Adiós Frühförderung – wie ich aufhörte , Co-Therapeutin für mein Kind zu sein und viel entspannter wurde

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Blogpost im vergangenen Jahr, in dem ich davon berichtet habe, wie sehr mich Pauls Frühförderprogramm stresste. Dabei waren es nicht allein die vielen Termine, die er von der Logopädie über die Physiotherapie bis hin zur Heilpädagogik Woche für Woche hatte. Was mich wirklich fertig machte war mein eigener Anspruch, die perfekte Co-Therapeutin für mein Kind zu sein.

Dabei bin ich von Haus aus eigentlich keine Perfektionistin. Ob Schule, Studium oder Job, eigentlich war mir der Weg des geringsten Aufwands immer ganz lieb. Und weil ich damit meist auch ganz gut fuhr sah ich keinen Grund, groß etwas zu verändern.

Aber dann kam Paul

Und mit ihm die vielen guten und gut gemeinten Ratschläge von Ärzten und Therapeuten: „Üben Sie jeden Tag eine halbe Stunde dies und eine Viertelstunde das und dann massieren Sie ihm die Füße.  Singen Sie, lesen Sie vor und inhalieren Sie täglich…“

Denn schließlich, so der Tenor, könne man bei Down-Syndrom heute ja soo viel machen. Was im Umkehrschluss natürlich nichts anderes heißt, als dass man selbst schuld ist, wenn sich das Kind nicht wie gewünscht entwickelt.

Auf meine Frage, wie all das denn zu bewerkstelligen sei, neben einem weiteren Kind, einer Partnerschaft, einer Berufstätigkeit, kurz, einem eigenen Leben, erntete ich regelmäßig verständnislose Blicke. Wie kann die bloß noch Ansprüche stellen, dachten  sich manche ganz bestimmt, schließlich hat sie doch jetzt ein behindertes Kind. Als ob man dadurch quasi automatisch zu einer Art moderner Mutter Theresa würde und eigene Wünsche und Bedürfnisse immer hintenanstellen wolle. Ein Spezialist für Down-Syndrom brachte schließlich auf den Punkt, was bestimmt auch schon andere vor ihm gedacht hatten und meinte, ich solle doch meinen Job aufgeben.

Diese Aussage machte mich zuerst sprachlos. Im Nachhinein bin ich dem weltfremden und verbitterten Mann aber sogar ein bisschen dankbar, denn erst durch ihn konnte ich endlich sagen „Stopp, es reicht!“ Damit hatte er zwar das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte, aber für mich wurde alles einfacher. Denn ich hatte verstanden, dass meine Kraft, meine Geduld und auch mein Wille, für meine Kinder da zu sein, begrenzt sind. Nach diesem Arztbesuch beschloss ich, ab sofort nur noch Pauls Mama zu sein. Und seitdem geht es mir viel besser!

Was bedeutet das, nur Mama sein?

Seit diesem Beschluss überlasse ich die Therapien den Therapeuten. Und zu Hause mache ich nur noch Dinge, die mir und den Kindern Spaß machen. Das kann schon auch  mal eine Massage oder ein Lied sein. Mindestens genauso oft aber spielt Paul einfach mit seinem Bruder im Kinderzimmer, während ich die Wäsche zusammenlege, einen Kaffee trinke oder auch einfach mal nichts tue.

Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Paul alle Fördermöglichkeiten bekommt, die er braucht. Vor allem aber ist meine Aufgabe, meine Kinder so zu lieben, wie sie sind.  Und ihnen zu vertrauen, dass sie schon alles lernen werden, was in ihrem Rahmen möglich ist. Dann, wenn es für sie an der Zeit ist. Völlig schnuppe, ob sie mit 1, 2 oder 3 Jahren laufen und wie groß ihr Wortschatz bei der nächsten U-Untersuchung ist.

Denn seien wir mal ehrlich, jede Frühförderung, sei sie auch noch so wissenschaftlich fundiert und gut ausgeführt, ist immer auch eine Art zu sagen, „so wie du bist, bist du nicht gut genug.“

Ganz unabhängig davon finde ich im Übrigen, dass ich als Mutter eines Kindes mit 47 Chromosomen genauso ein Recht auf ein schönes und entspanntes Leben habe wie alle anderen Eltern auch. Denn, so abgedroschen das auch klingen mag, wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Kindern gut. Warum? Na, weil ich tausendmal geduldiger, liebevoller und humorvoller bin, wenn es mir gut geht.  Und ist nicht ohnehin der größte Liebesbeweis, dem man seinem Kind machen kann, der, zu sagen „mit dir geht es mir gut, du machst mein Leben schön!

 

Eure Kathinka

 

 

Wenn plötzlich gar nichts mehr geht – 6 Maßnahmen gegen den Super-Stress

Vor etwa 14 Tagen hat es mich eiskalt erwischt. Gerade hatte ich Paul in der Kita abgeliefert und meinen Laptop aufgeklappt, da fingen meine Beine an zu zittern und mir wurde schwindelig. Die Buchstaben auf meinem Bildschirm fingen an zu tanzen und ich musste mich am Tisch festhalten, um nicht rückwärts vom Stuhl zu kippen.

Was war passiert?

Ich hatte an diesem Morgen gefrühstückt, heiß-kalt geduscht und war durch die frische Luft geradelt. Beide Kinder waren ausnahmsweise mal gesund. Alles bestens also und der ideale Zeitpunkt, um ein paar Dinge abzuarbeiten. Einen Blogbeitrag schreiben, die Unterlagen für die Krankenversicherung zusammensuchen und in der Musikschule anrufen, um einen Schnupper-Termin zu vereinbaren.

Aber nichts geht mehr

An all das war an diesem Morgen aber nicht mehr zu denken, denn mein Körper ging in den Generalstreik und klappte einfach zusammen.

Und dass, wo er doch in den letzten Monaten immer so zuverlässig funktioniert hat! In den schlaflosen Nächten mit einem Neugeborenen, das nicht trinken wollte. Im Sommer dann Tag für Tag mit dem Baby in der Manduca, den Einkäufen im Rucksack und dem Dreijährigen an der Hand. Und selbst wenn um mich herum alle schnieften und husteten, fühlte ich mich meistens fit genug, um keinen Termin bei der Frühförderung abzusagen.

Warum also plötzlich dieser Zusammenbruch? Jetzt, wo die Kita-Eingewöhnung  abgeschlossen war und ich endlich Zeit hatte, mir Gedanken um meine berufliche Zukunft zu machen?

Der Körper ist schlau

Mein Körper war wohl einfach schlauer ist als ich selbst und hatte die Notbremse gezogen. Klar habe ich gemerkt, dass das letzte Jahr anstrengend war. Zwei Kinder sind immer eine Herausforderung und wenn eines davon eine Behinderung hat, macht es das nicht gerade leichter. Aber hey, andere haben auch Kinder und gründen während der Elternzeit ein Start-Up, schreiben einen Bestseller und haben nebenbei bemerkt auch noch ganz einen frischeren Teint als ich. Wie wuppen die das bloß alles?

Stress ist individuell

Ich weiß es nicht und letztlich ist es auch egal. Jeder Mensch hat seine persönliche Belastbarkeitsgrenze und es bringt nichts, sich mit anderen zu vergleichen. Dafür bringen wir alle auch zu unterschiedliche Voraussetzungen mit. Wichtig ist nur, zu erkennen, wann es zu viel ist. Und dann auch zu handeln, statt darauf zu setzen, dass es schon irgendwie weitergeht. Denn das tut es nicht auf Dauer, irgendwann bricht jeder zusammen und damit ist dann auch niemandem gedient.

Gibt es eine Lösung?

Ehrlich gesagt nervt es mich, an dieser Stelle meine „besten Tipps gegen Stress“ mit euch zu teilen. Denn ich bin überzeugt, dass nicht wir Menschen etwas falsch machen, wenn wir uns ausgebrannt fühlen, sondern dass der Fehler im System liegt. Wer es schafft, 40 Stunden pro Woche für Geld zu arbeiten, seine Kinder zu netten Menschen zu erziehen, mehr als ein paar Worte täglich mit seinem Partner zu wechseln und dabei noch einen Haushalt am Laufen hält und womöglich etwas für seine Altersvorsorge zurücklegt, der verrate mir bitte, wie er das macht. Allen anderen geht es vielleicht wie mir und der eine oder andere dieser Punkte kommt gelegentlich zu kurz. Oder auch dauerhaft. Und zumindest mich stresst das gewaltig, denn irgendwie muss die Miete ja gezahlt, das Kind bei Laune gehalten und der Altersarmit entronnen werden. Und gar nicht mehr Aufräumen ist halt auch keine Lösung.

Was also tun?

Die wenigsten von uns leben in einer Großfamilie oder Kommune, in der immer jemand da ist, der die Kinder mal kurz übernimmt. Auch sieht es nicht so aus, als würde es in den nächsten Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen geben, das es uns Eltern ermöglichen würde, zumindest mal für eine Weile beruflich etwas kürzer zu treten. Selbst der Rechtsanspruch auf Vollzeit für Arbeitnehmer, die familienbedingt für eine Weile in Teilzeit gearbeitet haben, ist politisch momentan nicht durchsetzbar.

Solange die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen also so sind, wie sie sind, müssen wir uns irgendwie selbst helfen gegen den Stress. Und deshalb verrate ich euch hier eben doch, mit welchen Maßnahmen ich das versuche. Und hoffe, dass ich dem einen oder der anderen von euch damit helfen kann!

1. Akzeptieren, dass alles seine Zeit hat

Vielleicht hilft es euch, wenn ihr euch  bewusst macht, dass alles im Leben seine Zeit hat. Alles auf einmal geht einfach nicht. Bei niemandem. Wer kleine Kinder hat, muss nicht genau dann seine Karriere vorantreiben. Warum auch, wo wir doch alle länger arbeiten werden als unsere Eltern? Was spricht also dagegen, sich mit Ende 40 oder auch später nochmal so richtig ins Zeug zu legen?

Es ist auch nicht schlimm, Lebensträume zu verschieben. Die Rucksackreise durch Asien, der Italienischkurs, was auch immer. Wir setzen uns selbst nur unter Druck, wenn wir glauben, all das genau jetzt machen zu müssen. Klar weiß niemand, was morgen so ist, aber entweder hat sich der Traum dann von selbst erledigt oder wir verwirklichen ihn eben dann.

2. Ich-Zeit reservieren

Wie ich es auch drehe oder wende, ein Tag hat nur 24 Stunden. Leider gehen viele davon für alltägliche Dinge wie Wäsche waschen, Windeln wechseln oder einkaufen drauf. Das kann ich nicht ändern. Was ich aber machen kann, ist eine halbe Stunde am Tag für mich zu reservieren. Das klappt bei mir am besten frühmorgens, wenn die Kinder noch schlafen. Dann nehme ich mir ganz bewusst Zeit für meine Morgenroutine, die so aussieht: Ich öffne das Fenster und atme ein paar Mal tief ein und aus. Dann gehe ich ins Bad und genieße meine Dusche. Anschließend gönne ich mir eine Massage mit Sesamöl.  Den ersten Kaffee genieße ich nur mit meinem Freund in der Küche, bevor wir die Kinder wecken. Wie auch immer eure Routine aussehen mag, plant jeden Tag  eine halbe Stunde Zeit für euch selbst ein. Dann könnt ihr im Anschluss auch für andere da sein.

3. Dinge aufschreiben

Den Termin beim Kinderarzt vereinbaren, alte Kleidung aussortieren, die Bremsen am Fahrrad reparieren – jeden Tag gibt es so unendlich viel zu erledigen! Und eigentlich werde ich nie fertig. Und weil mich das stresst, schreibe ich alles auf. Ja, ich gebe es zu, ich bin ein großer Fan von To-do-Listen, und zwar in elektronischer Form! Die haben im Vergleich zum guten alten Kalender viele Vorteile: Man kann sie mit anderen teilen (ich sage nur „Einkaufszettel“ ;-)) und Unerledigtes wird unbarmherzig in den nächsten Tag hinüber transortiert. So geht nichts verloren und auch wenn man etwas nicht sofort erledigen kann, hat man das Gefühl, sich gekümmert zu haben. Außerdem hilft das Aufschreiben beim Strukturieren der Aufgaben. Ist etwas dringend oder kann es auf nächste Woche verschoben werden? Kann die eine oder andere Aufgabe vielleicht an jemand anderes delegiert werden?

4. Die Informationsflut stoppen

Früher dachte ich immer, ich müsste über das gesamte Weltgeschehen informiert sein.  Bei uns zu Hause gab es eine Tageszeitung und abends lief ganz selbstverständlich die Tagesschau. Diese Gewohnheit habe ich auch im Studium und noch viele Jahre danach beibehalten. Es machte mir Spaß,  bei Diskussionen mitreden zu können. Aber das hat sich geändert. Nachrichten fingen regelrecht an, mich zu stressen. Ob das daran liegt, dass sie immer schneller und lauter auf uns einprasseln? Als ewig vibrierender Alarm auf dem Smartphone? Ich glaube, dass diese permanente Berieselung unser Unterbewusstsein in Stress versetzt. Und schlage deshalb vor, sie einfach auszuschalten! An den meisten DIngen, die jeden Tag geschehen, können wir sowieso nichts ändern, aber wir haben das Gefühl, etwas tun zu müssen. Das gibt uns ein Gefühl der Ohnmacht, das ganz schön belastend sein kann. Das heißt nun nicht, sich überhaupt nicht mehr für das Weltgeschehen zu interessieren! Aber vielleicht reicht es ja auch, sich einmal am Tag für eine halbe Stunde ganz bewusst zu informieren? Und zwar nur über das, was euch wirklich interessiert! Und wenn das der Sportteil der Zeitung oder die neuesten Beikostempfehlunge der WHO sind, was soll’s!  Es ist doch besser, Experte für eine Sache zu sein, für die man gerade brennt, als eine vage Idee von allem Möglichen zu haben, oder?

5. Konflikte offen ansprechen

Einer der größten Stressfaktoren sind für mich Konflikte mit anderen Menschen. Dabei muss es sich gar nicht mal um große Streitereien handeln, ich meine die ganz alltäglichen Reibereien. Wisst ihr, was ich meine? Vielleicht nervt es euch, dass eure Kollegin im Büro immer so laut telefoniert? Oder dass eure Schwiegermutter den Kindern immer Süßigkeiten mitbringt? Geschenke für die Kinder mitbringt? Dann sprecht sie sofort darauf an, freundlich, aber bestimmt! Sonst stauet sich der Ärger mit der Zeit in euch an und irgendwann explodiert ihr. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede.

6. Einmal am Tag ganz achtsam sein

Ihr wisst, ich bin ein Fan von Achtsamkeit. Leider vergesse ich das im Alltag immer wieder. Und ich fürchte, dass ich nicht die Einzige bin, der das so geht. Grund genug also, feste „Achtsamkeitsinseln“ im Alltag zu verankern. Das bedeutet nichts anderes, als sich einmal am Tag voll und ganz auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. Das kann zum Beispiel ein Essen sein, bei dem ihr jeden Bissen ganz bewusst wahrnehmt. Wie fühlt es sich an, zu kauen? Welche Konsistenz hat das Essen, das ich gerade im Mund habe, ist es hart oder weich, heiß oder kalt? Schmeckt es salzig oder bitter?

Wie oft schlingen wir einfach nur schnell irgendetwas herunter, ohne darauf zu achten, wie es uns dabei ergeht. Schade, denn das ist erstens ungesund, macht zweitens keinen Spaß und trägt ganz sicher nicht zur Entschleunigung bei.

Achtsamkeit lässt sich natürlich auch ganz prima unter der Dusche üben. Oder beim Spazierengehen. Was auch immer ihr euch aussucht, lasst euch einfach darauf ein und bewertet nicht, was dabei mit eiuch passiert. Es geht einfach nur darum, die Aufmerksamkeit wieder auf eine einzige Sache zu lenken. Etwas, was die meisten von uns vor lauter Multi-Tasking gar nicht mehr können.

So, jetzt habe ich aber genug geschrieben! Ich hoffe, der eine oder andere von euch kann mit meinen Tipps etwas anfangen. Wie geht ihr denn mit Stress um, habt ihr vielleicht noch andere Tipps? Ich freue mich auf euer  Feedback!

 

Lieber etwas langsamer? 5 Tipps, wie du dein Leben entschleunigen kannst

In meiner ersten Elternzeit hatte ich mir viel vorgenommen. Babyschwimmen, Kinderwagensport, Rückbildungsyoga. Weiter Tango tanzen und Freunde treffen wie früher. Eine Weiterbildung machen. Ach ja, und eine Rucksackreise nach Südamerika wollten wir auch noch organisieren.

Wer selbst Kinder hat, wird spätestens jetzt lachend am Boden liegen und sich fragen, wie ich bloß so naiv sein konnte, das alles hinzukriegen.

Denn natürlich habe ich es nicht geschafft, mein Leben mit Baby einfach so weiterzuführen wie vorher. Dabei habe ich einige meiner  Vorhaben sogar umgesetzt, zum Beispiel die Rucksackreise. Allerdings ganz anders, als mein Freund und ich uns das vorgestellt hatten. Denn statt die Tangobars von Buenos Aires unsicher zu machen, verbrachten wir unsere Nächte damit, unseren kleinen Schreihals zu beruhigen. Tagsüber saßen wir dann meistens ermattet auf einem Spielplatz und schauten den argentinischen Familien beim Matetee-Trinken zu. Im Torres del Paine-Nationalpark in Chile endeten unsere Wanderungen meist nach zwei oder drei Stunden, wenn der Zwerg in der Trage seinen Mittagsschlaf beendet hatte und unterhalten werden wollte. Und wenn wir dann den Rest des Nachmittags an einem schattigen Plätzchen verbrachten, warf ich den vorbeilaufenden Wanderern wehmütige Blicke zu.

Beim zweiten Mal wird alles anders, oder?

Nun bin ich wieder in Elternzeit und habe mir gar nicht erst so viel vorgenommen. Das ist auch besser so, denn auch dieses Mal kam alles anders als erwartet. Zwar hat Sohnemann Nummer zwei im Vergleich zu seinem Bruder ein sehr ausgeglichenes Gemüt und einen elternfreundlichen Schlafrhythmus, dafür aber das Down-Syndrom. Das bedeutet, dass einiges etwas anders und vor allem langsamer läuft als bei anderen Babys.

Aber um ehrlich zu sein, diese Langsamkeit tut mir richtig gut und ist genau das, was in meinem Leben bislang gefehlt hat. Und  während ich mit Baby Nummer 1 manchmal heulend im Bett saß, weil ich es am späten Nachmittag noch nicht geschafft hatte, zu duschen, genieße ich es heute, im Gammel-Look und mit dem Kleinen auf dem Sofa zu liegen. Nicht immer gelingt mir das gleich gut, aber immer häufiger. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es jedem gut tut, sein Leben zu entschleunigen, egal, ob man Kinder hat oder nicht. Und ich gebe dir gerne fünf Tipps, die mir dabei immer wieder helfen.

Tipp 1: Akzeptieren, was ist

Eine wichtige Maßnahme gegen den Frust darüber, nichts auf die Reihe zu kriegen, ist in meinen Augen, jede Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Ganz egal, ob man sie mag oder nicht. Babys sind dafür wunderbare Lehrer, denn sie sind extrem anspruchsvoll und hilfsbedürftig. Anders als wir können sie ihr Bedürfnis nach Nahrung, Nähe oder Schlaf nicht aufschieben. Und da wir nun mal die Verantwortung für diese kleinen Menschen haben, müssen wir unsere eigenen Bedürfnisse und Aufgaben hintenan stellen. Tag und Nacht und oft ohne richtige Ruhepausen. Gerade bei zwei Kindern bleibt eigentlich nie Zeit, mal gemütlich mit der besten Freundin zu telefonieren, ungestört ein Buch zu lesen oder gar auszuschlafen. Das finde auch ich ärgerlich, aber hey, es kommen wieder andere Zeiten! Und so lange die Zwerge so abhängig sind, hilft es einfach nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was man gerade alles verpasst.

Tipp 2: Die To-Do-Liste entrümpeln

Wie viele Menschen neige auch ich dazu, mir jeden Tag zu viel vorzunehmen. Auf meiner To-Do-Liste stehen gerne mal aufwändige Sachen wie Brot backen oder Marmelade kochen. Diese Dinge machen mir aber so viel Spaß, das ich nicht auf sie verzichten möchte. Und dann gibt es Aufgaben, die nun mal erledigt werden müssen. Wäsche waschen zum Beispiel. In einem Vier-Personen-Haushalt fällt da einiges an und 24 Stunden erscheinen mir oft viel zu wenig, um alles zu erledigen. Deshalb habe ich angefangen, alles von meiner To-Do-Liste zu streichen, was nicht zwingend erledigt werden muss und weder für die Kinder noch für mich gewinnbringend ist. Dazu gehören für mich Dinge wie bügeln, telefonieren, Babykurse oder Leute treffen, mit denen ich nur Smalltalk austauschen würde. Der letzte Punkt hört sich vielleicht radikal an, aber nur so schaffe ich es, Zeit für die Menschen zu haben, die mir wirklich am Herzen liegen.

Tipp 3: Nicht zwei Dinge auf einmal tun

Wer kennt das nicht? Wenn man  einen Berg an Aufgaben vor sich hat, versucht man manchmal, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Auch mir geht das so. Beim Stillen schnell mal eine Mail beantworten oder beim Spielen mit dem großen Sohn schon mal nebenbei das Kinderzimmer aufräumen. Das geht aber gründlich daneben, denn anders als viele denken, gewinnen wir durch Multi-Tasking keine Zeit, sondern vergeuden vielmehr welche. Denn wer versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kriegt nichts gut auf die Reihe. Hinzu kommt, dass es einfach viel schöner ist, sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Beim Essen schmecken wir wieder etwas, beim Duschen bemerken wir, wie gut das Duschgel riecht und in der U-Bahn sehen wir, was für ein schönes Kleid die Frau neben uns anhat. Wer stattdessen immer nur auf sein Smartphone starrt oder  mit den Gedanken im Gestern oder Morgen ist, verpasst das halbe Leben und fühlt sich permanent gestresst durch neue Nachrichten, die die beantwortet werden wollen oder weitere Aufgaben, die irgendwann mal anstehen.

Übrigens will ich damit nicht sagen, dass man grundsätzlich auf ein Smartphone oder soziale Netzwerke wie Facebook etc. verzichten sollte. Nur sollten wir sie als das sehen, was sie sind, nämlich superpraktische Werkzeuge, die den Alltag erleichtern können, mehr aber auch nicht. Wer hat schon Lust auf Gespräche mit Leuten, die immer auf ihr Handy schielen?

Tipp 4: Dinge bewusst langsam tun

Heute war ich wieder im verpackungsfreien Supermarkt einkaufen. Über meinen ersten Besuch dort, habe ich hier vor einigen Wochen berichtet. Seitdem versuche ich, einen Großteil meiner Einkäufe dort zu erledigen. Nicht nur, weil ich das für ökologisch sinnvoll halte, sondern auch, weil es so viel angenehmer ist, als schnell mal durch den Discounter zu hetzen, die Dinge achtlos in einen Wagen zu werfen und an der Kasse schon vom nächsten Kunden weggeschubst zu werden. Bei Schüttgut dagegen wiege ich erstmal meine mitgebrachten Behältnisse ab, überlege dann, welches davon sich für welches Lebensmittel eignet und fülle dann alles selbst ab. Das dauert seine Zeit. Wenn ich dort einkaufe, nehme ich mir nicht mehr viel anderes vor. Dafür reicht es dann immer noch für ein Schwätzchen mit der Besitzerin und manchmal auch für einen Kaffee auf der kleinen Bank vor dem Laden.

Tipp 5: Sich im Nichtstun üben

Dieser Tipp ist für mich ehrlich gesagt am schwierigsten umzusetzen. Aber ich glaube, dass es der Wichtigste ist. Seit einigen Monaten nehme ich mir daher jeden Tag eine halbe Stunde Zeit, um zu meditieren. Das bedeutet, dass ich mich auf ein bequemes Kissen setze und meinen Atem beobachte. Manchmal wiederhole ich auch ein Mantra oder gehe im Geist meinen ganzen Körper durch. Dabei ist mein Ziel nicht, irgendetwas zu erreichen, sondern einzig und allein, für eine Weile ganz bewusst im Augenblick zu sein. Dafür muss man nicht zwingend meditieren. Vielleicht hast du selbst schon in anderen Situationen  erlebt, wie großartig es sich anfühlt, voll und ganz präsent zu sein. Zum Beispiel beim Tanzen, beim Laufen oder beim Musikmachen. Letztlich kann jede Aktivität zu einer Meditation werden, wenn wir sie langsam und bewusst ausführen, sogar etwas so Banales wie Kaffee kochen.

Ich hoffe, dass dir meine Tipps weiterhelfen, ein bisschen mehr Langsamkeit in dein Leben zu bringen. Vielleicht hast du selbst weitere Tipps, die du hier auf dem Blog mit mir teilen möchtest? Ich freue mich auf jeden Kommentar!

 

„La tisane“- mein Entspannungsritual am Abend

Wie ich vor kurzem hier berichtet habe, gelingt es mir leider nicht immer, im Alltag mit zwei Kindern so entspannt und ausgeglichen zu sein, wie ich es gerne wäre. Ein trotzender Zweijähriger voller Tatendrang und die vielen Arztbesuche, die wir aufgrund von Pauls Trisomie 21 bereits hinter uns haben, haben mich in den vergangenen Wochen einiges an Nerven gekostet. Umso wichtiger sind für mich meine kleinen Entspannungsrituale, die ich  teilweise schon seit vielen Jahren pflege und nur äußerst ungern ausfallen lasse. Heute will ich euch eines davon vorstellen, das mir nahezu heilig ist.

„Une eau chaude“ wie sie die Franzosen lieben

Aus meiner Zeit in Frankreich ist mir die Gewohnheit geblieben, abends nach dem Essen, eine „eau chaude“ – also ein heißes Wasser zu trinken. Meist handelt es sich dabei um einen Kräutertee, gerne auch mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten. Das wärmt und tut der Verdauung gut. In französischen Großfamilien ist die sogenante Tisane auch eine Überleitung vom geselligen Abendessen zum ruhigen Teil des Abends, an dem man sich dann langsam zurückzieht. Zuhause trinke ich meine tisane dann, wenn die Kinder schlafen. Dazu lese ich gerne ein paar Seiten in einem Buch, wozu ich tagsüber leider nie komme und esse ein Stück dunkle Schokolade (zugegeben, manchmal auch zwei), am liebsten übrigens diese.

Auch wenn ich im Laufe der Jahre schon unzählige Teesorten durchprobiert habe, haben sich irgendwann drei Favoriten herauskristallisiert, die ich immer wieder mache:

  1. Im Sommer: Die Zitronenverbenen-Tisane
Wikipedia Kräutergarten
Die Zitronenverbene, Foto: Von Plenuska – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46975185

Ein Aufguss aus den Blättern der Zitronenverbene erfrischt ganz toll und ist deshalb vor allem im Sommer mein liebstes Abendgetränk. Außerdem wird dem Strauch eine schlaffördernde Wirkung nachgesagt. Für den Aufguss eignen sich sowohl frische als auch getrocknete Blätter, die man mit kochendem Wasser übergiest und dann mindestens fünf Minuten ziehen lassen sollte. Wer wie ich keinen eigenen Garten hat, bekommt die Blätter getrocknet zum Beispiel von Sonnentor.

2. Im Winter: Mein heißgeliebter Yogitee

GT_Zutaten_klassicher-Yogi-Tee
GT_Zutaten_klassicher-Yogi-Tee, Foto:

Von GeoTrinity – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47473546

Schon als Teenager liebte ich diese kleinen, nach Zimt duftenden Yogiteebeutelchen mit den weisen Sprüchen drauf. Aber damals wie heute finde ich die fertigen Teebeutel viel zu teuer. Warum also nicht selber machen? Das ist super einfach und schmeckt noch dazu viel besser. Am liebsten mache ich gleich eine größere Menge Yogitee, denn nach ein, zwei Tagen schmeckt er noch intensiver. Auf dem Foto oben seht ihr, welche Gewürze klassischerweise in den Yogitee reinkommen: Zimt, Nelken, Ingwer, Pfeffer, Sternanis und Kardamom. Natürlich kann man hier nach Lust und Laune variieren. Ich selbst bin zum Beispiel kein Riesenfan von Nelken und verwende daher nur wenige davon. Die Gewürze werden mit kaltem Wasser aufgesetzt und dann für mindestens 20 Minuten bei schwacher Hitze köcheln gelassen. Beim Kardamom ist es übrigens wichtig, die Kapseln zu knacken. Nur die kleinen Kügelchen kommen in den Tee! Das geht am besten mit einem Mörser. Ich gebe zu, das ganze Prozedere dauert etwas, aber es lohnt sich, solange zu warten, denn sonst schmeckt der Tee weniger intensiv. Mir schmeckt der Yogitee am besten mit Milch und Honig. Natürlich kann man ihn auch pur trinken oder mit Mandel-, Hafer-, Sojamilch…

3. Beim kleinsten Wehwechen: Ingwerwasser

Beim Ingwer scheiden sich ja die Geister. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich selbst bin ein riesiger Ingwer-Fan und trinke auch tagsüber gerne literweise Ingwerwasser. In der indischen Ayurveda-Lehre spricht man dem Ingwerwasser eine besonders gesundheitsförderne Wirkung zu. Ingwer heizt den Körper von innen so richtig auf, hilft gegen Entzündungen im Hals und Rachen und soll außerdem gegen Übelkeit helfen (auch in der Schwangerschaft!). Ingwerwasser lässt sich ganz einfach herstellen, indem man ein Stückchen einer frischen Ingwerwurzel schält und mit einer Küchenreibe fein raspelt. Das ganze wird dann mit Wasser aufgekocht und circa zehn Minuten köcheln gelassen. Wenn man es eilig hat, reicht es auch, den Ingwer mit kochendem Wasser zu übergießen. Ich selbst mag mein Ingwerwasser am liebsten pur. Mein Freund gibt gerne noch ein bisschen frisch gepressten Zitronensaft dazu.

Habt ihr auch Entspannungsrituale, die euch heilig sind? Lasst es mich wissen, ich bin sehr gespannt!

Eure Kathinka

 

Tiefenentspannt im Kinderchaos – geht das?

Als ich Anfang des Jahres eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin bei Taohealth absolviert habe, glaubte ich noch, den Dreh endlich raus zu haben. 14 Tage lang hatte ich intensiv Yoga Nidra, Progressive Muskelentspannung und autogenes Training geübt und selbst angeleitet, hatte nach Osho zu schriller 80er-Jahre-Musik meditiert und mich in Achtsamkeit geübt. Stress? Ein hausgemachtes Problem, das mich (scheinbar) nicht mehr betraf. Tiefenentspannt blickte ich den letzten Wochen meiner Schwangerschaft entgegen und machte jede Menge Pläne: Jeden Morgen eine Stunde früher aufstehen und erst mal 12 Sonnengrüße machen zum Beispiel. Täglich meditieren. Endlich bloggen. Nie wieder Kaffee trinken. Brot nur noch selbst backen….

Vier Monate später kann ich mich nur noch wundern, wie ich damals wohl auf die Idee mit dem Kaffee kam 😉

Voller Bewunderung lese ich, wie Menschen von ihrer perfekten Morgenroutine erzählen, bei der sie sich ganz bewusst Zeit für sich selbst und die Dinge, die ihnen wichtig sind, nehmen. Schreiben, Yoga, Meditation. Magical Morning nennen einige diese Routine auch und nehmen dafür in Kauf, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen. Gut, letzteres mache ich seit zwei Jahren auch. Nur statt Sonnengrüßen oder mentalem Training steht dann in der Regel etwas anderes an: „Mama, Pollidge machen! Mama, aufsteeeehen! Mama, niiicht Wickeltisch!“

Der letzte Satz unseres Zweijährigen wird allerdings meist gnadenlos ignoriert, was zur Folge hat, dass mein Freund oder ich im Halbschlaf ein wütendes und wild um sich schlagendes Kind ins Bad tragen. Wenn dann circa zwei Stunden später beide Kinder gewickelt und angezogen, Karies und Baktus erlegt und ich gefühlt 100 mal „Oh Tannenbaum“ (auch im Sommer der unangefochtene Nummer-eins-Hit beim Zähneputzen!) bin ich so erledigt, dass mir der Sinn irgendwie nicht mehr nach Meditation steht.

Abends ist es leider nicht viel besser. Nachdem ich dem Zweijährigen eine Stunde von Max und seinem Roller und dessen unzähligen Abenteuern erzählt habe, mit dem Baby inhaliert und einen Lavendelwickel angelegt habe, bin ich mindestens genauso müde wie der Mini und schaffe es höchstens noch, drei Seiten in einem seichten Buch zu lesen. Gezielte Entspannung? Fehlanzeige!

Aber stopp, mir geht es hier nicht darum, zu jammern, wie anstrengend das Leben mit Kindern ist und auf was man alles verzichten muss. Natürlich weiß ich, dass das vielen anderen nicht anders geht. Außerdem habe ich mir dieses Leben ja selbst ausgesucht. Sehr oft ist es sogar richtig witzig, so wie heute Nachmittag, als mir der Sohnemann einen mit Steinchen gefüllten Nylonstrumpf brachte („Mama, Schokoladeneis“). Dass ich eigentlich gerade dabei war, Yoga zu üben, der Nylonstrumpf frisch gewaschen und gerade Mittagsschlafzeit war, muss ich sicher nicht extra erwähnen 😉

Trotzdem, irgendwas muss sich ändern, denn ich mag mich selbst nicht, wenn ich so oft gestresst und abgehetzt bin, keine Lust mehr auf längere Gespräche mit Erwachsenen habe oder nur mit einem Ohr zuhöre, weil ich entweder über die Termine am nächsten Tag nachdenke oder innerlich den „ewigen Einkaufszettel“ aktualisiere, den mein Freund und ich in einem gemeinsamen Google-Kalender verwalten.

Aber wie wieder zur eigenen Mitte finden? Leider habe ich die Antwort auf diese Frage für mich noch nicht gefunden. Was mir aber gerade sehr hilft, ist, meine Ansprüche gewaltig herunterzuschrauben. So versuche ich jetzt, jeden Tag zumindest eine Fünf-Minuten-Mediation irgendwie zwischenzuschieben. Das geht notfalls auch mit einem schnarchenden Baby auf dem Bauch und fühlt sich großartig an.

Und wie schafft ihr es, im Alltag zu entspannen? Ich bin gespannt auf eure Tipps!

Eure Kathinka