem den letzten Nerv rauben und auch nicht behinderte Kinder können später schwer erkranken. Das ist nun mal das Risiko des Lebens und wer davor Angst hat, sollte vielleicht besser keine Kinder bekommen.

Ich glaube, ein Grund für die Beklemmung mancher Menschen ist, dass sie einfach nur sehr wenig über Trisomie 21  wissen und alte Bilder im Kopf haben. Von dicken Brillen, unmodischen Frisuren und behinderten Menschen, die nicht richtig sprechen können. Zugegeben, auch ich hatte diese Bilder zunächst im Kopf . Umso dankbarer bin ich, dass wir von Anfang an so viel Unterstützung und Informationen zum Down-Syndrom bekommen haben. Von der Kinderärztin, der Frühförderstelle und von unserer großartigen Hebamme, die uns  in der Anfangszeit tatkräftig unterstützt hat und uns immer wieder Mut gemacht hat, wenn der uns zwischenzeitlich mal verließ.

Babys mit Down-Syndrom sind auch süß!

Ganz besonders geholfen haben mir damals die  beiden Bildbände der Fotografin Conny Wenk  „Außergewöhnlich“, deren Tochter selbst das Down-Syndrom hat. Die Bilder der Kinder sind einfach zu süß und die Familien wirken trotz aller Schwierigkeiten glücklich. Nachdem ich die beiden Bücher von vorne bis hinten durchgelesen hatte, beschloss ich, dass auch wir unbedingt so schöne Bilder von Paul brauchen. Schließlich hatten wir ja auch beim Großen ein Neugeborenen-Shooting gemacht. Und da lag es nahe, wieder dieselbe Fotografin zu fragen, nämlich Erika Martins, deren wunderschöne Bilder ihr auch teilweise hier im Blog findet. Und die ich natürlich auch für meine Dankeskarten verwenden werde. So schließt sich der Kreis und ich wünsche allen Eltern, die ein Kind mit Behinderung bekommen, genauso viel Unterstützung und positive Resonanz, wie wir sie erlebt haben.