Adiós Frühförderung – wie ich aufhörte , Co-Therapeutin für mein Kind zu sein und viel entspannter wurde

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Blogpost im vergangenen Jahr, in dem ich davon berichtet habe, wie sehr mich Pauls Frühförderprogramm stresste. Dabei waren es nicht allein die vielen Termine, die er von der Logopädie über die Physiotherapie bis hin zur Heilpädagogik Woche für Woche hatte. Was mich wirklich fertig machte war mein eigener Anspruch, die perfekte Co-Therapeutin für mein Kind zu sein.

Dabei bin ich von Haus aus eigentlich keine Perfektionistin. Ob Schule, Studium oder Job, eigentlich war mir der Weg des geringsten Aufwands immer ganz lieb. Und weil ich damit meist auch ganz gut fuhr sah ich keinen Grund, groß etwas zu verändern.

Aber dann kam Paul

Und mit ihm die vielen guten und gut gemeinten Ratschläge von Ärzten und Therapeuten: „Üben Sie jeden Tag eine halbe Stunde dies und eine Viertelstunde das und dann massieren Sie ihm die Füße.  Singen Sie, lesen Sie vor und inhalieren Sie täglich…“

Denn schließlich, so der Tenor, könne man bei Down-Syndrom heute ja soo viel machen. Was im Umkehrschluss natürlich nichts anderes heißt, als dass man selbst schuld ist, wenn sich das Kind nicht wie gewünscht entwickelt.

Auf meine Frage, wie all das denn zu bewerkstelligen sei, neben einem weiteren Kind, einer Partnerschaft, einer Berufstätigkeit, kurz, einem eigenen Leben, erntete ich regelmäßig verständnislose Blicke. Wie kann die bloß noch Ansprüche stellen, dachten  sich manche ganz bestimmt, schließlich hat sie doch jetzt ein behindertes Kind. Als ob man dadurch quasi automatisch zu einer Art moderner Mutter Theresa würde und eigene Wünsche und Bedürfnisse immer hintenanstellen wolle. Ein Spezialist für Down-Syndrom brachte schließlich auf den Punkt, was bestimmt auch schon andere vor ihm gedacht hatten und meinte, ich solle doch meinen Job aufgeben.

Diese Aussage machte mich zuerst sprachlos. Im Nachhinein bin ich dem weltfremden und verbitterten Mann aber sogar ein bisschen dankbar, denn erst durch ihn konnte ich endlich sagen „Stopp, es reicht!“ Damit hatte er zwar das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte, aber für mich wurde alles einfacher. Denn ich hatte verstanden, dass meine Kraft, meine Geduld und auch mein Wille, für meine Kinder da zu sein, begrenzt sind. Nach diesem Arztbesuch beschloss ich, ab sofort nur noch Pauls Mama zu sein. Und seitdem geht es mir viel besser!

Was bedeutet das, nur Mama sein?

Seit diesem Beschluss überlasse ich die Therapien den Therapeuten. Und zu Hause mache ich nur noch Dinge, die mir und den Kindern Spaß machen. Das kann schon auch  mal eine Massage oder ein Lied sein. Mindestens genauso oft aber spielt Paul einfach mit seinem Bruder im Kinderzimmer, während ich die Wäsche zusammenlege, einen Kaffee trinke oder auch einfach mal nichts tue.

Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Paul alle Fördermöglichkeiten bekommt, die er braucht. Vor allem aber ist meine Aufgabe, meine Kinder so zu lieben, wie sie sind.  Und ihnen zu vertrauen, dass sie schon alles lernen werden, was in ihrem Rahmen möglich ist. Dann, wenn es für sie an der Zeit ist. Völlig schnuppe, ob sie mit 1, 2 oder 3 Jahren laufen und wie groß ihr Wortschatz bei der nächsten U-Untersuchung ist.

Denn seien wir mal ehrlich, jede Frühförderung, sei sie auch noch so wissenschaftlich fundiert und gut ausgeführt, ist immer auch eine Art zu sagen, „so wie du bist, bist du nicht gut genug.“

Ganz unabhängig davon finde ich im Übrigen, dass ich als Mutter eines Kindes mit 47 Chromosomen genauso ein Recht auf ein schönes und entspanntes Leben habe wie alle anderen Eltern auch. Denn, so abgedroschen das auch klingen mag, wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Kindern gut. Warum? Na, weil ich tausendmal geduldiger, liebevoller und humorvoller bin, wenn es mir gut geht.  Und ist nicht ohnehin der größte Liebesbeweis, dem man seinem Kind machen kann, der, zu sagen „mit dir geht es mir gut, du machst mein Leben schön!

 

Eure Kathinka

 

 

Der Mensch ist mehr als seine Wirtschaftskraft – Gedanken zum bedingungslosen Grundeinkommen

Vielleicht seid auch ihr schon darüber gestolpert. In den letzten Wochen tauchte in den sozialen Medien häufiger mal das sogenannte Bündnis Grundeinkommen auf. Diese Ein-Themen-Partei hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, das bedingungslose Grundeinkommen im aktuellen Wahlkampf auf die politische Agenda zu bringen. Denn anders als zum Beispiel in der Schweiz ist es bei uns in Deutschland bislang nicht möglich, per Volksabstimmung über das Konzept abzustimmen.

Was hat das bedingungslose Grundeinkommen in diesem Blog verloren?

Richtig, pauliskleinesuniversum ist ein Familienblog und ich möchte hier auch keine politische Propaganda verbreiten. Aber ich verfolge die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen nun schon seit vielen Jahren. Und finde, dass sie sehr wohl etwas mit Familien zu tun hat. Denn gäbe es das bedingungslose Grundeinkommen, würde das auch das Leben unzähliger Mütter, Väter, Söhne und Töchter erheblich vereinfachen.

Warum?  Weil sie sich dann endlich mal auf eine Sache konzentrieren könnten, statt sich zwischen Angestellten-Arbeit, Erziehungsarbeit und Pflege aufzureiben. Denn mal ehrlich, so richtig klappt das doch bei kaum jemandem mit der Vereinbarkeit, oder? Wohin ich auch schaue in meinem Freundes- und Bekanntenkreis – mich selbst  eingeschlossen – alle sind völlig ausgebrannt. Und wie man es dreht oder wendet, irgendetwas kommt immer zu kurz. Wer sich zu Hause um seine Kinder oder um pflegebedürftige Angehörige kümmert, guckt irgendwann ganz schön doof aus der Wäsche. Nämlich dann, wenn sie (oder er – ja, auch das soll es geben) mal in Rente geht oder wenn die Beziehung eben doch nicht hält.

Wer wiederum so viel Geld verdient, dass er (oder sie – ja, auch das soll es geben) um allein eine Familie zu versorgen, muss immer häufiger einen Teil davon in „Reha-Maßnahmen“ wie Massagen, Yogastunden und Meditations-Retreats investieren, um nicht irgendwann vor Erschöpfung umzufallen. Da stimmt doch was nicht!

Jeder Mensch will einen Beitrag leisten

Viele von euch werden nun sicher sagen, dass das Ganze ja eine schöne Idee ist, aber nicht finanzierbar. Denn wenn der Staat jedem Menschen monatlich einen bestimmten Betrag zahlt, ohne eine Gegenleistung zu fordern, wer würde dann noch arbeiten? Würde nicht über kurz oder lang unsere gesamte Volkswirtschaft zusammenbrechen?

Gegenfrage: Wer bezahlt denn all die Frauen und Männer, die sich zugunsten der Familienarbeit für eine Weile aus dem Erwerbsleben verabschieden?

Richtig, keiner.

Und auch die leisten einen ganz erheblichen Beitrag zur Volkswirtschaft. Genau wie die ehrenamtlichen Helfer, die Flüchtlingen Deutsch beibringen oder sie bei Behördengängen begleiten.

Und die bezahlt auch keiner!

Schade, dass es bei der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen aber immer nur um Geld geht und nicht darum, welches Menschenbild eigentlich hinter der Idee steht. Dabei ist dieses Bild so viel schöner und menschenfreundlicher als die landläufige Vorstellung vom Homo oeconomicus, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Ich bin sowieso fest davon überzeugt, dass jeder Mensch einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten möchte. Wenn er die Gelegenheit dazu hat und nicht in einem ungeliebten Brotjob versauern muss. Ob dieser Beitrag nun darin besteht, Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, Roboter zu entwickeln oder hungrige Angestellte in einer Kantine freundlich zu bedienen finde ich dabei zweitrangig.

Alle sind auf ihre ganz eigene Art und Weise wichtig

Als Mutter eines behinderten Kindes verfolge ich die Debatte nochmal aus einer anderen Perspektive. Denn mein Sohn wird niemals zu den sogenannten „High-Performern“ gehören. Höchstwahrscheinlich wird er auch nicht allein für seinen Lebensunterhalt sorgen können. Ist er deshalb faul? Ganz bestimmt nicht! Jeder Entwicklungsschritt ist für ihn mit einer riesigen Anstrengung verbunden, die wir „Normalos“ gar nicht so richtig nachvollziehen können.

Nicht nur, aber auch deshalb wünsche ich mir, dass das bedingungslose Grundeinkommen kommt. Damit mein Sohn und alle anderen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Stärken und Talente unter Beweis zu stellen. Denn wenn jeder das tut, was er am liebsten macht, profitiert doch die ganze Gesellschaft. Was meint ihr?

 

Mama packt das Handy in die Schublade und holt Luft…

Die erste Märzwoche ist wie im Flug vergangen. Wollt ihr wissen, ob mir mein Handy gefehlt hat? Nicht eine einzige Sekunde lang, ganz ehrlich! Kurz bevor es losging mit dem Fasten habe ich trotzdem kurz überlegt, meinen Plan über Bord zu werfen. Denn ich hatte vergessen, dass ich Paul ab März ja in die Kita eingewöhnen will (dazu bald mehr!). Ob das ohne Handy klappen würde, erschien mir dann doch fraglich. Schließlich muss ich ja erreichbar sein, wenn mal irgendetwas sein sollte.

Zum Glück habe ich das Fasten dann aber doch gewagt und mein Handy am 28. Februar abends ausgeschaltet und in die Schublade gepackt. Dort liegt es nun und schlummert friedlich.

Und ich fühle mich ein bisschen wie im Wellness-Urlaub 😉 Kein ständiges Vibrieren mehr in meiner Handtasche, kein schnelles Facebook-Daddeln, wenn ich mal wieder auf die Bahn warte. Stattdessen schaue ich mir eben meine Mitmenschen an, amüsiere mich über giftgrüne Socken zu weißen Sneakers oder freue mich mit meinem Sohn über die ersten Knospen an den Bäumen.

Passend zu dieser Entschleunigung habe ich endlich ein Buch gelesen, das schon lange im Regal wartet. Allein der Titel hat mich angesprochen und ich musste es einfach haben, als es im Herbst letzten Jahres erschien: Slow Familiy – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern von Nicola Schmidt und Julia Dibbern.

Statt Slow Food nun also auch Slow Familiy, interessante Idee, oder? Warum Langsamkeit in Zeiten von höher, schneller, weiter,  Familien gut tut, erklären die beiden Autorinnen witzig und anschaulich. Und statt nerviger Tipps haben sie ganz simple Zutaten, aus denen sich jeder die raussuchen kann, die er für sein persönliches „Glücksrezept“ braucht. Meine Lieblingszutaten sind „mit nackten Füßen übers Gras laufen“ und „land art“ aus Zweigen, Gräsern oder Steinchen, die man unterwegs mit den Kindern so findet. Das tut gut und geht im Prinzip immer und überall, sogar in der Großstadt.

Aber das Beste überhaupt ist in meinen Augen die Idee eines Dorfes, das es braucht, um Kinder großzuziehen. Nur, was tun, wenn man nicht im Dorf, sondern in der Stadt lebt und keine Großfamilie um die Ecke hat? Nicola Schmidt und Julia Dibbern haben gute Ideen, wie man sich sein „Dorf“ trotzdem aufbauen kann. Zum Beispiel, indem man den Nachbarn einfach mal einen Kuchen vorbeibringt. Oder eine Feuerschale auf die Terrasse stellt und die gesamte Straße zum Stockbrotgrillen einlädt. Klingt verrückt und kostet Überwindung? Vielleicht, aber ich finde es mittlerweile viel verrückter, wie isoliert und auf sich allein gestellt die meisten Familien heute leben. Meint ihr nicht?

Falls ihr Lust bekommen habt, das Buch zu lesen, es ist im Beltz Verlag erschienen und kostet 16,95 Euro. Viel Spaß und bis bald!

 

 

Selbsterkenntnis – warum aufgeben manchmal die beste Option ist

Als ich 20 war, hatte ich hehre Ziele für mein Leben. Wollte als Volunteer in Ecuador Straßenkindern bessere Bildungschancen ermöglichen. Und später als Journalistin darüber berichten, was alles schief läuft auf der Welt.

Nach sechs Monaten an einer indigenen Schule erkannte ich frustriert, wie wenig mein kleiner Beitrag bewirken konnte. Und musste mir eingestehen, dass ich mehr Lust hatte, durch den Dschungel zu wandern, als darauf, Straßenkindern das Lesen beizubringen.

Vorübergehend beschränkte ich meine Versuche, die Welt zu verändern, darauf, im Weltladen einzukaufen und gelegentlich an einer Demo teilzunehmen. Die Einsicht, dass ich wohl eher für ein stinknormales Studentenleben gemacht war als für eine Laufbahn als Entwicklungshelferin, war schmerzhaft, aber wichtig.

Auch von mir als Mutter hatte ich ein bestimmtes Bild im Kopf, das ich nun immer wieder zurechtrücken muss. Gelassen und konsequent wollte ich sein und mein bisheriges Leben mit Arbeit, Reisen, Yoga und Tanzen weiterführen wie bisher.

Jeden Tag aufs Neue merke ich aber, wie begrenzt meine Energiereserven sind. Viele Ideen, die mir zunächst großartig erscheinen, funktionieren im Alltag dann doch nicht. Wie das Wickeln mit Stoffwindeln, das wir nach einem Jahr wieder aufgegeben haben, oder die Tangoabende mit Kind. Andere schaffen das, aber wir finden es zu anstrengend.

Das Gute daran ist, dass ich durch das regelmäßige Aufgeben von Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, viel lerne. Zum Beispiel, dass es nicht den einen, richtigen Weg gibt. Oder dass auch Altbewährtes manchmal nicht mehr ins eigene Leben passt und es an der Zeit ist, etwas Neues auszuprobieren.

Hier im Blog habe ich schon berichtet, warum ich es nicht schlimm finde, als Mutter nicht perfekt zu sein. Ich glaube, wir sind das beste Vorbild für unsere Kinder, wenn wir uns eingestehen können, Fehler zu machen. Wenn wir ihnen vorleben, dass es manchmal notwendig ist, einen Kurswechsel einzuschlagen. Denn nichts ist in Stein gemeißelt und alles ändert sich ständig.

Heute will ich euch von einigen dieser Kurswechsel erzählen. Und bin gespannt, ob es euch manchmal ähnlich geht.

Kurswechsel 1: Ich arbeite als Mutter anders als ohne Kinder

Sich um kleine Kinder zu kümmern ist harte Arbeit! Trotzdem wollen und müssen die meisten Eltern neben dieser Familienarbeit auch einer Erwerbsarbeit nachgehen. Und das ist auch möglich. Ich habe nach meiner ersten Elternzeit wieder nahezu Vollzeit gearbeitet. Die allermeisten Väter tun das sowieso. Wer wie wir das Glück hat, relativ geregelte Büro-Arbeitszeiten zu haben und über gute Betreungsmöglichkeiten verfügt, kann den Spagat zwischen Familie und Arbeitsleben schon hinkriegen.

Die Frage ist nur, ob man es will. Denn das Leben von berufstätigen Eltern ist extrem durchgetaktet. Spontane Kneipenbesuche mit Kollegen oder Yogastunden nach Feierabend sind eher nicht mehr drin. Alles muss geplant und mit dem Partner abgesprochen werden. Und wehe, die Kita streikt oder die Hand-Fuß-Mund-Krankheit geht um. Dann sind die zehn Kinderkrankentage, die man als Angesteller pro Jahr hat, ruck zuck aufgebraucht.

Abgesehen davon geht es nach einem anstrengenden Tag im Büro zu Hause nahtlos weiter mit Vorlesen, Trösten, Windelnwechseln. Und zwischendurch muss man auch mal zum Supermarkt oder die Waschmaschine anwerfen. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber wir sind durch dieses ständig andauernde Gefragtsein ziemlich anfällig für Infekte geworden. Und müssen uns häufiger krank melden als früher. Arbeitgeber finden das nicht so toll. Ebenso wenig mögen sie es, wenn man am Nachmittag alles stehen und liegen lässt, weil man sein Kind aus der Kita holen will.

Das ist mir recht schnell zu nervenaufreibend geworden. Und so bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich etwas ändern muss. Natürlich will ich arbeiten, denn das macht mir Spaß und irgendwie muss schließlich auch Geld reinkommen. Aber ich will selbst entscheiden, wann, wo und wie viel ich arbeite. Wie das konkret aussehen wird, weiß ich noch nicht und es kann sein, dass damit finanzielle Einbußen verbunden sind.

Kurswechsel 2: Ich akzeptiere, vorübergehend abhängig zu sein

Dieses Thema hat viel mit dem vorherigen zu tun. Wer sich dafür entscheidet, eine Weile oder dauerhaft aus dem Berufsleben auszusteigen oder weniger zu arbeiten, wird abhängig. Vom Partner, den Eltern, staatlichen Transferleistungen.

Die einzig gute Lösung wäre in meinen Augen ein bedingungsloses Grundeinkommen.  Das würde jedem Menschen ermöglichen, frei zu entscheiden, in welchem Umfang er einer Erwerbsarbeit nachgehen, Familienarbeit leisten oder sich in einer anderen Form für die Allgemeinheit engagieren will. So lange es dieses Grundeinkommen nicht gibt, muss jeder für sich selbst herausfinden, wie er am besten für sich und seine Lieben sorgen kann. Das kann auch bedeuten, vorübergehend abhängig von anderen zu sein.

Kurswechsel 3: Wir sind keine Familie aus dem Bilderbuch

Immer wieder falle ich darauf rein. Zuletzt gestern Abend, beim Martinsumzug im Kindergarten. Es gibt sie nicht, die harmonische Familienidylle aus dem Bilderbuch. Wann höre ich endlich auf, enttäuscht zu sein, wenn alles ganz anders läuft als in meiner Wunschvorstellung? Wenn mein Zweijähriger nicht andächtig das Licht der Laternen  bewundert, sondern schreit, er wolle seine Brezel mit niemandem teilen. Wenn das Baby das liebevoll zubereitete Fingerfood verschmäht und lieber mit dem Löffel gefüttert werden will. Oder wenn der Familienausflug am Wochenende in Zank und Geschrei auf allen Seiten endet.

Vielleicht sollte ich es einfach aufgeben, von einer Bilderbuchfamilie zu träumen. Von uns allen weniger erwarten und akzeptieren, dass miese Stimmung am Esstisch, vergammelte Sonntage und dergleichen bei uns nun mal dazugehören. Denn Kinder sind wie wir Persönlichkeiten und haben ihre eigenen Wünsche, Ziele und Vorstellungen davon, wie die Dinge zu sein haben. Oder wie seht ihr das?