Schlafen und wachen – oder warum Babyjahre so sehr an die Substanz gehen

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal über das Schlafen schreiben. Beziehungsweise über das Nicht-Schlafen. Die meisten Eltern kennen das. Durchgestillte Nächte, stundenlanges Geschrei, blanke Nerven. Nicht umsonst wird Schlafentzug auch als Folterinstrument eingesetzt. Einige Glückliche trifft es nur, wenn der Nachwuchs zahnt oder irgendwie kränkelt. Andere Eltern sitzen bis weit ins zweite oder dritte Lebensjahr ihrer Kinder Nacht für Nacht an deren Bettchen, halten Händchen und trösten über Monster-Alpträume hinweg. Ratet mal, zu welcher Gruppe wir wohl gehören?

Irgendwann wird es besser, versprochen!

Wobei, ich muss sagen, dass unser Großer mittlerweile in den allermeisten Nächte allein in seinem Bett schläft. Abgesehen von besagten Alptraum-Nächten, in denen einer von uns, momentan ist es meistens mein Freund, neben ihm auf dem kalten Boden im Kinderzimmer schlafen muss und Händchen hält. Wir wir soweit gekommen sind? Ehrlich gesagt, keine Ahnung! Wir haben vieles ausprobiert, vom immergleichen Abendritual über das Familienbett bis hin zum nächtlichen Abstillen. Auch Fußmassagen mit Lavendelöl. Geholfen hat eigentlich nichts , bis auf die Zeit, die ins Land ging. Irgendwann scheint es in seinem Kopf einfach „klick“ gemacht zu haben und er hatte genug Vetrauen ins Leben gewonnen, um sich nicht mehr Nacht um Nacht, Stunde um Stunde vergewissern zu müssen, dass da noch jemand an seiner Seite liegt.

Vom Paulus zum…   😉

Der Kleine hingegen war in den ersten Monaten ein völlig unkomplizierter Schläfer. Wir konnten ihn einfach in seinem Bettchen ablegen und irgendwann schlief er dort ganz von alleine ein. Ein echtes Wunder! Ich traute mich kaum, vor anderen Eltern zuzugeben, dass unser 14-Tage-altes Baby nahezu zehn Stunden am Stück schlafen konnte. Nun, jetzt kann ich es ja sagen, diese Zeiten sind nämlich längst vorbei.

Mittlerweile ist der junge Mann nämlich genauso anspruchsvoll geworden wie sein großer Bruder und schläft ausschließlich in unserem Bett. Mitten drin natürlich. Sobald man ihn nur ein klitzekleines Stückchen bewegt ertönt lautstarker Protest. Und obwohl er mittlerweile abends beim Essen ordentlich reinhaut, braucht er mindestens dreimal pro Nacht zusätzlich Milch. Natürlich auschließlich die aus der Brust, Flaschen lehnt er genauso vehement ab wie den Schnuller.

Tja, und ich muss sagen, dass ich, obwohl ich glaubte, mich nach den Erfahrungen mit Kind Nummer 1 durch nichts mehr aus der Ruhe bringen zu lassen, jetzt doch so manches Mal unser Verhalten hinterfrage. Sollten wir konsequenter sein und ihn zurück in sein Bettchen legen? Auch wenn es zehn Anläufe braucht? Oder gar gleich ins Kinderzimmer ausquartieren, Geschrei hin oder her? Schwierig, einen klaren Kopf zu behalten, wenn man so auf dem Zahnfleisch kriecht!

Vorsicht vor einfachen Lösungen!

Wie verführerisch klingen da scheinbar einfache Lösungen von Ratgebern, Verwandten oder aus Internetforen. „Lasst den nur mal schreien, dann ist der Spuk nach ein, zwei Nächten vorbei!“ Oder gerne auch „ihr müsst halt selber mal entspannen, dann entspannt auch das Kind.“ Das diese Aussage übrigens Quatsch ist, beschreibt sehr schön dieser Text.

Gut, und wie sieht die Lösung nun aus? Gibt es überhaupt eine? Ehrlich gesagt, ich bin dankbar für jeden Tipp von eurer Seite in den Kommentaren! Mein persönlicher Schluss ist folgender: Babys und Kleinkinder sind nicht dafür gemacht, „durchzuschlafen“. Das hat evolutionäre Gründe, schließlich müssen sie sicher sein, dass jemand sie beschützt, wenn Gefahr droht. Eltern müssen sich daher bis ins Kindergartenalter darauf einstellen, sich immer wieder die Nächte um die Ohren schlagen zu müssen. Wem es besser ergeht, der darf sich glücklich schätzen und manchmal einfach die Klappe halten.

Und was kann man tun?

Was gegen so einen krassen Schlafentzug hilft? Ich finde: viel frische Luft tagsüber (gut für Eltern und Kinder!), sich abwechseln, soweit irgendwie möglich, auch mal andere Personen einspannen und trotz allem gut für sich sorgen. Zum Beispiel mit einem leckeren und gesunden Frühstück, das hilft, die Nerven zu bewahren. Oder mit einer entspannenden Badewanne am Abend. Außerdem möchte ich allen Leidensgenossen gerne ein Buch ans Herzen legen, von dem ich bereits hier im Blog berichtet habe: Schlafen und Wachen – ein Elternbuch für Kindernächte von William Sears. Der amerikanische Kinderarzt und Vater von acht Kindern räumt darin mit einigen Mythen auf rund um die Themen „Durchschlafen“ und  „Schlafen lernen“. Seinen Rat, das Familienbett als DAS Mittel der Wahl zu betrachten, sehe ich zwar etwas kritisch, weil das meiner Meinung nach einfach nicht für alle Familien passt. Mitgenommen habe ich aber ein Stück mehr Gelassenheit und die Hoffnung, auch ohnequalvolle Schlaflernprogramme, irgendwann mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen zu können.